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Investition geplatzt : Riesenstall in Keez wird nicht gebaut

vom
Aus der Redaktion des Anzeiger für Sternberg – Brüel – Warin

Fanja Pon zieht Pläne für 3000er-Rinderanlage zurück.

svz.de von
erstellt am 10.Dez.2015 | 20:30 Uhr

Die Entschluss kam im wahrsten Sinne des Wortes Knall auf Fall: Gestern entschied Familie Pon, dass das in der Öffentlichkeit umstrittene Großprojekt eines Rinderstalls in Keez bei Brüel nicht gebaut wird. Wie Unternehmerin Fanja Pon, die dies umsetzen wollte, gestern um 15 Uhr gegenüber SVZ erklärte, ist der Entschluss ganz kurzfristig gefallen. Ihr Vater habe ihr gestern die entsprechende Entscheidung mitgeteilt. „Es ist eine Entscheidung der Familie“, fügte Fanja Pon hinzu. „Gleich im Anschluss wurden die Mitarbeiter darüber informiert.“

Enttäuschung bei Investoren, Freude bei Umweltschützern: Die Investitionsabsage sei angesichts der Milchmarktkrise eine richtige Entscheidung und gute Nachricht für die Milchbauern in MV, sagte Corinna Cwielag, Landeschefin des Bundes für Umwelt und Natur (BUND) gestern. Damit würde angesichts des vorhandenen Überangebots nicht noch mehr Milch auf den Markt drängen. Vor allem bleibe der vorgesehene Standort im Naturpark von enormen Umweltauswirkungen für das Wasser und die Luft verschont.

In Keez sollte eine super moderne Anlage für insgesamt 2280 Jersey-Milchkühe, 169 Färsen und bis zu 600 Kälber errichtet werden. Zudem waren zwei Gülle/Gärrestlager in Thurow und Neu Necheln geplant (SVZ berichtete). Ferner warb man in dem Zusammenhang mit der Errichtung eines Vermark- tungszentrums mit Auktionshalle für Jersey-Kühe, in dem Fachleute aus ganz Europa erwartet werden sollten.

Gegen das Großprojekt gab es von Beginn an Proteste in der Region, bildete sich u.a. eine Bürgerinitiative. Doch dies habe laut Fanja Pon – die seit nunmehr 24 Jahren in MV lebt, in Kaarz heimisch geworden ist und mit ihrer Familie für eine Reihe von Betrieben in der Region steht – nicht den Ausschlag für den jetzigen Rückzug gegeben. „Eigentlich heißt es: ,Was lange währt, wird gut‘. Doch in dem Fall lautet der Satz gefühlsmäßig: Was lange dauert, wird nicht besser“, so Fanja Pon.

Diese machte neben der langen Planungsdauer von nunmehr bereits drei Jahren und auch der Ungeduld dabei vor allem „landesweite und überregionale Gesichtspunkte im Land, beim Bund und auf europäischer Ebene“ für den Rückzug verantwortlich. Es gebe noch immer „keine ganz konkrete Aussicht auf Genehmigung, obwohl ich denke, wir kämen der Genehmigung näher“, meinte sie.

Und dennoch wurde jetzt die Reißleine gezogen. In ganz Europa gehe, so Pon, „die Tendenz zu einer anderen Sicht auf die Milchwirtschaft“. Zugleich ist sie nach wie vor überzeugt, dass es „ein wundervolles Projekt war“. Mit Blick auf die aktuell im Keller befindlichen Milchpreise muss für die Wahl-Mecklenburgerin „eine bestimmte Größe dahinter stehen, ansonsten ist die Wirtschaftlichkeits-Problematik unlösbar“.

Fanja Pon schloss die Verwirklichung ihres Rinder-Projektes an anderer Stelle auf Nachfrage hin ausdrücklich aus. „Nicht in der EU.“ Außerhalb der EU ließ sie sich ein Hintertürchen offen, wollte sich im SVZ-Gespräch aber nicht festlegen.

Zugleich wurde deutlich, dass für Fanja Pon und ihre Familie auch noch etwas anderes eine Rolle bei der Entscheidung mitspielte. „Wir wollen hier in Frieden leben“, erklärte sie. Im Verlauf des jetzt gestoppten dreijährigen Projektes habe sie „ganz viele Freunde gefunden und viele neue Freundschaften geschlossen“. Zugleich gestand sie ein, dass man „viel mehr und eher mit der nicht landwirtschaftlich tätigen Bevölkerung ins Gespräch hätte kommen müssen“. Erst im August 2015 hatte eine Monitoring-Gruppe ihre Arbeit aufgenommen.

Für Fanja Pon waren „80 Prozent der Leute für das Projekt und 20 Prozent dagegen. Auch mit einer Minderheit, die das nicht mitmacht, wird es schwierig, glücklich in der Region zu sein.“ Man fühle sich „als Landwirtschaftsbetrieb als Teil der Gesellschaft. Und daran wird sich nichts ändern.“

Die Spannbreite der Unternehmungen von Fanja Pon in Westmecklenburg reicht vom Golfplatz in Vorbeck über Landwirtschaft wie Kuhpon Kaarz, den Agrarhof Brüel und die Landwirtschaftsgesellschaft Groß Raden bis hin zum Schlosshotel Kaarz.

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