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Anzeiger für Sternberg, Brüel, Warin

23. August 2017 | 21:46 Uhr

Ventschow : Riesen-Wandbild hat Schule überlebt

vom
Aus der Redaktion des Anzeiger für Sternberg – Brüel – Warin

Das Auftragswerk von 1970 soll bewahrt bleiben. Für das leer stehende Gebäude wird indes weiter nach einer Nachnutzungsidee gesucht.

Allein schon von der Dimension her ist das circa 20 Quadratmeter große (Arbeiterklasse-)Bild im Foyer der alten Ventschower Schule nicht zu übersehen. Es läuft unter der Rubrik Auftragswerk, wie es unzählige zu DDR-Zeiten gab. Geschaffen hat es der in Zittow bei Schwerin lebende bekannte Mecklenburger Maler Horst Holinski. Auf dem Ventschower Werk findet man rechts unten die Zahl 1970 sowie den Namenszug des Künstlers.

Horst Holinski, Jahrgang 1936, hat sich u.a. auch an einer anderen Schule verewigt: Am Giebel der heutigen Integrierten Gesamtschule „Bertold Brecht“ auf dem Schweriner Großen Dreesch prangt der 1980 eingeweihte überdimensionale „Blumenkelch“ mit Symbolen aus Industrie und Landwirtschaft.

Kunstliebhaber wissen: Horst Holinski hat weit mehr geschaffen als diese Auftragswerke, gehört zu den bekannten Mecklenburger Malern. Sein Kunstblatt „Kaiserkronen“ findet sich etwa im „Jahreskunstkalender Mecklenburg 2014“ der Galerie am Dabeler Mattenstieg wieder.

Zurück zu Ventschow. „Herr Holinski hat das Bild in der Schule gemalt, da war ich gerade Schüler. Ich bin sozusagen ein Zeitzeuge“, erzählt der heutige Ventschower Bürgermeister Dieter Voß, dessen Wunsch es ist: „Das Bild soll noch lange hier hängen.“ Auch dessen 2. Stellvertretender Bürgermeister, Marko Klee, dieser besuchte ab 1980 die einstige Polytechnische Oberschule, legt „großen Wert darauf, dass es erhalten bleibt. Es handelt sich schließlich um ein Stück Zeitgeschichte.“

Zeitgeschichte ist auch die Ventschower Schule inzwischen selbst geworden. In einer der immer wieder neuen Schulreformen nach der Wende wurde sie 2006 wegrationalisiert. „Es ist das Ergebnis des Fehlverhaltens der Schulpolitiker in Deutschland, das war abzusehen“, so Voß. Darum bemühten er und andere sich bereits „vor 12, 13 Jahren, eine Privatschule daraus zu machen“. Die Idee ließ sich aber nicht verwirklichen, so dass sich die dafür extra gegründete GmbH laut Voß „gerade in Abwicklung befindet“.

Was tun mit dem Gebäude, das abgesehen von den hier stattfindenden Gemeindevertretersitzungen zumeist leer steht? Neueste Ideen gehen dahin, zumindest einen Teil in ein Gemeinschaftshaus zu verwandeln. Laut Klee sollen dafür die ehemaligen Fachräume für Biologie, Chemie und Physik sowie das alte Lehrerzimmer plus Sekretariat und der Werken-Raum genutzt werden. „Bis hin zu Übernachtungsmöglichkeiten für Vereine, die in der nahen Schulturnhalle dann trainieren könnten“, schwebt Klee vor. Doch Voß bremst allzu große Euphorie: „Wir sind damit erst ganz am Anfang.“ Es werde vor allem auch eine Frage der finanziellen Fördermöglichkeiten sein.

So oder so hat die Ventschower Schule eine besondere Geschichte – ist sie schulpolitisch ein Unikum. Obwohl hier seit acht Jahren keine Schülerstimmen mehr zu vernehmen sind, ist die Einrichtung offiziell nie geschlossen worden. Dazu hätte es nämlich der Unterschrift des Schulträgers, der Gemeinde, bedurft. Voß: „Und die haben wir verweigert. Ich wurde darum zum Ministerium nach Schwerin zitiert. Dort versuchte es man mit Druck, aber da hatten sie den Falschen einbestellt…“

So gibt es die Ventschower Schule weiterhin auf dem Papier. Was indes aus dem Gebäude wird, ob ein Gemeinschaftshaus etc., das bleibt die offene Frage.

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erstellt am 16.Jan.2014 | 17:21 Uhr

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