Warin : Richtig pflanzen und schneiden

Mit geübtem Blick und sicheren Handgriffen führt Seminarleiter Thomas Franiel aus Crivitz vor, wie es bei diesem jungen Baum nach dem Pflanz- mit dem Erziehungsschnitt weiter geht.
Mit geübtem Blick und sicheren Handgriffen führt Seminarleiter Thomas Franiel aus Crivitz vor, wie es bei diesem jungen Baum nach dem Pflanz- mit dem Erziehungsschnitt weiter geht.

Die Wariner Naturparkverwaltung führt das neunte Mal ein Seminar zum Obstbaumschnitt durch. Das war mit 30 Teilnehmern ausgebucht – „mehr geht nicht“.

svz.de von
17. März 2014, 17:45 Uhr

Dieser Zweig sollte auf drei Augen zurückgeschnitten werden. Seminarleiter Thomas Franiel aus Crivitz reckt sich, so kommt er noch ohne die Teleskopschere heran. Bei diesem jungen Baum, der erst das zweite Jahr steht, gehe es noch nicht um den Ertrag, sondern eindeutig um das Gerüst, das nach dem Pflanz- nun mit dem Erziehungsschnitt aufgebaut werden soll. Der Jungbaumschnitt sei enorm wichtig, sagt der Fachmann. Fehler, die dabei unterlaufen, seien später schwer auszumerzen.

Das Interesse an Seminaren für den Obstbaumschnitt ist bei Hobbygärtnern groß. Die Verwaltung des Naturparks Sternberger Seenland hat den neunten Lehrgang angeboten, diesmal im Wariner Pfarrgarten. Er war schnell ausgebucht, schon mehrere Tage vor Ende der Anmeldefrist.


Im Pfarrgarten die gesamte Palette


„Wir haben 30 Teilnehmer. Mehr geht nicht, das wissen wir aus Erfahrung. Sonst bringt das keinem was“, erklärt Naturparkleiter Volker Brandt und freut sich auch über „die gute Mischung vom Alter her“. Der Großteil komme aus Warin und Umgebung, doch die Ankündigung fand selbst bis Crivitz, Schwerin und Mühlen Eichsen Gehör. Die Seminare würden stets gut angenommen, weil viele am Haus oder im Kleingarten Obstbäume hätten, so Brandt. „Eigenes Obst schmeckt eben anders“, findet auch der Wariner Pastor Andreas Kunert, der den Pfarrgarten zur Verfügung stellt.

„Angefangen haben wir in Alt Necheln und dann paar Mal gewechselt nach Warin und Neukloster. Es gibt auch Anfragen von Schloss Kaarz und Lütt Acker in Sternberg“, sagt Brandt. Der Pfarrgarten habe den Vorteil, dass er die ganze Palette enthalte, von Himbeeren über Strauch- bis zu Stein- und Kernobst, zudem stehen hier alte wie junge Bäume.

Nach der Theorie traut sich Matthias Napp als erster Teilnehmer und nimmt unter aller Augen den Teleskopstiel mit der Astschere. Er wohnt seit 2011 in Maßlow bei Wismar, hat eine Streuobstwiese angelegt und möchte die nun „in Form bringen“. Man lernt nie aus, so das Motto von Hans-Dieter Doepner. 2007 nach Warin gezogen, habe er Pflaume, Apfel und Süßkirsche am Haus. „Die werden künftig fachmännisch gepflegt“, sagt der Rentner schmunzelnd. Zudem sei ihm als Mitglied des Kirchengemeinderates der Pfarrgarten vertraut. Die beiden jüngsten Gesichter in der Runde verfolgen das Geschehen ebenso aufmerksam:
Lineke Lenferink und Jannes Mross. Sie absolvieren ein Freiwilliges Ökologisches Jahr im Naturpark Sternberger Seenland bzw. Nossentiner-/Schwinzer Heide, das Seminar habe beide sehr interessiert.

Thomas Franiel beginnt seine zahlreichen Tipps schon beim Pflanzen der Obstgehölze. Dabei sollte man es nicht zu gut meinen und die Grube bis oben mit Kompost füllen. Der setze in dem Fall Salz frei. Als Höchstgrenze gelte etwa ein Fünftel, und dieser Kompost sollte nicht für sich unten ins Pflanzloch kommen, Baum und Boden darauf, sondern gut gemischt werden mit Erde und Hornspänen. Jemand will wissen, ob immer eine Baumscheibe notwendig sei. Franiel verneint; generell nicht, wohl aber bei Konkurrenz etwa durch Rasen. Für die Baumscheibe eigne sich Kompost mit Hornspänen, und sie lasse sich optisch abgrenzen mit Zwiebeln von Frühjahrsblühern. „Das sieht dann auch hübsch aus“, so der Experte. Und Vorsicht beim Düngen des Rasens, damit die Obstgehölze davon nicht zu viel abbekommen, merkt er an. Nach einer Neupflanzung werde auch oft der Fehler gemacht, permanent zu wässern. Besser sei, das einmal durchdringend zu machen und dann alle zehn Tage. Nur wenn die Blätter hängen, sollte der Intervall auf drei Tage verkürzt werden. „Zu viel ist nicht gut, zu wenig natürlich auch nicht“, so der Fachmann. Letzteres überstand ein junger Baum im Pfarrgarten nicht. „Der bekam drei Wochen kein Wasser, das haben wir zu spät bemerkt“, bedauert Pastor Kunert.

Beim Schneiden gelten für jede Obstart spezielle Regeln. „Kirsche sollte wie Kirsche aussehen, Apfel wie Apfel und Birne wie Birne“, fasst Franiel zusammen. Dabei müsse ein Obstbaum nicht kerzengerade sein. Es komme weniger aufs Aussehen an, sondern dass er trägt. Biegungen im Stamm würden verhindern, dass der Saft auf kürzestem Weg in die Spitze schießt. Und beim Aufbau des Gerüstes sollte auch bedacht werden, dass später vielleicht eine Leiter angestellt werden muss, gibt der Seminarleiter mit auf den Weg und bittet alle zum nächsten Baum.

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