Sternberg : „Reste-Essen“ wird Dauerbrenner

Der Salat „Helene“. Vor dem Verzehr sollte er eine Nacht „durchsuppen“.
Foto:
1 von 2
Der Salat „Helene“. Vor dem Verzehr sollte er eine Nacht „durchsuppen“.

Serie „Familienrezepte“: Heute stellt Jürgen Klabunde aus Sternberg seinen Weihnachtssalat vor.

svz.de von
12. Dezember 2014, 17:43 Uhr

Normalerweise ist Karin Klabunde die Chefin in der Küche. Heute durfte ihr Mann Jürgen darin werkeln - natürlich unter strenger Aufsicht - um eines seiner Familienrezepte mit mir zu kochen. Das Gericht, das wir zubereiten, kursierte schon unter vielen Namen. Ursprünglich „italienischer Salat“ genannt, später „Salat Helene“ und im umgangssprachlichen Gebrauch nun auch „Weihnachtssalat“.

Der 67-Jährige erklärt vorweg kurz: „Eigentlich gab es diesen Salat bei uns zu Hause immer am zweiten Weihnachtsfeiertag. Meine Mutter Helene hat dann die Reste von Gemüse und Fleisch zu einem Salat verarbeitet.“ Sie nannte ihn einen italienischen Salat. „Von klassischen italienischen Rezepten ist er aber weit entfernt“, lacht Jürgen Klabunde.


Ein italienischer Salat, der keiner ist


Inzwischen ist er dahinter gekommen, wie seine Mutter auf Italien kam. „Weil in dem Salat rot, grün und weiß ist.“ Zubereitet hatte Helene Klabunde den Salat immer ohne Rezept. Nachdem sie plötzlich und viel zu früh verstarb, standen er und seine Schwester also ohne das Rezept da. Aufgeben wollten sie es jedoch nicht. So tüftelte der Sohn ein wenig an der Zubereitung und konnte das Rezept nun nachempfinden. „Meine Schwester behauptet ja, der Salat schmeckt jetzt besser als der von der Mutti“, erzählt er, „wahrscheinlich, weil es inzwischen andere Zutaten gibt und wir die Elemente tatsächlich frisch für den Salat herstellen, statt Reste zu verwenden“.

Zum Weihnachtsfest gehört der „Weihnachtssalat“ in der Familie Klabunde immer dazu. Er wird am Heiligabend statt Kartoffelsalat gegessen und mit Bouletten und oder Bockwürstchen serviert. Am ersten Weihnachtsfeiertag gibt es dann einen mecklenburger Rippenbraten - auf den freut sich der 67-Jährige jedes Jahr am meisten - und am zweiten Feiertag schließlich Ente.


Rezept, das kaum schief gehen kann


Wirklich schief gehen kann bei seinem Rezept nicht viel. „Es ist quasi idiotensicher“, stellt er fest, „nur beim Abschmecken und der Dosierung der Mayonnaise muss man vorsichtig sein“. Seit er Rentner ist, kocht Jürgen Klabunde mehr als früher und entwickelt Spaß daran. „Ich probiere gerne Neues aus.“ Nur mit starren Rezepten tut sich der Sternberger schwer. „Darum backe ich auch nicht, da muss man ja abwiegen. Sowas kann bei uns nur meine Frau.“ Und die hat auch einen ausgeprägten Ordnungssinn. Kaum haben wir ein paar Minuten mal nicht hinter uns geschaut, hatte sie alle Arbeitsgeräte schon abgewaschen und die Oberflächen wieder blitzblank geputzt. „So ist meine Frau“, kommentiert ihr Ehemann dazu schmunzelnd. Da wird klar, wer hier der wahre Chef in der Küche ist. Die beiden sind seit bereits 45 Jahren verheiratet - „sind bestimmt schon 120 Jahre“ witzelte er - und haben sehr verschiedene Geschmäcker. Der 67-Jährige liebt deftige Kost, seine Frau eher Kalorienreduziertes. Zu ihrer Verteidigung erklärte sie aber, dass sie ja „auch für die Enkel kocht“.


Nicht nur kochen konnte Jürgens Mutter


Von der Mutter hat das Paar nicht nur das Rezept für den Weihnachtssalat übernommen. Auch Braten- und Kuchenrezepte werden noch heute gerne verwendet. „Helene hat immer einen tollen Hefekuchen gebacken, für den die Leute besonders zum Geburtstag immer kamen“, erinnert sich der Sohn, „dafür haben wir zwar ein Rezept von ihr gefunden, aber es ist scheinbar nicht das Richtige. Wir haben den Kuchen noch nicht wieder so hinbekommen.“ Er erinnert sich auch, dass seine Mutter auf Nachfrage seiner Frau, was denn das Geheimnis dieses Kuchens sei, sagte: „Ji jungen Lüüd laaten juch kein Tied!“ Schmunzelnd berichtet er, dass sie sich generell nicht gerne beim Kochen über die Schulter hat schauen lassen. Sie war der Chef in der Küche und er selbst hat damals gerne Mal hier und da genascht...

Bei unserem Gespräch wurde der Salat nun ratz-fatz fertig. Und tatsächlich. Beim Probieren hat man das Gefühl, Weihnachten sei vor ein paar Tagen gewesen und man könne sich noch an den letzten Resten des Festschmauses erfreuen... Irgendwie sind wir dann aber doch froh, dass uns Weihnachten dieses Jahr noch bevorsteht. Denn auf diese wunderbaren Tage möchte keiner von uns freiwillig verzichten.

zur Startseite

Gefällt Ihnen dieser Beitrag? Dann teilen Sie ihn bitte in den sozialen Medien - und folgen uns auch auf Twitter und Facebook:

Diskutieren Sie mit.

Leserkommentare anzeigen