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Anzeiger für Sternberg, Brüel, Warin

15. Dezember 2017 | 13:21 Uhr

Sternberg : Rentnerin feiert 19. Geburtstag

vom
Aus der Redaktion des Anzeiger für Sternberg – Brüel – Warin

Helga Puck fehlen nur Minuten am 1. März - sie kam am 29. Februar 1940 zur Welt und hat ihren Ehrentag nur alle vier Jahre. In den Amtsbereichen Sternberger Seenlandschaft und Neukloster-Warin geht das jeweils sieben Erdenbürgern so.

von
erstellt am 28.Feb.2016 | 22:07 Uhr

Es fehlten nur ein, zwei Minuten bis zum 1. März, da ließ sich der Kopf blicken. Und als auch die Beine heraus waren, schlug es Mitternacht. „Mutter hat uns oft davon erzählt“, erinnert sich Helga Puck. So kam sie amtlich am 29. Februar zur Welt. Die Mutter habe noch versucht, den 1. März eintragen zu lassen, aber vergebens. Am letzten Februar-Tag im Schaltjahr das Licht der Welt zu erblicken, sei was besonderes, hätten die Geburtshelfer gemeint. Das liegt 76 Jahre zurück, und nun feiert die Rentnerin heute genau genommen erst ihr 19. Wiegenfest, da es ihr Geburtsdatum nur alle vier Jahre gibt.


Am 1. März ist es „ein bisschen komisch“


Gezählt wird freilich jedes und gefeiert auch zwischen den Schaltjahren, dann am 1. März. An dem Tag gebe es die Geschenke. „Ein bisschen komisch ist das aber schon“, meint die Sternbergerin, denn das sei nun mal nicht der richtige Geburtstag. Und vorzufeiern, ändere daran kaum was. Außerdem bringe das Unglück, habe die Mutter immer gesagt. Dafür sei jedes Mal am 29. Februar „die Bude voll“. Dieses Jahr liege der leider etwas ungünstig, denn am Montag könnten Kinder und Enkel erst gegen Abend kommen. Doch Kuchen hat Helga Puck schon am Wochenende gebacken, weil der etwas länger brauche – Hefeteig mit Mohn gefüllt, etwa wie Stollen. „Den essen alle am liebsten. Und Quarkkuchen gibt es auch.“ Wichtig: selbst gebacken. Sie war schon aufgeregt, dass bloß nichts dafür fehlt.

Vor vier Jahren seien auch die Kinder von Geschwistern zur Kaffeezeit gekommen und hätten auf dem Flur eine große Torte mit Lichtern aufgebaut. „Das war eine Überraschung“, schwärmt Helga Puck noch heute. In der Wohnung sei es ziemlich eng geworden, „doch das machte gar nichts“. Ihr Patenkind Bernd Wolff aus Witzin „hat das angestiftet“. Sie habe von nichts gewusst. Er sei ein „ganz Lieber“, inzwischen längst erwachsen und so groß, dass er kaum durch die Tür passe. Er komme auch immer am 1. März zum Gratulieren.

Helga Puck wohnt mit Ehemann Günther seit 1980 in Sternberg, bis heute in der obersten Etage in der Karl-Marx-Straße. Sie stammt aus Pommern. Bei der Flucht vor mehr als sieben Jahrzehnten sei die Mutter mit ihren neun Kindern, die Jüngste eben neun Monate alt, allein auf sich gestellt gewesen. „Sie hat was ausgehalten“, so die Sternbergerin. Und das wisse sie noch genau: Auf einem Kahn sei es mit anderen Leuten über die Oder gegangen. Vorher habe die Mutter alle neun Kinder um sich herum festgebunden.


Ehemann bei Maskenball in Witzin kennen gelernt


Nach ermüdenden Fußmärschen und mehreren Stationen seien sie in einem Lager – „wie ein Kuhstall“ – in Güstrow gelandet. „Zu zehnt in einer Stube, nicht mal so groß wie dieses Wohnzimmer.“ Dort hätten sie erfahren, dass der Vater in Zülow untergebracht sei, und ihn
besuchen dürfen. Das kleine Dorf sei dann auch die neue Heimat geworden. „Dort haben wir 1961 geheiratet. Mein Mann war aus Thurow und mit Kumpels zum Tanz in Witzin. Beim Maskenball haben wir uns kennen gelernt, das war richtig schön.“ Er werde Mitte September 80,
ihre älteste Schwester in Witzin in diesem Jahr schon 87. Helga Puck hat zehn Jahre lang die Post ausgetragen, war in Erntekindergarten und Konsum, in der Küche einer Sternberger Gaststätte und zuletzt beim Hoch- und Tiefbau zur Versorgung der Lehrlinge; ihr Mann hat im Holzbau gearbeitet.

1962 kam die Tochter zur Welt, 1964 der Sohn. Sein Tod als junger Mann war ein schwerer Schicksalsschlag, der Helga Puck bis heute nicht los lässt.

Zum einzigen Enkel gesellte sich vor Weihnachten ein Urenkel. „Dass wir das noch erleben dürfen“, sagt die Seniorin freudestrahlend.

Früh am Vormittag sitzt sie oft draußen beim Back-Café am Markt, das ihre Nichte Bärbel Assmus betreibt. Sie kam fast am gleichen Tag auch in einem Schaltjahr zur Welt, schaffte es aber noch zwei Stunden vor dem 29. Februar. Sie wurde gestern 60. Wenn Helga Puck dorthin geht, schnappt sich Ehemann Günther oft sein Fahrrad und radelt durch die Gegend.

Mit denen, die heute nicht kommen können, wird in einer Gaststätte nachgefeiert. Und in vier Jahren stehen runde Jubiläen an – 80 Jahre und 20. Geburtstag. Kann sich jeder aussuchen, wie er zählen will.

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