Gottschalk öffnet Pilgern in Sternberg die Tür : Reichel: Pilgern macht süchtig

 <fettakgl>Herbergsvater Stephan Gottschalk</fettakgl> kennzeichnet die Tür als Herberge für Pilger.
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Herbergsvater Stephan Gottschalk kennzeichnet die Tür als Herberge für Pilger.

Im katholischen Pfarrhaus in Sternberg können sich jetzt Pilger ausruhen.

Herbergsvater Stephan Gottschalk öffnet ihnen am Sonnabend nach dem Vorabendgottesdienst die Tür.

svz.de von
18. März 2013, 10:41 Uhr

Sternberg | 44 Kilometer haben Gerhard Meyer, Anna Hanauska und Wilhelm Reichel in zwei Tagen zu Fuß zurückgelegt. Die drei Katholiken sind von Güstrow über Witzin nach Sternberg gepilgert. Hier wurde am Samstag nach dem Vorabendgottesdienst von Pfarrer Bernd Wojzischke der neue Herbergsraum für Pilger im Gemeindehaus gesegnet und seiner Bestimmung übergeben.

Die drei rüstigen Rentner haben damit einen neu ausgeschilderten Pilgerweg eingeweiht. Wilhelm Reichel, der Regionalbeauftragte der Deutschen St. Jakobus-Gesellschaft e.V., hat die letzten zwei Jahre mit der Einrichtung und Ausschilderung des neuen Abzweigs des Baltisch-Mitteldeutschen-Jakobsweges und der Einrichtung des Birgittaweges verbracht (SVZ berichtete). Dabei ist es ihm wichtig, alte Routen wieder zu beleben und ehemalige Pilgerstädte einzubinden. Im 21. Jahrhundert stellt das eine Herausforderung dar, denn die mittelalterlichen Handelswege, auf denen die Pilger unterwegs waren, sind heute große Autobahnen. Damals brauchten die Gläubigen auf ihrem Weg nach Santiago de Compostela Schutz. Heute suchen die Pilger die Rückkehr zur Natur.

"Pilgern beginnt mit loslassen. Man lässt Familie, Eigentum und Bequemlichkeit zurück. Es bedeutet auch Innehalten auf dem Weg, beispielsweise beim Stundengebet und es bedeutet ankommen", so Reichel. Darum freue er sich, dass die Pius-Gemeinde einen Raum als Pilgerherberge zur Verfügung stellt. "Pilger erleben als existenziell, was Herbergensuche ist. Nasse Schuhe, müde Füße, schmerzende Glieder - wer schon einmal lange gewandert ist, kann sich sicherlich vorstellen, wie wichtig es ist, willkommen zu sein," beschreibt Reichel seine Erfahrungen. Der Pilger bitte um Gastfreundschaft und zahle nicht für eine Leistung wie bei einer Hotelbuchung. Damit liefere er sich aus, auch das ist ein Aspekt des Pilgerns.

Auf ihrem Weg nach Sternberg seien die drei Gläubigen immer herzlich empfangen worden, erzählt Anna Hanauska. Sie genoss ganz besonders die "traumhaft schöne Landschaft" auf ihrem Weg. "Ich bin zum ersten Mal in Schnee gepilgert", sagt sie. Angemeldet habe sie sich bei schönem Wetter. Seit 2008 pilgert sie. "Ich bin ein Naturmensch. Ich habe Freude an der Landschaft, kann alles hinter mich lassen", so Hanauska. Sie staune immer wieder, mit wie wenig man auskommen kann. Für sie sind Momente des Innehaltens wichtig. "Manchmal sitze ich auf einer Bank, bewundere die Schöpfung und denke: Mensch ist das schön."

Gerhard Meyer ist mit seinen 80 Jahren der älteste Pilger der Runde. Als einziger war er nicht in Spanien. Das werde er nicht mehr schaffen, sieht er ein. Er pilgere mit Vorliebe in Norddeutschland. "Das besondere am Pilgern kann jedes Mal etwas anderes sein", erzählt er mit einem Schmunzeln. Er biete in seiner Heimatstadt Schwerin Tagespilgern an. Das sei etwas Besonderes an einem Ort, an dem viele Touristen unterwegs sind. Manchmal gehe man schweigend, manchmal sei er der Zuhörer auf den gemeinsamen Wegen durch die Landeshauptstadt. Durch seine eigenen Reisen trifft Gerhard Meyer Gläubige, die er zu sich einlädt. Für eine offizielle Pilgerreise wird ein Pilgerausweis benötigt, der bei der Deutschen St. Jakobus-Gesellschaft e.V. beantragt werden kann. Er wird in den Herbergen abgestempelt und ist der Nachweis für den Pilgerweg. Einen wichtigen Hinweis hat Wilhelm Reichel noch: "Wer pilgert ist vogelfrei. Keine Termine, kein Handy und viel Zeit." Darum warne er alle zukünftigen Pilger: "Pilgern macht süchtig."

Weitere Informationen unter: www.deutsche-jakobus-gesellschaft.de, Ansprechpartner für die Herberge in Sternberg: Stephan Gottschalk, Telefon 03847-2111.

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