70 Jahre Todesmarsch : Ravensbrück - Raben Steinfeld: Erinnerung auf 170 Kilometern

Uwe Röbke und René Bülow (r.) vom Stadtbauhof Crivitz legen bei der Neugestaltung des Todesmarschdenkmals letzte Hand an.
Uwe Röbke und René Bülow (r.) vom Stadtbauhof Crivitz legen bei der Neugestaltung des Todesmarschdenkmals letzte Hand an.

„Lebendige Begegnungen auf dem Todesmarsch“: Kreistagspräsident Olaf Steinberg spricht am 2. Mai Worte des Gedenkens.

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21. April 2015, 22:04 Uhr

Am morgigen 23. April machen sich in Ravensbrück 15 Pilger auf den Weg nach Raben Steinfeld. Am 2. Mai wollen sie am Mahnmal „Die Mutter“ eintreffen. Unter dem Motto „Lebendige Begegnungen auf dem Todesmarsch“ haben die Teilnehmer dann rund 170 Kilometer bewältigt – zu Fuß.

„Ende April 1945 begann für 20 000 Frauen aus dem Konzentrationslager Ravensbrück ein ,Todesmarsch’, den viele nicht überlebten. Wir möchten die Erinnerungen wachrufen an den Todesmarsch vor 70 Jahren“, sagt Wilhelm Reichel, Beauftragter für die Pilgerwege in MV.

Für diese Initiative der Geistlichen Gemeinde-Erneuerung in der Evangelischen Kirche hatte vor zwei Jahren eine Begegnung zwischen Sternberger Gymnasiasten und einer Holocaust-Überlebenden den Anstoß gegeben, initiiert haben den ökumenischen Weg dann Uwe Seppmann vom christlichen Gästehaus Beth-Emmaus in Loiz bei Sternberg, Olaf Steinberg, Sternberger Amtsleiter und Kreistagspräsident, sowie Pastor Horst Schröter aus Peckatel-Prillwitz. Die Streckenführung stammt vom katholischen Jakobsweg-Beauftragten Wilhelm Reichel aus Güstrow.

„Unterwegs können sich Interessierte einklinken, den Weg ein Stück mitgehen oder Veranstaltungen besuchen“, sagt Uwe Seppmann.

An einigen Etappen auf dem Weg werden Augenzeugen zu Wort kommen, die den Marsch der KZ-Häftlinge als Kind gesehen haben. „Die Strecke wird den Spuren der Häftlinge möglichst genau folgen, also auch über Bundesstraßen führen. Wir sind als Pilger und Mahner unterwegs, die Erinnerungen wachrufen möchten. In den Gesprächen mit den Menschen auf dem Weg wollen wir deutlich machen, dass diese Zeiten nicht vergessen und mit einer Decke des Schweigens verdrängt werden“, sagt Wilhelm Reichel.

Wenn die Gruppe am 28. April Goldberg erreicht, „werde ich auch dazukommen“, kündigt Olaf Steinberg an. Er hat als Kreistagspräsident die Schirmherrschaft übernommen. Am 2. Mai wird Steinberg am Mahnmal „Die Mutter“ in Raben Steinfeld während einer Kranzniederlegung Worte des Erinnerns und des Gedenkens sprechen.

Einen Tag zuvor, am 1. Mai, ist Crivitz das Etappenziel. „Der Todesmarsch liegt nun schon 70 Jahre zurück. Er ist aber ein Teil der Geschichte unserer Stadt. Es ist wichtig, immer wieder an dieses dunkle Kapitel zu erinnern“, betont die Crivitzer Bürgermeisterin Britta Brusch-Gamm. Sie lädt insbesondere Schüler ein, am 1. Mai am Rundgang durch die Stadt teilzunehmen. Der startet gegen 17 Uhr an der Gedenktafel Ecke Parchimer Straße / Breite Straße. Gemeinsam mit der Pilgergruppe soll es zur Kapelle und zu den Kriegsgräbern auf dem Crivitzer Friedhof gehen und dann zur neu gestalteten Gedenkstätte in der Weinbergstraße. Dort steht schon seit der Nachkriegszeit ein Todesmarschdenkmal. Vor dem 70. Jahrestag haben die Männer vom Crivitzer Stadtbauhof das Areal neben dem Parkplatz des Einkaufsmarktes neu gestaltet, der Gedenkstein selbst wurde überarbeitet. Dieses Areal wird am 1. Mai im feierlichen Rahmen wieder seiner Bestimmung übergeben. Anschließend geht es ins Haus Elim, wo eine Schabattfeier stattfindet.

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