Raps lässt Bauern dieses Jahr hoffen

Die Rapspflanzen halten dem prüfenden Blick des Zahrensdorfer Geschäftsführers  Hans-Joachim Hogrefe stand. Sie haben sich anders als im Vorjahr gut verzweigt und versprechen daher einen üppigen Schotenansatz. Foto: Rüdiger Rump
Die Rapspflanzen halten dem prüfenden Blick des Zahrensdorfer Geschäftsführers Hans-Joachim Hogrefe stand. Sie haben sich anders als im Vorjahr gut verzweigt und versprechen daher einen üppigen Schotenansatz. Foto: Rüdiger Rump

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03. Mai 2012, 09:35 Uhr

Zahrensdorf | Unterwegs kommt überall Gelb zum Vorschein. Die warmen, sonnigen Tage um den Monatswechsel haben dem Raps einen richtigen Schub gegeben. Bis zur vollen Blüte dauert es vielleicht noch eine Woche, rechnet Hans-Joachim Hogrefe, der für den Feldbau verantwortliche Geschäftsführer in der Landwirtschaftsgesellschaft (LWG) Zahrensdorf. Doch schon zum 10. Landesrapsblütenfest an diesem Wochenende in Sternberg zeigt sich die Landschaft in leuchtendem Gelb.

Und die Kulturen stehen in diesem Jahr sichtlich besser als vor Jahresfrist, sagt der Fachmann. Die Pflanzen hätten sich gut verzweigt und seien nicht wie im Frühjahr 2011 in kurzer Zeit hochgeschossen, ohne Seitentriebe auszubilden. Am Ende blieb der Ertrag mit 27 Dezitonnen pro Hektar weit unter dem Durchschnitt. In diesem Jahr könnte er das langjährige Mittel leicht übertreffen. Nach der jetzigen Entwicklung des Rapses seien 40 Dezitonnen realistisch, meint Hogrefe, wenn das Wetter nicht völlig quer schlägt und etwa sechs Wochen lang Trockenheit herrscht. Die Pflanzen könnten nun eher Regen vertragen. Aber er wolle ohnehin den Tag nicht vor dem Abend loben, zieht sich der Agrarchef auf ein geläufiges Sprichwort zurück.

Auf knapp 250 Hektar haben die Zahrensdorfer Ölfrüchte angebaut. Das ist weniger als sonst. Zum einen, weil im Vorjahr wegen der total verregneten und dadurch länger andauernden Getreideernte nicht alle vorgesehenen Flächen rechtzeitig für eine qualitätsgerechte Bestellung frei waren. Auf manchen Feldern musste sogar die Fruchtfolge umgestellt werden, um dort Raps unterzubringen. Zum anderen war von vornherein weniger geplant, weil der Anbau von Mais in diesem Frühjahr mehr als verdoppelt wird. Bislang wurde der nur für die Milchkühe gebraucht, künftig auch für eine Biogasanlage, die die LWG in dieser Saison in Betrieb nehmen wird. "Mit einem Viertel Mais zur Ackerfläche haben wir aber noch ein vernünftiges Verhältnis", findet Hogrefe.

Dank kurzfristiger Veränderungen im Anbauplan sei der Raps im Herbst noch zur rechten Zeit und in guter Qualität in den Boden gekommen. Und später hätten die Landwirte zwischen Güstrow und Elbe "richtig Glück" mit dem Wetter gehabt. Als das Thermometer einige Zeit bis Mitte 20 in den Keller ging, habe hier auf den Feldern Schnee gelegen und die Kulturen geschützt. "Der Schnee hat alles gerettet. Das gilt auch für das Wintergetreide", betont Hogrefe. Andere Regionen seien weniger gut weggekommen, da habe der strenge Frost seine Spuren hinterlassen.

An den gut ausgebildeten Seitentrieben sollten reichlich Schoten ansetzen. Und ein Nebeneffekt besteht darin, dass die breit gewordenen Pflanzen Unkraut unterdrücken. Im Vorjahr dagegen hatte das viel Platz und alle Farben des Landes zutage gebracht, wie Hogrefe seinerzeit lakonisch feststellte: Neben dem Gelb, das die Rapsflächen zur Augenweide macht, das Blau von Kornblumen, Weiß von der Kamille und Rot vom besonders lästigen Klatschmohn. Das dürfte sich diesmal nicht wiederholen, Ackerränder könnten jedoch rot durchfärbt werden.

Und noch einen erfreulichen Unterschied gäbe es zum Vorjahr: Der Schädlingsbefall ist spürbar geringer, sagt der Geschäftsführer aus Zahrensdorf. Vor allem der gefürchtete Rapsglanzkäfer sei längst nicht so extrem verbreitet wie zuletzt. Eine Erklärung könnten die tiefen Temperaturen im Spätwinter sein, mutmaßen Fachleute. Für den Agrarbetrieb zahle sich das in barer Münze aus, weil er weniger Mittel zur Schädlingsbekämpfung benötige. "Und ökologisch ist es ebenfalls ein Gewinn", so Hogrefe.

Der Einbruch bei den Produzenten von Biodiesel aus Rapsöl - davon ist bekanntlich auch EcoMotion in Sternberg betroffen - wirke sich zum Glück nicht bis zu den Rapsbauern aus, die ihre Ernte an Händler verkaufen. Die Preise seien vor kurzem "sogar leicht gestiegen", erzählt Hans-Joachim Hogrefe. "Richtig zu erklären ist das nicht." Danach habe der Betrieb einige Verträge zum Verkauf der neuen Ernte, so genannte Kontrakte, zu früh abgeschlossen. Doch sein Ärger darüber halte sich in Grenzen. "Wir haben in den Kontrakten gute Preise. Man sollte nicht zu hoch pokern und bis zum Schluss darauf warten, dass die Raps preise weiter steigen", meint der erfahrene Geschäftsführer. Andererseits sei das, was im kommenden Sommer erwartet werde, noch nicht komplett verkauft. Ein wenig Spielraum sollte bleiben. Dass die Rapspreise bis zur Ernte wieder fallen könnten, glaubt Hogrefe nicht.

Jetzt hofft er erst einmal wie alle Landwirte, dass sich die Eisheiligen gnädig zeigen. Wenn es morgens einmal weiß ist, schade das den Pflanzen noch nicht. Doch sollten die Temperaturen nachts weiter unter Null sinken, entstehen in den Stengeln so genannte Frostrisse, in die dann Krankheiten leicht eindringen können. Sich über alle Eventualitäten Gedanken zu machen, nütze allerdings keinem. Der Ackerbau ist und bleibt ein Gewerbe unter freiem Himmel.

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