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Anzeiger für Sternberg, Brüel, Warin

21. November 2017 | 02:11 Uhr

Allwartshof : Raketen mit Abstand zu Reetdach

vom
Aus der Redaktion des Anzeiger für Sternberg – Brüel – Warin

Der Allwartshofer Sven Wolff hat ein altes Bauernhaus für die Familie schmuck hergerichtet – traut sich aber Silvester schon einige Jahre nicht mehr weg.

svz.de von
erstellt am 29.Dez.2015 | 16:48 Uhr

In das Haus, in dem er mit seiner jungen Familie wohnt, hat Sven Wolff eine Menge Arbeit gesteckt. Die Räume wurden geschmackvoll saniert, wie es ein solches Haus verdient. „Ich mag gern alte Dinge, könnte auf einem alten Bauernhof in Mueß leben“, sagt der gebürtige Schweriner, der auf dem Dorf – in Ventschow – aufgewachsen ist. Auf dem Hof hat er den Beton gegen Pflastersteine ausgewechselt. Die zuvor ebene Fläche sei zwar gut zum Schneefegen gewesen, habe optisch aber überhaupt nicht zu dem Anwesen gepasst. Vor die Außenwände hat Sven Wolff, der seit 2005 in Allwartshof wohnt, Fachwerk gesetzt.

Saniert hat er auch das reetgedeckte Dach. Dieses sei mit ausschlaggebend gewesen, sagt der Allwartshofer, das Haus zu kaufen. Darum macht er sich allerdings am Jahresende auch immer wieder Sorgen. Schon in der Sanierungsphase, als die Familie noch gar nicht dort wohnte, habe er nach der Silvesternacht Reste von Raketen vom Hof gesammelt. Dabei sei es verboten, diese im Umkreis von 200 Metern „um brandgefährdete Objekte (wie z. B. reetgedeckte Gebäude, Holzlager, Scheunen, Stallungen u.ä.)“, so die amtliche Bekanntmachung des Landkreises Nordwestmecklenburg, abzubrennen. Im Umkreis von 100 Metern dürfen auch keine Kanonenschläge, Knallfrösche und sonstige Feuerwerkskörper der Kategorie F 2 verwendet werden.

Er habe im Internet gelesen, dass das alles in manchen Gemeinden sogar im Umkreis von 500 Metern untersagt sei. In Dänemark dürfe in kleinen Orten, in denen alle Häuser ein Reetdach haben, überhaupt kein Feuerwerk abgebrannt werden, so Wolff.

Mit einem äußerst unguten Gefühl denkt er an Silvester vor sechs, sieben Jahren. „Wir haben in Pennewitt gefeiert. Auf einmal rief der Nachbar an, ,dein Haus brennt‘. Zum Glück war es nicht das Haus, sondern eine Hecke aus Koniferen. Die waren innen anscheinend völlig trocken.“ Beim Feuerwerk müsse dort ein Querschläger hinein geschossen sein. Den habe wohl, wie er später erfahren habe, Besuch im Dorf verursacht. „Die Flammen waren drei bis vier Meter hoch. Wie schnell hätten die durch Funkenflug auf das Reetdach übergreifen können.“ Der Nachbar hatte jedoch, bevor er bei Sven Wolff anrief, die Feuerwehr verständigt. Die sei mit vollem Löschzug angerückt, in der Silvesternacht besonders anerkennenswert. Das Malheur sei jedoch noch glimpflich ausgegangen.

„Doch durch diesen Brand bin ich empfindlich geworden, und wir waren seitdem am Silvesterabend nicht mehr weg zum Feiern“, sagt der 44-Jährige.

Einem „sehr guten Kumpel“, der in einem anderen Dorf ebenfalls in einem Haus mit Reetdach wohnt, sei es beinahe ähnlich ergangen. Dort seien auf der anderen Straßenseite gleich am Feuerwehrhaus Raketen hochgeschossen worden. Der Kumpel habe auf Anraten seiner Versicherung Anzeige erstattet, weil ihm im Falle eines Brandes eine Teilschuld vorgeworfen würde, wenn er so ein Fehlverhalten dulde und nichts dagegen unternehme. Seitdem sei in der Nähe des Hauses Ruhe in Sachen Feuerwerk.

Eine Anzeige wolle er „lieber vermeiden“, betont der Allwartshofer. „Das wäre schade. Wir haben im Dorf ein gutes Verhältnis zueinander. Hier regt sich keiner auf, wenn der Rasen mal am Sonntag gemäht wird.“ Aber Silvesterraketen ohne sicheren Abstand zu einem Reetdach seien einfach zu gefährlich.

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