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Die Panzerminen vor der Metelsdorfer Brücke : Pures Glück, dass hier nichts hochging

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„Da war ein Griff dran, ich habe das erste Ding einfach an die Seite gelegt“, erzählt René Brüsewitz aus Neukloster zum Panzerminen-Fund vor der Metelsdorfer Brücke am vergangenen Mittwoch.

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erstellt am 08.Apr.2013 | 07:29 Uhr

Metelsdorf | Auch wenn sie sich gestern Vormittag als coole Typen gaben, so spurlos ist der Fund der drei Panzerminen der deutschen Wehrmacht am vergangenen Mittwoch (wir berichteten) an René Brüsewitz und Bernd Rekittke doch nicht vorübergegangen. "Da war ein Griff dran, ich habe das erste Ding einfach an die Seite gelegt", erzählt Brüsewitz, der Chef der gleichnamigen Drei-Mann-Firma aus Neukloster. Sein Kollege Rekittke ergänzt: "Bei der Dritten war es blank neben dem Zünder." Und wer saß im Bagger beim unfreiwilligen Freilegen der Panzerminen? "Ich war es zum Glück nicht", meint Rekittke und deutet auf seinen Chef.

Dieser alarmierte dann - wie in solchen Fällen vorgeschrieben - den Munitionsbergungsdienst in Schwerin, der die drei Panzerminen am Mittwoch gegen 15 Uhr etwa 200 Meter entfernt auf einer Wiese sprengte. So etwas hatten die Neuklosteraner bei ihrer Arbeit noch nicht erlebt. "Das ist wirklich nicht alltäglich - und das reicht nun auch", sagt der Chef der seit 2006 bestehenden Firma, die sich vor allem mit Wasserbau-Sachen beschäftigt.

Seitdem ruht der Brückenbau. Gestern gegen 9 Uhr waren Brüsewitz und Rekittke vor Ort damit beschäftigt, die zehn Tonnen schwere alte Stahlbrücke in ihre Einzelteile zu zerlegen. "Das ist im Auftrag mit drin. Mal sehen, was der Schrottpreis aktuell bringt", sagt Brüsewitz und ergänzt, dass heute die neue Brücke komme "und wir den Bagger wegholen. Ansonsten haben wir hier erst einmal Stillstandszeit".

Und wie zum Beweis, dass ihm immer noch die Knie ein wenig schlottern, zitiert der Firmenchef den Munitionsbergungsdienst, wonach es ein purer Glücksfall gewesen ist, "dass hier nicht mal was hochgegangen ist".

Darüber ist auch Eckhard Rohde erleichtert. Der Leitende Verwaltungsbeamte des Amtes Dorf Mecklenburg-Bad Kleinen ist zugleich der Auftraggeber des Brückenneubaus über den Wallen steingraben für den Fuß- und Radfahrweg von Metelsdorf nach Karow, den die Metelsdorfer Kinder bisher täglich als ihren sicheren Schulweg nach Dorf Mecklenburg nutz(t)en.

"Jede der drei Panzerminen hatte sechs Kilogramm Sprengstoff. Wäre auch nur eine hochgegangen, wäre von der Arbeitern und dem Bagger nicht viel übrig geblieben", so Rohde. Gestern um 10 Uhr traf er sich mit Vertretern des Muni tionsbergungsdienstes an Ort und Stelle, um das weitere Vorgehen zu beraten. "Wir haben einen Antrag ans Land gestellt, damit eine weitere Untersuchung der Fundstelle erfolgt. Denn keiner weiß genau, was in den Wirren der letzten Kriegstage passierte. Wurden in 50 Zentimeter Tiefe nur die drei Minen verlegt oder wie eigentlich üblich neun, um die englischen Panzer aufzuhalten?", fragt Rohde. Zehn Meter auf der einen Seite und 20 auf der anderen müssten darum noch einmal eingehend untersucht werden.

Es ist wirklich ein purer Glücksfall, dass hier all die Jahre nichts passiert ist. Zu DDR-Zeiten verband die Brücke einen Feldweg zwischen Karow und Metelsdorf , über den die Trecker und Pkw fuhren. "Vor einigen Jahren, vielleicht vor fünf bis sechs - bis zur Asphaltierung und der folgenden Sperrung für Pkw - bin ich auch noch mit dem Auto rübergefahren", sagt Stefanie Preuss, die in freudigen Umständen ist. Von ihrem vor vier Jahren eingeweihten Einfamilienhaus zur Brücke sind es vielleicht 200 Meter Luftlinie.

Gegenüber wohnt ihr Vater Frank Boyko, der in Karow eine Haustechnikfirma betreibt. Und der weiß noch von ganz anderen Dingen zu berichten. Unter dem Asphalt wurde eine Gasleitung zur Versorgung der Metelsdorfer gleich mit verlegt. Zum Glück macht die vor der Brücke einen Knick und geht links davon unterm Wallensteingraben hindurch." Zudem wurde - wie auch Eckhard Rohde bestätigte - beim Ausbau des Weges nach der Wende mit Rütteltechnik über dem Fundplatz gearbeitet. Kein Wunder, dass man im Amt, aber nicht nur dort, jetzt tief durchatmet.

Und wer weiß, wo sonst noch brisante Weltkriegs-Hinterlassenschaften aller Art auf ihre Entdeckung warten? Im nahen Rambow aufgewachsen, fand Frank Boyko z. B. zu DDR-Zeiten beim Spielen mit anderen Jungs "unter der alten Rambow-Brücke einen Wehrmachts-Stahlhelm voll mit Eierhandgranaten. Den trugen wir stolz durch Dorf Mecklenburg, um ihn dann dem Volkspolizisten, Herrn Gendt, zu übergeben."

Ja, diese kleine Brücke von Metelsdorf nach Karow, im Grunde genommen nur für die Gemeinde Dorf Mecklenburg sowie für Radwanderer entlang dem Wallensteingraben von Bedeutung, schrieb einst gar ein Stückchen Zweiter-Weltkriegs-Geschichte. "1945 kamen die Engländer bis zur Brücke. Das weiß ich von meinem Vater, der damals als Kind dann mit den Engländern rumgedaddelt hat. Die waren in Rambow und Metelsdorf, und damit wäre ich im Westen gewesen. Doch dann kam es zum Gebietsaustausch irgendwo in Thüringen…", wird Frank Boyko zum Hobby-Historiker.

Die Schilderung ergibt, zumindest was den Frontverlauf zwischen den Engländern und der Wehrmacht in den letzten Kriegstagen betrifft, durchaus einen Sinn. Die drei gefundenen Panzerminen lagen jedenfalls auf Karower Seite - also auf "deutscher"…

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