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Milchviehanlage Tempzin : Prüfungsstress im Melkkarussell

vom
Aus der Redaktion des Anzeiger für Sternberg – Brüel – Warin

Jeder Teilnehmer hatte acht Kühe, Milchzelltest und Theorie zu bewältigen. Die Landwirtschaftsgesellschaft Zahrensdorf war zum zweiten Mal Gastgeber für das Leistungsmelken des Milchkontrollvereins Güstrow.

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erstellt am 29.Mär.2017 | 21:00 Uhr

Kein gewöhnlicher Morgen für Mensch und Tier in der Milchviehanlage Tempzin: Die Melker beginnen um 2 Uhr, eine Stunde zeitiger als ohnehin schon, damit die Kühe, die nicht für den Wettbewerb gebraucht werden, durch sind. Das sei ihr „ziemlich schwer gefallen“, zumal die Zeitumstellung noch nicht verinnerlicht sei, räumt Christine Giesler-Blum ein. Sie ist für das Karussell verantwortlich, Herdenmanagerin Karina Greger für die gesamte Anlage. Die Landwirtschaftsgesellschaft (LWG) Zahrensdorf ist zum zweiten Mal Gastgeber für das Leistungsmelken.

17-Jährige mit sehr guter Leistung

Melkzeit in der Frühe ist sonst von halb vier bis halb sieben. Mit den knapp 150 Kühen, jeweils acht für die 18 Teilnehmer, geht es heute um 5 Uhr los und erst gegen 10 Uhr sind die Letzten fertig. Eine Umstellung für die Tiere, denen das aber nichts auszumachen scheint. Sie stehen meist ruhig im Karussell. Bei den Teilnehmern, ob erstmals dabei wie Sarah Agarius von Gut Sternberg oder der Zahrensdorfer Daniel Wöhler zum 16. Mal, ist das zumindest innerlich anders. „Es ist normal, dass viele nervös sind und Fehler passieren“, zeigt Punktrichter Volkmar Bohnhorst von der Rinderzucht Tarnow GbR Verständnis. Täglich im heimischen Betrieb zu arbeiten oder einmal im Jahr beim Leistungsmelken zu sein, unterscheide sich. Letzteres sei Prüfungsstress pur, schlägt Eberhard Tschirner vom Landwirtschaftsbetrieb Griepentrog in Steinhagen in die gleiche Kerbe. Obwohl es neben dem sportlichen, ehrgeizig geführten Wettstreit vor allem darum gehe zu lernen. „Es ist wichtig, niemanden zu vergraulen.
Jeder soll gern wiederkommen“, findet Karin Teigelmeister von der Agrar eG Reinstorf bei Bützow. Sie hat gerade Sarah Agarius eine „sehr gute Leistung“ bescheinigt, obwohl erst 17 und noch im ersten Ausbildungsjahr. Eberhard Tschirner, ein sehr erfahrener Bewerter, nickt zustimmend. „Man sieht das Interesse und dass sie sich gut vorbereitet hat. Das spricht für sie und den Betrieb.“

Nach der theoretischen Prüfung ab 4 Uhr laufen der Milchzelltest, der Auskunft über die Eutergesundheit gibt und von jedem Melker beherrscht sein will, und die praktische Arbeit parallel. Letztere bringt die meisten Punkte. Bei der Vorbereitung der Kuh kommen von jeder der vier Zitzen zwei Striche in den Vormelkbecher, bevor das Euter gesäubert und das Melkzeug angesetzt wird. Bis dahin darf von der ersten Berührung des Tieres an nicht mehr als eine Minute vergehen, sonst sind Punkte weg. Das Melken dauert dann sechs, sieben Minuten. Zum Schluss wird mit einem Griff ans Euter kontrolliert, ob die Kuh richtig ausgemolken ist.

Siegbert Gelse von der Ostseemolkerei Rücker in Wismar sammelt von den jeweils acht Kühen einen Liter Milch und gießt die an Ort und Stelle durch ein Filter. Daran lasse sich erkennen, wie gut der Melker das Euter gereinigt hat. „Schneeweiß bleibt das Fließ nie, das schafft keiner, doch es sollte so wenig wie möglich drin sein“, so Gelse.

Der Milchkontrollverein Güstrow führt den Wettbewerb zum 24. Mal durch. Für die Vorbereitung bekommt die LWG Zahrensdorf von allen Seiten Anerkennung. Anlagenleiterin Karina Greger steht bei Karin Teigelmeister und Eberhard Tschirner, die beide den Berufsnachwuchs, die Teilnehmer bis 25 Jahre, bewerten. Ihre Meinung ist gefragt, Punkte vergeben darf sie noch nicht, erst ab nächstem Jahr, bevor sie darauf die Gruppe der Bewerter verstärken kann. Beatrice Lindtke vom Agrarbetrieb Groß Grenz, jahrelang selbst Teilnehmerin, ist schon einen Schritt weiter und als Dritte bei der Bewertung der Melker über 25 dabei.

Die Auswertung samt Auszeichnung erfolgt am Donnerstagabend in Warin im „Hotel am Wariner See“.

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