Jagdunfall bei Ruchow : Projektil trifft Jäger im Maisfeld

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Jagdpächter aus Bolz kommt mit Unterarmverletzung ins Krankenhaus. Kripo ermittelt nun die genauen Umstände den Unfalls

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21. September 2017, 05:00 Uhr

Jagdunfall am Dienstagnachmittag in einem Maisfeld bei Ruchow: Ein 62-Jähriger aus dem Nachbarort Bolz wird von einem Projektil am linken Unterarm getroffen.

„Den einzigen, den man befragen könne, ist der Jagdpächter und der liegt im Krankenhaus. Alle anderen Jäger waren Leute mit Begehungsschein“, so Mustins Bürgermeister Berthold Löbel gestern gegenüber SVZ. Er habe von dem Unfall „sofort erfahren, über den kurzen Draht“.

Ersten Ermittlungen der Polizei zufolge „hatte der 62-Jährige mit einem anderen Jäger ein Wildschwein auf einem fast abgeernteten Maisfeld bejagt. Beide Männer sollen abwechselnd auf das Schwein geschossen haben“, erklärt der Pressesprecher der Polizeiinspektion Ludwigslust, Klaus Wiechmann. Ob der Jagdpächter direkt von einem Projektil oder von einem Querschläger getroffen wurde, sei noch unklar. Die Polizei stellte beide Waffen sicher.

Ergänzend betonte Wiechmann auf SVZ-Nachfrage, dass es sich um eine so genannte Erntejagd handelte. Der Häcksler war gerade dabei, „den letzten Schwad abzunehmen. Laut Zeugen habe man das Schwein schon vorher gesehen, es war bereits angeschossen“. Als der Schwarzkittel aus dem Mais lief, hätten beide Jäger laut Polizeisprecher „von ebener Erde aus geschossen“. Jetzt müsse ermittelt werden, wo sie „genau gestanden haben“.

Die Betroffenen konnten laut Wiechmann bis gestern Nachmittag nicht vernommen werden. Als die Polizeibeamten tags zuvor vor Ort eintrafen, war der Verletzte bereits in ein Krankenhaus abtransportiert worden. Ergänzend meinte der Sprecher, dass es solch einen Jagdunfall „ewig nicht mehr gegeben hat“.

Vor neun Jahren war es allerdings im Nordwestkreis bei einer ähnlichen Erntejagd im Mais gar zu einem Todesfall gekommen. Im September 2008 hatten sich mehrere Jäger in Naschendorf bei Grevesmühlen zur Wildschweinjagd getroffen und ein teils abgeerntetes Maisfeld umstellt. Als dann auf aus dem Mais laufendes Wild geschossen wurde, sackte einer der Jäger von einer Kugel von hinten in die rechte Schulter getroffen zusammen. Das Projektil war im unteren Brustkorbbereich wieder ausgetreten. Der Mann konnte noch per Rettungshubschrauber in die Klinik nach Schwerin gebracht werden, hier verstarb er aber kurz danach. „Das war der letzte schwere Jagdunfall dieser Art im Land“, so Forstdirektor Martin Rackwitz von der Obersten Jagdbehörde MV.

Dieser tragische Unfall war zugleich Anlass, das Landesjagdgesetz mit Wirkung zum Februar 2009 zu ändern und die so genannte Erntejagd in bisheriger Form zu verbieten. Stattdessen muss bei der Jagd an einem Feld immer von einer Kanzel oder einem Hochsitz aus erhöhter Position geschossen werden. Denn dann könne sich ein Projektil nur noch in den Boden bohren, wenn es sein Ziel verfehlen sollte.

„Das gilt auch heute noch“, betont Forstdirektor Rackwitz auf Nachfrage. „Es muss von einer mobilen Ansitzeinrichtung aus, die dann weitergesetzt wird, geschossen werden“, so Rackwitz. Denn nicht an jedem Maisschlag befindet sich eine Kanzel oder ein fester Hochsitz. Laut Experten sind Schusswinkel von null bis 30 Grad am gefährlichsten. Trifft ein Geschoss in diesem Winkel auf festen Erd- oder Lehmboden, kann es abgeleitet werden und unkontrolliert weiter fliegen – die so genannten Querschläger. Wie genau die Maisjagd in Ruchow ablief, ist Gegenstand der Ermittlungen der Kriminalpolizei.

Laut Landwirtschaftsministerium gibt es in MV im Durchschnitt der Jahre jährlich etwa einen Jagdunfall unter Schusswaffengebrauch. Nach dem Todesfall von 2008 gab es laut einer Sprecherin „erst wieder am 3. August 2013 einen Jagdunfall unter Schusswaffengebrauch bei einer Rapsernte auf einem Feld in der Nähe von Bergen auf Rügen, bei dem ein Traktorfahrer verletzt wurde“.

Zudem verwies sie auf den Aufsehen erregenden Vorfall im August 2015, als eine Touristin bei einem Rapsfeld bei Gadebusch während einer Radfahrt von einem Projektilteil eines Jägers getroffen wurde. Dank des Metallbügels im BH wurde sie nur leicht verletzt (SVZ berichtete).

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