Kunden sollen nach Warin ausweichen : Post sucht Ersatz für Brüeler Filiale

Brüel ohne Post-Service wäre „echt schlimm“, meint Dennis Neumann, der hier gestern eine Sendung abholte. Er wurde von der Nachricht überrascht, dass die Filiale ab Montag geschlossen ist. Foto: Rüdiger Rump
Brüel ohne Post-Service wäre „echt schlimm“, meint Dennis Neumann, der hier gestern eine Sendung abholte. Er wurde von der Nachricht überrascht, dass die Filiale ab Montag geschlossen ist. Foto: Rüdiger Rump

Die Kunden finden kein Verständnis: Am Sonnabend schließt der Post-Service in Brüel. Und das buchstäblich ohne Vorwarnung, nicht einmal die Gerüchteküche hatte vorher gebrodelt. Selbst der Bürgermeister war überrascht.

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28. September 2012, 06:40 Uhr

Brüel | Die Kunden finden kein Verständnis: Heute schließt der Post-Service in der Brüeler Mühlenpassage. Und das buchstäblich ohne Vorwarnung, nicht einmal die Gerüchteküche hatte lange vorher gebrodelt. Und selbst Bürgermeister Jürgen Goldberg überraschte die Information eines Stadtvertreters auf der Sitzung am Donnerstagabend. "Eigentlich informiert die Post die Stadt über so eine Veränderung", stellte er kopfschüttelnd in den Raum. "Doch bei mir hat sich niemand gemeldet." Ein Schreiben an den Bürgermeister sei am 25. September herausgegangen, erfuhr SVZ gestern auf Nachfrage bei Post-Pressesprecher Jens-Uwe Hogardt. Wie es scheint, keine gute Werbung in eigener Sache, wenn das den Adressaten am Donnerstag noch nicht erreicht hat.

Wann und wo es weitergeht, steht noch in den Sternen. "Wir haben noch keine neue Lösung parat, suchen aber nach einer", bestätigt der Pressesprecher. "Die Aufgabe des Geschäftes mit dem Post-Service kam für uns zu kurzfristig. Es werden jetzt umgehend

Gespräche geführt. Bis wir einen neuen Servicepartner gefunden haben, bitten wir unsere Kunden, nach Warin in die Filiale in der Langen Straße 2 auszuweichen", so Hogardt.

Dennis Neumann, der gestern gerade eine Sendung abholt, findet es "echt schlimm" ohne Post in der Stadt. Zwei ältere Kunden, die schon davon gehört hatten, werden deutlicher, sprechen von einer "Schweinerei", was mit den Brüelern gemacht werde. Immer mehr verschwinde aus der Stadt. Dass die Schlecker-Filiale dicht gemacht hat, fehlt sogar noch in ihrer Aufzählung.

Cindy Grustat muss ihr Geschäft aus gesundheitlichen Gründen aufgeben. Seit über drei Jahren hat sie im "Papillon" unter anderem Geschenkartikel, Zeitschriften, Grußkarten, Tabak, Lotto und den Post-Service angeboten. "Dieses Geschäft war mein Traum.

Anfangs lief es auch gut", blickt sie

zurück. Während Umbauarbeiten in der Mühlenpassage seien zahlreiche Kunden nach Warin gewechselt und nicht zurückgekehrt, weil es in dem Einkaufszentrum mehr Vielfalt gäbe. Das sei in der Mühlenpassage nicht nur ihr so ergangen. "Ich habe mich abgerackert, drei Jahre keinen Tag Urlaub gemacht. Ein Jahr hatte ich einen Zweitjob, den Verdienst habe ich in dieses Geschäft gesteckt. Doch jetzt kann ich einfach nicht mehr", begründet Cindy Grustat die schweren Herzens getroffene Entscheidung.

Der Laden musste auch Nackenschläge ganz anderer Art einstecken. So kam es hier Anfang Juni während der Öffnungszeit am Sonnabendvormittag zu einem brutalen Überfall. Ein Täter erbeutete unter Gewalteinwirkung eine unbekannte Menge Geld aus dem Tresor, wie es seinerzeit in dem Bericht der Polizei hieß. Die Mitarbeiterin sperrte der Räuber, nachdem er das Geld eingesackt hatte, in der Toilette ein, bevor er unerkannt flüchtete.

Heute von 8 bis 12 Uhr hat "Papillon" das letzte Mal geöffnet, Montag ist dann Inventur. Gleichzeitig baut die Post ihre Technik ab. Am folgenden Mittwoch sollen die Möbel abgeholt werden. Der Vermieter habe, so viel sie weiß, ihr Geschäft übernehmen wollen, doch da seien offenbar zu viele Fragen offen geblieben, so Grustat.

Auch zwei andere Bewerber hätten

offenbar Interesse am Post-Service

bekundet, hieß es inoffiziell auf der Stadtvertretersitzung am Donnerstag. Doch die kämen nicht in Frage, da sie Konkurrenz-Angebote in ihrem Haus hätten. Stimmt, in solchem Falle kommt kein Vertrag in Frage, heißt es aus der Pressestelle des Unternehmens. Den Brüelern bleibt somit nur die Hoffnung - auf eine baldige Lösung und bis dahin der Weg nach Warin oder Sternberg, wenn sie bei der Post ein

Paket aufgeben wollen. Den Empfang einer Sendung zu Hause übernehmen bei eigener Abwesenheit vielleicht freundliche Nachbarn, um sich die Fahrt zur Post-Filiale zu ersparen.

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