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Anzeiger für Sternberg, Brüel, Warin

22. November 2017 | 16:06 Uhr

Sternberg : Porträts, Hochzeitsfotos, Bildbände

vom
Aus der Redaktion des Anzeiger für Sternberg – Brüel – Warin

Die Sternberger Fotografenmeisterin Christine Jörss-Munzlinger begeht ihr 40-jähriges Firmenjubiläum.

von
erstellt am 03.Feb.2017 | 20:55 Uhr

Sonst hält sie die Kamera in der Hand und macht Fotos, gestern war es umgekehrt, stand Christine Jörss-Munzlinger selbst im Fokus. Die Sternberger Fotografenmeisterin hatte zum 40-jährigen Firmenjubiläum eingeladen. Nach einem Empfang gab es den ganzen Tag über ein Kommen und Gehen.

Das Fotostudio befindet sich noch im selben Haus wie zur Eröffnung. Allerdings hatte das zu der Zeit kein einladendes Schaufenster, dafür Kanonenofen und Plumpsklo, Wände und Fußböden waren total schief. Der Brüeler Dieter Jörss hatte sich dort mit 23 Jahren selbstständig gemacht, was in der DDR viel Mut und Idealismus verlangte, unterstützt von seinen Eltern, die in Brüel ein Fernsehgeschäft führten. Zur Ausstattung gehörten die Kleinbildkamera „Exa 1a“ überwiegend für Passbilder sowie die „Pentacon Six“ für anspruchsvollere Aufnahmen.

Erspartes in Ausbau von Fotoatelier gesteckt


Im Jahr darauf begann die 18-jährige Christine Fründt, in Röbel geboren und im Wariner Pfarrhaus aufgewachsen, als Praktikantin mit dem Ziel,
Fotografie bzw. Kunst zu studieren. Doch es kam anders. „Wahrscheinlich in der Dunkelkammer“ fanden beide zueinander, wirft der heutige Ehemann Christof Munzlinger, zugleich „Hausmeister und Chronist“ des Fotostudios, bei einem Abriss über die 40 Jahre schmunzelnd ein.

Die junge Frau steckt ihr Erspartes, 1800 DDR-Mark, in den Ausbau des Fotoateliers. Hochzeitsgeschenk des Großvaters aus Hamburg ist ein Blitzlichtgerät. Im Januar 1980 kommt mit Carl-Christian das erste der drei Kinder zur Welt. Das Geschäft schließt für einige Monate, weil Dieter Jörss trotz 26 Jahre und Familie zur Armee musste. Als er 1984 nach schwerer Krankheit stirbt, führt die junge Frau das Studio allein weiter, holt den Meisterabschluss nach. Um die kleinen Kinder kümmert sich gern Ursel Damaschke aus Groß Görnow, inzwischen 80 und in Schwerin lebend. So oft es geht, ist auch Oma Jörss aus Brüel zur Stelle.

Das Fotostudio wächst auf fünf Mitarbeiter, hält zwischen 50 und 100 Hochzeiten pro Jahr im Bild fest. Dazwischen liegt ein nerviger Schriftverkehr mit dem Rat des Kreises wegen fehlenden Materials. Als im Schaufenster Bilder aus Hamburg hängen, „eher kritische Aufnahmen“, wie Jörss-Munzlinger heute meint, droht die Stasi mit dem Ent-zug der Gewerbeerlaubnis.

Lange Zeit wird Schwarz-Weiß fotografiert, ab 1983 auch parallel in Farbe, nach der Wende komplett. Nun gilt es, sich gegen die Großlabore aus dem Westen zu behaupten. Als neues Standbein kommt der Verkauf von Fotoapparaten, Bilderrahmen und Fotoartikeln hinzu. Die vorgesehene Übernahme eines Fotostudios in Schwerin scheitert an der Immobilie. Christine Jörss gründet mit Mitstreitern eine Werbeagentur. Es beginnt die Zusammenarbeit mit Buchverlagen, Städteporträts und Bildbände entstehen. Der über Güstrow „ist ein Hammer“, findet Christof Munzlinger.

Das Willkommensschild am Mecklenburgring schuf Christine Jörss-Munzlinger mit dem Heimatverein. Zum 500. Reformationsjubiläum ist wieder ein gemeinsames Projekt vorgesehen.
Das Willkommensschild am Mecklenburgring schuf Christine Jörss-Munzlinger mit dem Heimatverein. Zum 500. Reformationsjubiläum ist wieder ein gemeinsames Projekt vorgesehen. Foto: rump
 

Ihn lernt die junge Frau kennen, als er Abzüge von Luftbildern machen lässt. Die sind nicht so gut gelungen, der Bundeswehroffizier möchte jemanden mit haben, der besser fotografiert. Sie sei erst wenig erfreut darüber gewesen, sagt Jörss-Munzlinger, genauso wenig, „wenn jemand nach dem Chef fragte, obwohl ich vorn im Laden stand“. 1995 heiraten beide, Munzlinger bringt zwei Kinder in die Ehe. Er ist allerdings in Bonn eingesetzt und selten zu Hause.

Sohn Benjamin als Nachfolger



1996 wird das Geschäftshaus saniert und das Fotostudio modernisiert. Der Kauf der ersten Digitalkamera im gleichen Jahr in Boston erweist sich als Fehlgriff, doch 1999 beginnt die Digitalfotografie im Kundenbereich, sechs Jahre darauf ist die Umstellung abgeschlossen.

Die Fotografenmeisterin hat 19 Lehrlinge ausgebildet, hatte erst kürzlich den 200. Praktikanten. Das Studio bedient alles vom Bewerbungsfoto und anspruchsvollen Porträt über Hochzeiten, andere Familienfeiern, Landschaften, Firmen und Architektur bis zum Luftbild. Für die Sparkasse Parchim-Lübz macht Jörss-Munzlinger den Jahreskalender. Sie möchte aber bald loslassen, das Studio Sohn Benjamin, Jahrgang 1983, übergeben, sich mehr Zeit für Kunst und Kunstprojekte nehmen können.

 

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