Sternberg : Politik in fremden Gefilden

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Ein Rückblick auf das vergangene Jahr im Sternberger Seenland, der nicht ganz ernst zu nehmen ist.

svz.de von
30. Dezember 2013, 17:24 Uhr

Da soll noch einer behaupten, Politiker sitzen nur und schwingen lange Reden oder sie reisen umher und lassen sich beköstigen. Na ja, zumindest Letzteres mag, wenn die Fernsehbilder nicht täuschen, bei einigen zutreffen. Sie sehen immer rundlicher aus und müssen, wie es scheint, jedes Jahr zum Schneider ihres Vertrauens, um in die Sachen zu passen.

Doch das gilt wohl im allerschlimmsten Fall für Leute in der großen Politik. Kommunale, bodenständige Vertreter des Volkes sind nahe der Praxis,  sie wissen sich auf unterschiedlichsten Gebieten, mitunter in völlig fremden Gefilden, zu behaupten. So kennen viele die Segelleidenschaft von  Sternbergs Bürgermeister Jochen Quandt.   Er hat übrigens nicht nur selbst Spaß auf dem Wasser, sondern trainiert auch  eine Nachwuchsgruppe.  Und  richtig in seinem Element war der langjährige Vereinsvorsitzende beim 50. Heimatfest in diesem Jahr. Da machte er sogar gemeinsame Sache mit Piraten von der gleichen Gang, die sich Sternberger Carneval Club nennt und ihm dann am 11. 11. den Rathausschlüssel wegnahm.  Seinerzeit hatte die bewaffnete Bande  hohe Herrschaften an Bord, Schützenkönigin Astrid Neumann,

Rosenkönigin Theresia Stefanidis und Landesrapsblütenkönigin Mandy Nöring, um sie gegen ein Fass Bier einzutauschen. Kein Wunder, dass die Piraten diesen Mann  so ins Herz geschlossen haben.

Aber damit nicht genug. Beim Torwand-Schießen – keine Ahnung, warum das so heißt, der Ball soll doch nicht an die Wand, sondern in die großen Löcher – glänzte der Bürgermeister mit einer Schusshaltung, die das Publikum staunen ließ und selbst den berühmten Bayern-Trainer entzückt hätte. Doch Späher renommierter Profiklubs hat niemand gesehen. Woher sollten die auch wissen, welche Talente  in Sternberg schlummern und dann noch in diesem reifen Fußball-Alter.  Lediglich Olaf Steinberg, der Vize im Rathaus, notierte die Treffer gewissenhaft. Naja, zumindest halbwegs, denn eigentlich hatte er mehr ein Auge für die drei schmucken Damen, die vom Piratenboot ausgelöst worden waren und auch mit dem runden Leder kämpften.  Der „Olli“ hatte gemeinsam mit  „Ecki“ (Bürgeramtschef Eckardt Meyer), wie sie vom Karneval bekannt sind,  im Interesse der Stadt hart über die Freigabe verhandelt.

Apropos, Eckardt Meyer. Er hatte inzwischen noch andere Auftritte – als Sänger. Wie es heißt, nutzt er jede freie Minute, um weiter an seiner Stimme zu arbeiten und das erste Solo-Album aufnehmen zu können. Dafür würde er  sogar bei sei-ner kleinen Landwirtschaft zu Hause zurückstecken, wird gemunkelt. Wenn das mit der großen Künstlerkarriere nicht klappt, bleiben ihm immer noch die Posten im Rathaus und als Chef der Sternberger Feuerwehr, zu dem er gerade für weitere sechs Jahre wiedergewählt wurde.

In fremde Gefilde begab sich auch  Bundestagsabgeordnete Karin Strenz. Sie setzte sich im Sternberger Edeka-Markt ca. eine halbe Stunde für einen guten Zweck an die Kasse. Reiner Zufall, dass das exakt zwölf Tage vor der Bundestagswahl war. Der Ertrag, den sonst Edeka aus dem Umsatz in dieser Zeit gehabt hätte, ging samt  Zugabe an den Verein Kaso (Kreativ arbeiten und Soziales organisieren) in Wismar. Ganz fremd für sie sei dieses kleine Praktikum aber gar nicht, verriet Strenz. Sie habe einst im Studentensommer an der Uni Rostock  an einer Kaffeekasse gesessen und beim Zusatzstudium nach der Wende auf dem Frankfurter Wochenmarkt Käse verkauft. Der Einsatz in Sternberg dürfte kaum den Ausschlag gegeben haben, dass Strenz als  Direktkandidatin im Wahlkreis 13 ihr Mandat behauptete, denn die Kunden bemerkten  nicht einmal, wer ihnen gegenüber sitzt und die Waren über den Scanner zieht.

Der Wariner Bürgermeister Michael Ankermann arbeitete abseits vom großen Wahlkampf einen Tag auf dem städtischen Bauhof. Und das keineswegs aus einer Bierlaune heraus, sondern völlig  überlegt nach einem Gespräch  beim Feuerwehr-Tag. Er wolle die Arbeit des Bauhofs  von innen kennen lernen. Dazu reiche eine Stunde zugucken nicht. Für Armin Freudenhammer, Vorarbeiter der sechs ständigen Angestellten des Bauhofs, war es  das erste Mal, dass er seinem Chef die Arbeit vorgab. Doch er kam damit ebenso gut zurecht wie Ankermanns Kollege an dem Tag.  Dessen Chef ist der Bürgermeister gleich doppelt, denn Timo Untrieser leitet die freiwillige Feuerwehr. Es ging  alles gut. Das Stadtoberhaupt könnte sich sogar vorstellen, einen Tag auf dem Bauhof zu wiederholen. Wenn,  bitte nicht im Mai  zwölf Tage vor den Kommunalwahlen. – Und jetzt prosit Neujahr!

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