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Fehler bei Wemag-Freileitung : Plötzlich sind Elektrogeräte Schrott

vom
Aus der Redaktion der Zeitung für die Landeshauptstadt

Großer Schaden wegen Überspannung in Goldenbow. Leser berichten von Problemen. SVZ fragt Energieversorger

von
erstellt am 08.Aug.2014 | 12:00 Uhr

Ein kräftiges Gewitter tobte über dem Dorf, der Blitz schlug in der Nähe ein, das Haus wackelte. Danach funktionierten viele Geräte nicht mehr bei Familie Schulz in der Crivitzer Straße in Goldenbow. Darunter sind ein mehrere tausend Euro teures Beatmungsgerät und die Mikrowelle von Wolfgang Schulz, der in der einen Haushälfte wohnt. Aber beispielsweise auch die Waschmaschine von Sohn André Schulz, Rollladen-Motoren, die Steuerung der Kläranlage, Radios, Computernetzwerk-Geräte.

André Schulz hat zwischenzeitlich Nachbarn befragt. Alle in der Crivitzer Straße, die am gleichen Trafohäuschen hängen, berichteten von defekten Elektrogeräten, erklärte er gegenüber SVZ. Beim unmittelbaren Nachbarn sind gleich 13 Geräte defekt, beim nächsten vier.

Ein Fall für die Hausrat- und Gebäudeversicherung? Das vermuteten zunächst Wolfgang Schulz und sein Sohn Andrè. Sie sind gegen Schäden durch Überspannung bei einem Blitzeinschlag versichert. Allerdings ist es mit einem Eigenanteil von mehreren Hundert Euro verbunden, wenn sie ihre Versicherung in Anspruch nehmen.

André Schulz war bereits dabei, für die Regulierung durch die Versicherung die Schäden durch Überspannung von einem Elektriker bestätigen zu lassen, als er einen Tipp erhielt: In diesem Fall machte es gar keinen Sinn, die eigene Versicherung in Anspruch zu nehmen, da die Kosten durch den Energieversorger getragen werden müssten. Denn der Schaden, davon geht Schulz inzwischen aus, sei gar nicht durch den Blitzeinschlag entstanden, sondern auf Grund eines Fehlers der Installation der Wemag-Freileitung.

André Schulz, der einmal den Beruf als Elektroniker gelernt hat, verfolgte die Reparaturen nach dem Gewitter und nahm eigene Messungen im Haus vor. Dort wo eine Spannung von 220, maximal 240 Volt anliegen sollte, waren es in seinem Haus 370 und 390 Volt.

Es stellte sich heraus, dass an einer erst vor wenigen Jahren neu gebauten Freileitung der Wemag Netz AG der so genannte Null-Leiter an einer Klemme keine Verbindung hatte. Bereits vor einem Jahr hatte es an dieser Leitung einen Schaden gegeben, berichtet André Schulz. Auch damals gab es im Haus Probleme mit der Stromversorgung. Seinerzeit hatte sich die Klemme an einer Phase gelöst, weiß Schulz. Er fragt sich, warum der Energieversorger danach nicht die ganze Leitung auf diesen Fehler kontrolliert hat.

Die Suche nach einem Verantwortlichen bei der Wemag, der den Schaden übernimmt, erwies sich für Familie Schulz zunächst als schwierig. Ein Mitarbeiter in der Störungsabteilung habe ihm erklärt, dass die Wemag nur in bestimmten Fällen wie grober Fahrlässigkeit haftet. Die Goldenbower sollten sich schriftlich an die Rechtsabteilung wenden. „Die Wemag redet sich raus“, so der Eindruck von Schulz. Er befürchtete einen langen Rechtsstreit. Sein Vater Wolfgang wandte sich an unsere Zeitung und schilderte den Fall.

SVZ konfrontierte damit den Energieversorger. Einen Tag später meldete sich dessen Rechtsabteilung bei Familie Schulz. Es sehe so aus, als wenn die Wemag den Schaden übernimmt, erklärte André Schulz.

„Wir wollen uns nicht streiten“, versicherte Jost Broichmann, Pressesprecher der Wemag gegenüber SVZ. Der Verweis auf die Rechtsabteilung mag zu einem Missverständnis geführt haben. Aber diese Abteilung sei auch für die Schadensregulierung zuständig. Das sei so geregelt, da der Energieversorger zuweilen auch Vorlieferanten in Haftung nimmt.

„Dass wir den Schaden regulieren, steht außer Frage“, so Broichmann zum Fall Goldenbow. Er bestätigte den Schaden an einer Klemme am Nullleiter. Broichmann vermutet, dass dieser Defekt vom Gewitter ausgelöst wurde. Nicht durch einen Blitzschlag, sondern durch starke Winde, die auf die Freileitung gewirkt haben. Die Unterbrechung am Leiter könne in Ausnahmen, wenn die Erdung des Hausanschlusses nicht ausreicht, zur Überspannung führen, so der Sprecher.

Um weitere Probleme zu verhindern, werden Mitarbeiter des Energieversorgers die im Jahr 2009 neu gebaute Leitung kontrollieren und alle Klemmen nachziehen, so Broichmann.

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