Sternberg : Platz für Golddistel und Silbergras

Mit Astschere oder teils Motorsäge gegen den Bewuchs.
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Mit Astschere oder teils Motorsäge gegen den Bewuchs.

Natur- und Landschaftsführer befreiten zwei Flächen an den Oberen Seen von Bewuchs, der schützenswerte Pflanzen verdrängt.

svz.de von
11. März 2014, 17:39 Uhr

Es wäre nur eine Frage der Zeit, bis sich an den Oberen Seen Wildwuchs, der nicht dorthin gehört, weiter ausgebreitet und schützenswerte Pflanzen auf Nimmerwiedersehen verdrängt hätte. Deshalb machten zertifizierte Natur- und Landschaftsführer statt einer Wanderung mit
Besuchern einen Arbeitseinsatz. „Wir haben uns zwei Flächen vorgenommen, vor allem Ginster und Kiefern herausgeschnitten“, erklärt Sven-Erik Muskulus aus dem Lohmener Ortsteil Oldenstorf. Er bietet Aktivtouren mit dem Kanu oder Fahrrad an, ist Vorsitzender des Fördervereins für den
Naturpark Sternberger Seenland und hat selbst die Ausbildung zum Natur- und Landschaftsführer absolviert.


Arten und Biotope würden verschwinden


Die Flächen seien gemeinsam von Naturpark, Staatlichem Amt für Landwirtschaft und Umwelt (StALU) sowie Forstverwaltung ausgewählt worden. Mit dem Kobrower Schäfer Thomas Kräßner, der als einziger die dürftige Vegetation auf dem trockenen, nährstoffarmen Boden zumindest ein wenig verwerten kann, wurde das dann abgesprochen, so Muskulus. „In seinem Sinne ist es auch, wenn die Landschaft offen wird.“

Die Aktion sei vom Naturpark nicht nur vorbereitet und gefördert worden, dessen Leiter Volker Brandt und zwei Ranger packten auch tatkräftig mit zu. Und der Sternberger Bauhof habe einen Traktor mit Häcksler bereitgestellt, so dass Äste und Zweige gleich geschreddert werden konnten, fügt Muskulus dankbar hinzu.

Das Besondere an so einer Offenlandschaft sei, dass sie Pflanzengesellschaften, die
relativ selten vorkommen, und Biotopen Raum bietet. „Die würden nach und nach verschwinden, wenn die Natur freien Lauf hätte. Es käme in dem Gebiet zu einem Umbruch, der nicht gewollt ist“, erklärt Muskulus. Die Artenvielfalt ginge zurück, die Landschaft wäre „weniger attraktiv für die Menschen“. Auch aus anderen Gegenden Deutschlands ist bekannt, dass Offenlandschaften sich kaum aus eigener Kraft den Wald vom Leibe halten können.

Auf einem Areal bekam nun die Golddistel, die übrigens auch als Heilpflanze Verwendung findet, mehr Platz, auf der zweiten Fläche das Silbergras. „Das ist zwar keine Pflanze, bei der man von weitem ,wow!‘ sagt, doch sie gehört dorthin“, findet Muskulus. Das Silbergras gilt auf Deutschland bezogen als nicht gefährdet, aber in einzelnen Bundesländern, weil durch Zerstörung magerer Sandflächen über Jahrzehnte der Lebensraum weitgehend verloren ging.

Der Einsatz an den Oberen Seen war der erste dieser Art von den Natur- und Landschaftsführern. Die Idee, sich nicht nur regelmäßig zu treffen, sondern auch selbst Hand anzulegen, sei schon bei der Ausbildung vor gut einem Jahr entstanden. Gründe, das Zertifikat zu erwerben, gab es mehrere, doch wer es besitzt, möchte sich für die Natur einsetzen und andere daran teilhaben lassen.

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