Warin : Plattsnackers als Mundart-Werber

Die Wariner Plattsnacker (v.l.)  Helga Otto, Peter Anders und Monika Schumann.
Die Wariner Plattsnacker (v.l.) Helga Otto, Peter Anders und Monika Schumann.

Geschichten über Weihnachten wurden in Warin up platt vertellt.

svz.de von
17. Dezember 2013, 16:25 Uhr

„Wie kümm Korl un Heiner blots an de Gaus die dor an Balkon bammelt“, war nur ein Satz aus der Geschichte die die Wariner Plattsnacker im Café Lubitz vortrugen. Dieser Nachmittag stand unter dem Motto „Oh du schöne Wiehnachtstied“. Bis auf den letzten Platz gefüllt war das Café. Eigentlich wie immer, wenn die drei Erzähler oder Vertellers, wie das auf platt heißt, loslegen.

Jeden zweiten Dienstag im Monat laden die zum Wariner Heimatverein gehörenden Ehrenamtler ein und pflegen die heimatliche Mundart. Über eine Stunde lang geben sie Riemels und Geschichten zu Gehör. 1990 gründeten sich die Plattsnackers. In der heutigen Besetzung treten sie seit vier Jahren auf. Das jüngste Mitglied unter ihnen ist Monika Schumann. „Ich bin so reingewachsen, quasi der Azubi und habe zur 775-Jahr-Feier intensiver zu reden begonnen in der Mundart. Mein Schwiegervater redet plattdeutsch, da habe ich so einiges mitbekommen. Ein bisschen darstellerisches Talent bringe ich dafür auch mit“, erzählte die 57-Jährige.

„Jeden Monat stellen wir ein neues Programm auf die Beine. Da heißt es überlegen, was könnte aktuell sein, ist saisonbedingt; was interessiert und worüber wurde lange nicht gesprochen. Sehr gut kamen die Themen Essen und Trinken an und immer wieder Heimatgeschichten über unsere Dichter und Denker“, sagte Helga Otto. Sie gehört seit 2004 zu dem kleinen Ensemble und hat die Federführung übernommen. Das heißt, sie verfasst die Texte, die vorgetragen werden auf dem Computer. Sie hat damit ein wenig den Hut auf, obwohl es an diesem Nachmittag die roten Zipfelmützen waren, die sich alle drei aufgesetzt hatten.

Gerne erinnert sie sich noch an den Besuch der Enkel Gert und Klaus-Friedrich Hansen des in Warin bekannten Ofensetzers Georg Hansen. „Der war ein Original und alle Leute kannten ihn. Er ist in den 1960er-Jahren verstorben. Seine Enkel schreiben selber Geschichten in plattdeutscher Sprache. Gemeinsam hatten sie mit uns vorgelesen“, erzählte Peter Anders. Im Alter von acht Jahren kam der heute 77-Jährige von Rostock nach Brüel. Bei Böttchermeister Kirschnick lernte er die Mundart. Früher redeten die Leute auf dem Dorf alle platt, fügte er an, und gleichzeitig, dass er an der Niederdeutschen Bühne in Parchim einige Theaterstücke spielte. In seinem Hause treffen sich die Plattsnackers vorwiegend zu Beratungen und Proben.


„Von den jungen Leuten redet kaum jemand plattdeutsch“


Im Oktober nahmen die Wariner am 9. Plattsnackertreffen in Grevesmühlen teil, dabei führten sie auch zwei Sketche auf. Zur 775. Jahrfeier von Zahrensdorf hatten sie ebenfalls einen Auftritt wie 2012 in Penzin.

„Unser Ansinnen ist es, dass diese Sprache erhalten wird. Dazu brauchen wir aber Nachwuchs. Der ist schwer zu finden, denn von den jungen Leuten redet kaum jemand plattdeutsch. Gute Voraussetzungen wären es, wenn man in der Kindheit mit der Sprache konfrontiert wird. Wir wollen den Menschen Freude mit unseren Darbietungen bringen. Wenn das Publikum Ideen hat, sind wir gerne bereit, diese aufzunehmen. Meistens ist es dasselbe Klientel, vor dem wir im Café Lubitz auftreten. Wir sind aber für alle offen. Der Eintritt ist frei und wir sind ehrenamtlich tätig“, so der Apotheker i.R.

Dann sitzen sie nach der Aufführung noch mit Heimatvereinsleiterin Annelie Thomas zusammen und beraten schon fürs nächste Jahr. Dann geht es im Februar weiter, voraussichtlich mit dem Thema rund um die Gesundheit – und im März werden Heimatgeschichten erzählt. Insbesondere um den Pötter Hansen, über den Helga Otto eine DVD fertigte, die gezeigt wird.

Seit etwa 15 Jahren bietet Regina Maatz, Inhaberin des Café Lubitz, die Heimstatt für die Plattsnackers.



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