Heute ist Tag der Europäischen Sprachen : "Plattdeutsch ist wie Schwedisch"

Mecklenburg ist die Wahlheimat  der gebürtigen Schwedin Kerstin Gaertner, die  mittlerweile in Kaarz wohnt. Franziska Sanyang
Mecklenburg ist die Wahlheimat der gebürtigen Schwedin Kerstin Gaertner, die mittlerweile in Kaarz wohnt. Franziska Sanyang

Heute ist der Tag der europäischen Sprachen. Wir haben diesen Tag zum Anlass genommen, um die Schwedin Kerstin Gaertner aus der Region zu besuchen.

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26. September 2012, 10:18 Uhr

Kaarz | "Hjärtligt välkommen till Kaarz*", begrüßt Kerstin Gaertner uns in Schloss Kaarz. Aus Anlass des heutigen Tages der europäischen Sprachen haben wir sie zu Hause besucht. Denn die gebürtige Schwedin hat aufgrund ihrer Mehrsprachigkeit einen besonderen Bezug zu diesem Tag. Bereits seit ihrem 18. Lebensjahr ist Gaertner in Deutschland. Zum Studieren sei sie damals nach München gekommen, erzählt sie. Da konnte sie die für sie fremde Sprache schon gut verstehen. Neben Schwedisch und Deutsch spreche sie auch fließend Englisch, Französisch und Spanisch. "Die Schweden achten unheimlich darauf, dass ihre Kinder in der Schule Fremdsprachen lernen", sagt sie. Denn Lehrbücher für das Studium gäbe es vorrangig in Deutsch und Englisch.

Schweden sei ein gering besiedeltes Land mit einer niedrigen Bevölkerungszahl. Da lohne sich die Übersetzung von Fachliteratur ins Schwedische kaum, erzählt die Schlossinhaberin. Selbst Filme würden meist nicht synchronisiert werden. "Wir haben Untertitel", sagt Kerstin Gaertner . Vom strengen Fremdsprachenunterricht habe sie allerdings profitiert. So verließ sie bereits nach dem Abitur ihre schwedische Heimatstadt Vänersborg, um in München Medizin zu studieren. Nach ein paar Studiensemestern in Göteborg wurde Bayern zu ihrer Wahlheimat. In einer Klinik in Landshut trat Gaertner nach dem Studium ihren ersten Job als Ärztin an.

Schon damals gefiel ihr die Regelmäßigkeit in ihrer neuen Heimat. "Deutschland ist ein unheimlich gut organisiertes Land. Hier funktioniert fast alles", erzählt Kerstin Gaertner. Allerdings sei diese Ordnung etwas, was sie manchmal störe: "Deutsche können auch anstrengend sein, weil alles immer so organisiert sein muss." In Schweden sehe man vieles lockerer. Trotz allem verliebte sich Gaertner in einen Deutschen und heiratete ihn. Durch seine Wurzeln hatte sie schon damals Kontakte nach Mecklenburg: "Mein Mann ist hier in Schloss Kaarz geboren", erzählt die Schwedin.

Während der DDR hatte vor allem ihre Schwiegermutter noch Verbindungen in die alte Heimat. "Wir waren wahrscheinlich die einzige Familie in München, die regelmäßig Ostpakete bekommen hat", erinnert sich Kerstin Gaertner schmunzelnd. Vor allem die eingemachten Pilze aus dem Kaarzer Wald seien ihr noch gut im Gedächtnis. "Die gab es immer zu Weihnachten", sagt die Schwedin. Nach der Wende seien sie und ihr Mann erstmals zusammen nach Kaarz gefahren. Das Land habe ihr von Anfang an gut gefallen: "Die Landschaft ist hier sehr ähnlich wie dort, wo ich aufgewachsen bin", sagt sie. "Mecklenburg ist vergleichbar mit Schweden: Es ist wenig bevölkert und von seltener Schönheit", so die Schlossinhaberin. Nach einer Weile in Mecklenburg fand Kerstin Gaertner eine weitere Gemeinsamkeit mit ihrer alten Heimat: "Das Plattdeutsche ist fast wie Schwedisch", findet sie. "Ich kann vieles verstehen, wenn jemand langsam Plattdeutsch spricht", erzählt sie. Noch besser ginge es, wenn sie die mecklenburgische Sprache lesen würde: "Dann scheint mir, dass jedes Wort, das nicht Plattdeutsch ist, Schwedisch ist." Zum Beispiel hieße Haus oder auch zu Hause im Schwedischen und im Niederdeutschen ,hus. Andere Wörter aus ihrer Muttersprache , welche sich auch in der deutschen Sprache wiederfänden, sind die Begriffe ,stad für Stadt oder ,land.

Auch das deutsche Sprichwort ,Unkraut vergeht nicht, kenne man in ihrer Heimat. Dort heißt es "ont krut förgår inte". Jedoch bedeute ,ont krut nicht Unkraut, sondern kann mit böses Schießpulver übersetzt werden. Dennoch würde man das Sprichwort im selben Sinne wie in Deutschland verwenden, sagt Kerstin Gaertner.

* dt. "Herzlich willkommen in Kaarz".

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