Gute Aussichten für Pilzsammler : Pilze werden mehr und besser

<p>Der Perlpilz wächst in Laub- als auch Nadelwäldern. Markant ist eine rosarote bis rötliche Verfärbung an verletzten Stellen, wodurch er sich am besten vom sehr giftigen Pantherpilz unterscheiden lässt. </p>
1 von 4

Der Perlpilz wächst in Laub- als auch Nadelwäldern. Markant ist eine rosarote bis rötliche Verfärbung an verletzten Stellen, wodurch er sich am besten vom sehr giftigen Pantherpilz unterscheiden lässt.

svz.de von
14. Juni 2016, 05:00 Uhr

Nach Trockenheit und Wärme freuen sich nicht nur Kleingärtner über den Regen, sondern auch Pilzsammler. Was diese jetzt erwarten können, darüber sprach Redakteur Rüdiger Rump mit Irena Dombrowa aus Keez, seit Jahren ehrenamtlich als Pilzberaterin tätig.

Frau Dombrowa, endlich Nässe von oben. Schießen damit jetzt  die Pilze aus der Erde?

Irena Dombrowa: Pilze  gibt es das ganze Jahr. Natürlich brauchen sie Feuchtigkeit, und damit wachsen jetzt weitere Arten, der Perlpilz zum Beispiel. Aber aufgepasst, gleichzeitig ist der giftige Pantherpilz im Kommen.  Der Regen  spült die  Flocken auf dem Hut ab, so dass er sich weniger vom Perlpilz unterscheidet. Die Flocken sind schneeweiß, die vom Perlpilz dunkler. Da dieser aber bei Verletzung rötlich anläuft, sollten  beide auch bei fehlenden Flocken auf dem Hut nicht zu verwechseln sein.

Wo sind die Chancen am größten, essbare Pilze zu finden?

Nicht nur im Wald, auch an Wiesen, Feuchtbiotopen oder Wegrändern und überall, wo Bäume stehen. Sie kommen und gehen mit den Veränderungen in der Natur. Wobei manche Pilze sehr standorttreu sind wie der Sommersteinpilz.

Auch im Garten zeigen sich welche. Eine Frau entdeckte am Baum einen Schwefelporling und war sich unsicher?

Der wächst  an Bäumen, wie Pflaume oder  Weide, auch an Eiche, hier aber weniger, weil die zu viel Gerbstoffe hat. Wenn Bäume verletzt sind, kommt der Pilz besonders leicht an die Nährstoffe, die er  aus dem Baum herausholt und ihn so allmählich zersetzt, wie auch Hallimasch.

Noch einmal zum Schwefelporling – ist der essbar?

Roh ist er giftig, richtig zubereitet dagegen eine Delikatesse. Ich koche ihn 20 Minuten wie Salzkartoffeln und schütte das Wasser weg. Es riecht auch unangenehm nach Schwefel. Dann kann man ihn ganz unterschiedlich zubereiten, etwa in Scheiben schneiden, panieren und braten. Ich habe auch schon Frikassee daraus gemacht. Es hat keiner gemerkt, dass das aus Pilzen war. Die Konsistenz ist ähnlich wie bei Puten- oder Hähnchenfilet. Seine leuchtend gelbe Farbe hat der Schwefelporling nur, solange  er jung ist. Das leuchtende Gelb gilt übrigens auch für den Drachendreck, der bei Feuchtigkeit über alles herfällt, was ihm Nahrung bietet.

Welche sind Ihre Lieblingspilze?

Ich liebe es, die ganze Palette von Pilzen auf verschiedene Art zuzubereiten. Zu meinen  Favoriten gehört der Riesenschirmpilz, wie ein Schnitzel zubereitet, in Scheiben mit Ei und Paniermehl von beiden Seiten kurz in Öl gebraten. Genauso lässt sich der  Steinpilz zubereiten,  die Scheiben sollten hier aber dicker sein. Die Kinder schwärmen davon, wenn sie so was als Sandwich bekommen.

Wird es ein gutes Pilzjahr oder ist es noch zu früh für eine Prognose?

Zur Zeit ist es wunderbar. Für die Maipilze war es zu trocken. Sie waren ganz schnell madig. Beim Sommersteinpilz reißt dann außerdem der Hut. Der normale  Steinpilz  zeigt sich auch zunehmend. Er  verträgt Trockenheit etwas besser und  wird nicht so schnell madig. Auch Pfifferlinge gibt es schon, ich selbst hatte in diesem Jahr aber noch keine. Es werden mehr Pilze, und die werden  besser. Wie es weiter geht, hängt stark vom Wetter ab. Ob es ein gutes oder schlechtes Jahr wird, lässt sich derzeit noch nicht sagen.

Hat auch  die  Pilzberatung schon begonnen?

Ja, meine Vereinbarung mit dem Landkreis Ludwigslust-Parchim gilt weiter.  Ich bin unter der Handynummer 0172-7339226 nach Feierabend  erreichbar. Im Vorjahr haben mir zwei Muttis, die in großer Sorge waren, weil ihre Kinder Pilze gegessen hatten, Fotos per E-Mail geschickt. Da konnte ich mir schnell ein Bild machen, obwohl es natürlich besser ist, die Pilze in Natur  zu sehen. Was die beiden Kinder betrifft, war alles in Ordnung. Es hätte aber auch anders sein können. Die Kleinen spucken in der Regel  zwar das aus, was bitter ist und ihnen nicht schmeckt, aber  es ist schon besser, lieber einmal mehr als zu wenig nachzufragen. Ich habe diese E-Mail-Adresse: dombrowa0706@ gmail.com.

zur Startseite

Gefällt Ihnen dieser Beitrag? Dann teilen Sie ihn bitte in den sozialen Medien - und folgen uns auch auf Twitter und Facebook:

Diskutieren Sie mit.

Leserkommentare anzeigen