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Anzeiger für Sternberg, Brüel, Warin

23. November 2017 | 10:40 Uhr

Premiere im Radebachtal : Pilze suchen mit Stirnlampe

vom

15 Pilzfreunde absolvierten am Freitagabend 5,5 Kilometer auf ihrer ersten nächtlichen Pilzwanderung im Radebachtal. Zu dieser ungewöhnlichen Wanderung hatte die Pilzberatungsstelle "Steinpilz" aus Wismar eingeladen.

svz.de von
erstellt am 21.Aug.2012 | 10:37 Uhr

Blankenberg | Premiere in Blankenberg: 15 Pilzfreunde absolvierten am Freitagabend 5,5 Kilometer auf ihrer ersten nächtlichen Pilzwanderung im Radebachtal. Gesammelt wurden 35 Pilzarten. Zu dieser ungewöhnlichen Wanderung hatte die Pilzberatungs- und Ausstellungsstelle "Steinpilz" aus Wismar eingeladen. Die Idee dazu stammte von Irena Dombrowa, die mit ihrem Sohn Jonas im vergangenen Jahr eine Menge Pilze fand und bis in die Abendstunden hinein mit einer Stirnlampe gesammelt hatte.

Gegen 20 Uhr starteten die Teilnehmer von der ersten Brücke Radebachtal beim Parkplatz am Waldrand aus. Doch zuvor zeigte Jonas (7) stolz seine an diesem Tage gesammelten Anis-Champignons. Zum Vergleich hatte er Exemplare des Grünen Knollenblätterpilzes mitgebracht und präsentierte alles auf seine fröhlich plappernde Art den Anwesenden.

Die Hangterrassen am Radebachtal boten allerdings kein schönes Bild. Radikale Waldpflegearbeiten verschönen nicht gerade den Anblick, den einst der schattige Hohlweg bot, in dem kalkliebende Schleierlinge, Korallenpilze und Tiger-Ritterlinge zu Hause waren, wie Tourleiter Reinhold Krakow informierter. Buchen waren herausgeholzt, Kiefern verschont geblieben, obwohl auf einer Infotafel zu lesen war, das man weg vom Kiefernwald und hin zum Buchenwald wollte.

Hans-Jürgen Willsch (74) aus Wismar gehört seit 1959 der Pilzgruppe an. "Ich war damals mit der Schulklasse im Wald und habe dort auch den Buchenpilz kennen gelernt. Da war mein erstes Interesse schon geweckt. Ein Freund meines Vaters lotste mich dann in die Pilzgruppe. Ich sammle mit Vorliebe alle Sorten, die essbar sind und brate sie in der Pfanne mit Salz, Pfeffer und Zwiebeln", erzählt er lächelnd. Für einen Spaß war der rüstige Senior natürlich auch zu haben, als er freudig rief: "Oh, hier habe ich sogar ein Lübzer Pils gefunden", und hielt einen Kronenkorken in die Höhe.

Fachkundig informierte Reinhold Krakow über gefundene Pilzsorten, ihre Ähnlichkeiten und Besonderheiten. Zum Beispiel, dass der Spitzkeglige Knollenblätterpilz traditionell in dieser Ecke wächst. Einen seltenen Fund hatte Erika Wittenhagen aus Bad Kleinen mit dem Dunkelgrauen Scheidling.

Knapp eine Stunde nach Wanderungsbeginn schalteten die ersten Pilzfreunde ihre Stirnlampen an. Viele Exemplare der Waldfrüchte waren vom Wegesrand aus gut zu erkennen. Sie leuchteten förmlich in der Nacht. Immer wieder verweilte die Truppe, um den Fund zu bestimmen und fotografisch festzuhalten.

Dabei gab es viel mehr im Wald zu entdecken. Hatte sich auf dem Hinweg ein Blauschillernder Mistkäfer in den Hut eines Täublings gegraben, war knapp drei Stunden später von dem Fruchtkörper fast nichts mehr zu sehen, da unzählige Nacktschnecken ebenfalls Geschmack gefunden hatten.

"Jeder Pilz ist wie der Mensch anders", meinte Irina Dombrowa. Je nach Pilzart fällt die Verwertung aus. Im Steinpilz, dem Mykologischen Informationszentrum in der Wismarer ABC-Straße, bietet die Keezerin auch Suppe aus den gängigsten Pilzarten an. Davon bekamen die nächtlichen Wanderer zum Abschluss eine Kostprobe auf dem Blankenberger Rastplatz am See. Seit neun Jahren leitet Reinhold Krakow die Beratungsstelle, die vorher von der Stadt finanziert wurde und eingestellt werden sollte. Da sich der 53-Jährige aber berufen fühlte, die Pilzberatung nicht untergehen zu lassen, wurde 2003 eine gemeinnützige Gesellschaft gegründet.

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