Kloster Tempzin : Pilgerort aus der Vergessenheit

Bei ihrer Führung zum Tag des offenen Denkmals verdeutlichte Doris Mertke (M.) auch die Größe der Tempziner Klosterkirche. Die Teilnehmer kamen vom Heimatbund Parchim sowie aus Büschow und Blankenberg.  Fotos: Rüdiger Rump
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Bei ihrer Führung zum Tag des offenen Denkmals verdeutlichte Doris Mertke (M.) auch die Größe der Tempziner Klosterkirche. Die Teilnehmer kamen vom Heimatbund Parchim sowie aus Büschow und Blankenberg. Fotos: Rüdiger Rump

Tag des offenen Denkmals: Die Führung im Kloster Tempzin begeistert die Teilnehmer vom Heimatbund Parchim, aus Büschow und Blankenberg.

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10. September 2017, 21:00 Uhr

Der Heimatbund Parchim hatte sich zu einer Führung im Kloster Tempzin angemeldet. Am Sonnabend, weil der eigentliche Tag des
offenen Denkmals gestern in der Kreisstadt verplant war. Auf Tempzin seien sie bei einem Besuch vor Jahren im Kloster Dobbertin aufmerksam geworden, erklärt Carsten Großmann vom Heimatbund. Der verbinde Anlässe wie jetzt den Denkmaltag gern mit Exkursionen und anderen Veranstaltungen, die öffentlich seien. Es gehe um Kultur, Wissensvermittlung und Information, das sollte nicht „im stillen Kämmerlein“ stattfinden, so Großmann.

Interessierte aus Büschow und Blankenberg hatten in der SVZ von der Führung gelesen und gesellten sich dazu. Für die Büschower Jutta und Lutz Jakob war es der erste Besuch in Tempzin. Sie seien öfter hier vorbeigefahren, sonst jedoch eher in Wismar gewesen. Dieser Tag habe sich nun angeboten, und sie fanden die Führung super. Die Parchimer
beeindruckte auch die Größe des Bauwerks, die sie so nicht
erwartet hätten. Begeistert waren am Ende alle. Doris Mertke, die Leiterin des Pilgerklosters, vermittelte eine Fülle an Wissenswertem, unterhaltsam garniert mit Geschichten aus Vergangenheit und Gegenwart sowie Parallelen zu Heute, und das mit verstecktem Humor, wo er passte.

Vom Labyrinth im Freien, das wie das wahre Leben sei, in dem der Mensch auch mal zurück gehen und einen neuen Weg nach vorn finden müsse, ging es in die Klosterkirche und das Warmhaus. 1222 hätten die Antoniter alles aus Holz gebaut, bevor sie im 15. Jahrhundert die imposante Klosterkirche aus Stein errichteten, wie wir sie heute kennen.

An mehreren Stellen sei das Zeichen zu sehen, das sich die Antoniter zu eigen gemacht hätten, wenngleich das nicht ihnen allein zuzuordnen sei. Aber sie hätten schon damals einen Sinn für Schleichwerbung gehabt, wirft Mertke schmunzelnd ein. Das griechische T in Blau bedeute Diener, der rote Kreis herum symbolisiere einen Blumenkranz.


Am „Heiligen Feuer“ Erkrankte geheilt


Mertke erzählt vom „Heiligen Feuer“, das im Mittelalter ganze Landstriche erfasst und die Bevölkerung dezimiert habe. In der Runde ist auch die andere Bezeichnung bekannt: Mutterkorn. Es habe sich um keine ansteckende Krankheit gehandelt, sondern um einen Pilz, der Getreidekörner befallen habe und mit ihnen ins Mehl gelangt sei. Die Menschen hätten sich damit vergiftet und seien schwer erkrankt. Die Antoniter seien gekommen, um zu heilen. Das 1496 gebaute und in heutiger Zeit aufwändig sanierte Warmhaus, das das Pilgerkloster nun als Begegnungsstätte nutzt, sei damals das Krankenhaus der Antoniter gewesen. Sie hätten genau das Richtige gemacht und den Kranken in Tempzin deshalb gute Chancen gegeben, von dem Heiligen Feuer geheilt zu werden.

Doch es sei eine Zeit gekommen, in der Tempzin vergessen werden sollte und teils geschleift worden sei. „Steine von hier wurden im Schweriner Schloss verbaut, heißt es“, so Mertke. Das Vergessen habe funktioniert, bis Leute nachgefragt hätten, wie es sein könne, dass auf weitem Feld so eine große Kirche stehe. Die Stadtkirche Brüel würde samt Turm in dieses Kirchenschiff passen.

Tempzin kehrte aus der Vergessenheit zurück, so Mertke. Ihre Vorgänger bei der Leitung des Pilgerklosters, das Ehepaar Magdalene und Pastor Joachim Anders, hätten buchstäblich ein Wunder vollbracht, mit dem Verein „Pilgerherberge Kloster Tempzin“, Spenden, Fördergeldern und sehr viel Enthusiasmus das Gutspächterhaus von ca. 1880 und das gotische Warmhaus saniert, wieder mit Leben erfüllt. Immer mehr Pilgerer finden hier Einkehr. Menschen treffen sich zu ökumenischen Veranstaltungen und zu Ora et Labora, arbeiten und leben eine Woche im Pilgerkloster, in der Gruppe oder auf Wunsch individuell. Das nächste Mal werde das bei der Apfelernte sein oder um Nachschub für die Holzvergaser-Heizungsanlage zu gewinnen. Hier sei eine neue Gewichtseinheit festgelegt worden: ein Mertke, „gegenwärtig 20 Kilogramm“. Schwerer dürften die Holzstücke nicht sein, denn sonst bekomme sie die nicht in die Öffnung der Heizungsanlage.

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