Bad Kleinen/Lübow : Pfusch-Vorwurf bei Millionenauftrag

In der Bad Kleiner Hauptstraße (Foto) und weiter in der Viechelner Chaussee müssen 56 neue Hausanschlüsse ersetzt werden.
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In der Bad Kleiner Hauptstraße (Foto) und weiter in der Viechelner Chaussee müssen 56 neue Hausanschlüsse ersetzt werden.

Zweckverband Wismar lässt in Bad Kleinen 56 Hausanschlüsse erneuern. Baufirma lehnt Regress ab.

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14. August 2015, 07:12 Uhr

Sie sei eine „Freundin von pragmatischen Lösungen“. Mit diesen Worten hatte sich Grit Glanert, seit Februar 2015 neue Vorsteherin des Zweckverbandes Wismar mit Sitz in Lübow, Anfang Mai auf der Gemeindevertretersitzung in Ventschow vorgestellt.

Mit pragmatischen Lösungen kommt Glanert beim „Riesenklotz“ in Bad Kleinen nicht weiter. Hier war zwischen 2010 und 2012 in der Hauptstraße und weiterführend in der Viechelner Chaussee die Schmutz- und Regenwasserleitung neu verlegt worden. Ab 19. August soll die Straße erneut aufgerissen werden, wie die betroffenen Bürger am 30. Juli auf einer Einwohnerversammlung informiert wurden.

Hintergrund sind „gravierende Baumängel“, erklärte Zweckverbands-Bauleiter Thomas Pfennigschmidt gegenüber SVZ. Diese seien bei der Abnahme festgestellt worden. Ja, er spricht gar von „krimineller Energie“ bei der Bauausführung. Falsche, minderwertige Materialien gegenüber der Ausschreibung sowie falsche Durchmesser bei den Hausanschlüssen bzw. fehlerhaft verbaute Muffen müssten gewechselt werden. Und wenn ein Zaun im Wege war, hieß es auf der Versammlung, wurde eben der Querschnitt gemindert. Mal beträfe der Pfusch das Schmutz-, mal das Regenwasser. Die Hauptleitung hingegen soll weitgehend in Ordnung sein, erfuhren die Bad- Kleiner Bürger aus dem Munde von Grit Glanert. Diese befindet sich gerade in Urlaub, darum konnte SVZ sie nicht nochmals kontaktieren.

„Die Zustände sind nicht tolerierbar, so dass jetzt öffentlich ausgeschriebene Ersatzmaßnahmen erfolgen. Betroffen sind insgesamt 56 Hausanschlüsse“, so Pfennigschmidt, der 2014 vom Straßenbauamt Schwerin nach Lübow gewechselt war. Er und seine Chefin haben die für den Zweckverband bisher in der Dimension einmalige Geschichte von den Vorgängern geerbt. Vergangenen Dezember wurde Glanert für sieben Jahre von der Mehrheit der Mitglieder der Verbandsversammlung zur neuen hauptamtlichen Verbandsvorsteherin gewählt. Die Juristin, zuvor 17 Jahre beim Zweckverband Grevesmühlen tätig, trat dann zum 1. Februar die Nachfolge von Bernd Baasner an. Dieser war nach 17 Jahren an der Verbandsspitze abgelöst. Als Wahlbeamter auf Zeit wechselte er automatisch in den Ruhestand.

Wegen der Bad-Kleiner Angelegenheit gab es laut Jesendorfs Bürgermeister Arne Jöhnk „harsche Kritik an Baasner“, wegen der aus Sicht von Verbandsmitgliedern nicht ausreichenden und rechtzeitigen Kontrolle.

Entdeckt wurde das Ausmaß laut Pfennigschmidt bei der Bauabnahme. Seitdem streiten sich die Rendsburger Baufirma, deren Schweriner Tochterunternehmen während der Bad-Kleiner Arbeiten pleite ging, so der Bauleiter, der ergänzte: „Die Endfertigung führte der Stammsitz aus.“

Die Baufirma fordert laut Pfennigschmidt „noch 260 000 Euro ein und hat die Mängelbeseitigung abgelehnt“. Der Zweckverband indes behielt 200 000 Euro von der Schlussrechnung ein, der Gesamtauftrag hatte ein Volumen von 2,7 Millionen.

Die Staatsanwaltschaft ist eingeschaltet, ein Schadensersatzverfahren läuft; es sieht alles nach einem Fall fürs Gericht aus. Derweil bildet der Zweckverband Rücklagen für die Ersatzmaßnahme.

Sollte der Verband indes vor Gericht nicht an sein Geld kommen, sei es durch Zahlungsunfähigkeit der Gegenseite, dann müsste laut Pfennigschmidt die Allgemeinheit, sprich der Gebührenzahler, einspringen. Zum Zweckverband Wismar gehören nicht nur u.a. das Amt Dorf-Mecklenburg-Bad Kleinen mit Ventschow, sondern auch die Gemeinden Gägelow, Hohenkirchen, Jesendorf, Neuburg und Insel Poel.  

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