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Bibertäuscher im Naturpark Sternberger Seenland : Patentierte Anlage hält Biber im Zaum

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Ein besonderer Bibertäuscher wurde am Sonnabend am Vorfluter 84 bei Nutteln in Augenschein genommen. Er sorgt für einen kontinuierlichen Abfluss des Gewässers. Der Biber spürt keine Strömung und verschließt seinen Damm.

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erstellt am 24.Apr.2012 | 12:15 Uhr

Alt Necheln | Ein besonderer Bibertäuscher wurde am Sonnabend von Fachleuten und Interessierten am Vorfluter 84 bei Nutteln in Augenschein genommen. Die Drainage, als Bibertäuscher bezeichnet, wurde gemeinsam vom Wasser- und Bodenverband "Obere Warnow" in Warin und dem Natur- und Landschaftspflegebetrieb Hoff aus Brüel entwickelt.

Der Bibertäuscher sorgt für einen kontinuierlichen Abfluss des Gewässers. Bevor der Biber in der Dämmerung mit seinen Bauaktivitäten beginnt, wird der Abfluss geschlossen, damit der Biber keine Strömung spürt und seinen Damm verschließt. Das Verschließen des Biberdammes hatte bisher zur Folge, dass Wiesen, Weide- und Ackerland, die an solch ein Gewässer grenzen, feucht und nass werden, da das angestaute Wasser über die Ufer tritt. Zur Tageszeit, wenn der Nager seine Aktivität eingestellt hat, öffnet sich die Drainageschleuse, und das Wasser fließt wieder hindurch.

"Bereits vor vier Jahren wurde so ein Bibertäuscher erstmals in Betrieb genommen und hat sich bewährt. Dadurch entfallen der manuelle Betrieb einer Schleuse, die sonst im Biberdamm eingebaut war, und die tägliche Bedienung durch einen Mitarbeiter", sagte Andrea Döring, Geschäftsführerin des Wasser- und Bodenverbandes.

"Die Biberdrainagen waren vorher immer zugestopft. Die manuelle Bedienung, durch das Auf- und Zuschieben der Schleusenplatte, fällt hier nun weg. Eine Zeitschaltuhr beim Bibertäuscher reguliert den Ab- und Zufluss des Gewässers", erklärt Verbandsingenieur Fred Doradzillo.

Am 13. April installierte Norbert Hoff mit seinen Kollegen die Anlage bei Nutteln. "Unsere Firma und der Wasser- und Bodenverband haben die Idee und die Anlage patentieren lassen. Die Komponenten haben wir uns liefern lassen, zusammengefügt und installiert hat unsere Firma alles selbst", so Firmen inhaber Norbert Hoff. Er erläuterte die Funktionsweise des Bibertäuschers. "Der Solarstrom fließt von dem aufgestellten Solarmodul in einen Schaltkasten, der die Steuerungstechnik beherbergt, und wird weitergeleitet zur eigentlichen automatischen Drainageschleuse die im Biberdamm eingebaut wurde. Das Durchlassrohr aus Kunststoff hat einen Durchmesser von 30 Zentimetern. In dem Durchlass wurde ein Schieber installiert, der mittels Zeitschaltuhr den Wasserdurchfluss im Rohr schließt oder öffnet. Die Platte wurde isoliert, so dass kein Wasser von außen eindringen kann. Ablagerungen sind nicht möglich, da sich alles selbst reinigt", so der gelernte Landwirt.

"Bei den Beobachtungen im Winterhalbjahr stellen wir anhand der Fraßspuren fest, ob es sich um eine Familie oder Einzeltiere handelt. Die Tiere werden erfasst, und dann können wir handeln", sagte Francis Breitenreiter, Mitarbeiterin im Naturpark Sternberger Seenland. Sie begrüßt die Installation des Bibertäuschers ebenso wie alle anderen Naturfreunde, die mitgekommen waren, um sich die Konstruktion und Funktionsweise anzusehen. Die Exkursion fand im Rahmen des 13. Bibertages von MV in Alt Necheln statt. Im Vorfeld gab es Vorträge rund um den Biber.

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