Brüel : Ostseemotive mit roten Tupfern

Oft im Fokus – der alte Leuchtturm mit dem Teepott, aber nicht so bearbeitet.  Fotos: Andreas Fenner
Foto:
1 von 3
Oft im Fokus – der alte Leuchtturm mit dem Teepott, aber nicht so bearbeitet. Fotos: Andreas Fenner

Andreas Fenner aus Neukloster stellt im Mecklenburger Hof in Brüel bearbeitete Fotos seiner neuen Rotton-Reihe aus. Morgen um 14 Uhr ist die Vernissage zu der Ausstellung.

von
30. Juni 2016, 04:00 Uhr

Passend zur Jahreszeit schmücken großflächige maritime Bilder den Konferenzraum im Mecklenburger Hof, 120 Zentimeter breit, 80 Zentimeter hoch. Zwei sind in Boltenhagen entstanden, die Seebrücke, auf der ein Mann in roter Jacke geht, eine Fischerhütte an der Weißen Wieck, die eher nach Schweden aussieht; zwei aus Warnemünde, der
bekannte Teepott mit dem alten Leuchtturm sowie ein Segelboot vor dem Leuchtturm auf der Mole.


Galerie in Scheune mit Fachwerk und Riesentor


Vorn rechts in der Ecke hängt noch ein kleineres quadratisches Bild mit Mohnblumen. Das sei für ihn „eher ein Novum“, sagt Andreas Fenner. „Ich wollte eines in Hochformat, habe aber kein Motiv gefunden.“ Dies möge ein Stilbruch sein, aber er provoziere gern, um das Auge zum Nachdenken zu bringen. „Wenngleich“, fügt er sofort an, „es Regeln gibt, die man nicht aushebeln sollte“.

Fenner betreibt eine Fotokunst-Galerie in Neukloster. Der Sachse, dessen Herkunft leicht herauszuhören ist, hatte eine Internetfirma, die sich stark mit Fotografie befasste. Vor zwei Jahren habe er sie verkauft und damit hier einen guten Start gehabt, um „das zu tun, was ich immer wollte“. Das vor anderthalb Jahren erworbene Haus, so Fenner, habe er danach ausgesucht. Es musste groß genug sein und eine Kombination aus Galerie und Café, das seine Geschäftspartnerin Kerstin Gerber betreibt, ermöglichen. Die Suche habe während einer Urlaubswoche in Boltenhagen begonnen – vergebens. Neukloster sei „am nördlichsten, was zu bekommen und erschwinglich war“, sagt Fenner. Er sehe aber keinen Grund zu hadern. „Es ist eine gute Lage. Wir fühlen uns seit dem ersten Tag angekommen. Wir können auf Menschen zugehen und sie sind zugänglich.“

Die Galerie in der Scheune mit Fachwerk und Riesentor, durch das Leiterwagen gepasst hätten, wachse ständig. Zudem würden auf zwei Etagen im Haus „noch massenweise Bilder“ hängen. Das Gebäude soll erhalten bleiben wie es ist, obwohl das „eine architektonische Herausforderung“ sei.

50 000 bis 60 000 Fotos habe er ständig abrufbereit. „Ich bin immer mit der Kamera unterwegs und sichte zu Hause.“ Rund 90 Prozent gingen gleich weg, etwa ein Prozent komme für die Galerie in Frage. Fotografieren sei das eine, Bearbeitung das andere. „Ich überlege, wie ich das Besondere herausholen kann“, sagt Fenner. Er setze auf Kontraste, hebe Farben hervor oder zeichne sie nach, so dass sich völlig neue Sichtweisen ergeben. So sei die Rotton-Reihe entstanden, die in Brüel Premiere habe und der Galerist zu einer Serie ausbauen möchte. Denn Rot komme in der Landschaft relativ selten vor, abgesehen von Mohn.

Angefangen habe er mit den Strandkörben in Warnemünde – ein bekanntes Motiv, das aber ganz anders wirke, da beim zweiten Strandkorb von links das Rot nachgearbeitet und alles herum in Sephia eingefärbt ist. Zunächst hatte Fenner den zweiten Strandkorb von rechts ausgewählt, „aber das hat mir nicht gefallen“.

Hotelchefin Gabriele Schumacher-Poschmann freut sich über die maritimen Bilder. „Wir liegen hier günstig zwischen Schwerin, Wismar und Güstrow, Hauptziel der meisten Hausgäste ist aber die Ostsee. Durch die Bilder bekommen sie einen Vorgeschmack.“ Tagsüber seien die Gäste unterwegs, „sie freuen sich auf die Ostsee und genießen die Ruhe, wenn sie zurück sind“, so Schumacher-Poschmann. Das Gros der Gäste sei im mittleren Alter oder darüber.


Modebilder kommen wieder an ihren Platz


Die exklusiven Modebilder, die zuvor im Konferenzraum hingen, hat die Hotelchefin eingelagert. Die hatte ihr der Grafik- und Modedesigner Andrej Subarew aus Wismar geschenkt. Er ist am 13. April mitten in der Vorbereitung des Euro-Fashion-Award im sächsischen Görlitz mit 50 Jahren gestorben, als er seine Eltern in Jena besuchte. Die Bilder hingen noch einen Monat länger als geplant, weil Freunde und Bekannte, die Subarews Grab in Wismar besuchten, in Brüel anhielten, um seine Bilder zu sehen, erklärt die Hotelchefin. Die sollen zum ersten Todestag von Andrej Subarew wieder an ihren Platz kommen.

Die maritimen Bilder sind bis Ende des Sommers im Mecklenburger Hof zu sehen. Die Vernissage zu der Ausstellung beginnt morgen, 1. Juli, um 14 Uhr.

zur Startseite

Gefällt Ihnen dieser Beitrag? Dann teilen Sie ihn bitte in den sozialen Medien - und folgen uns auch auf Twitter und Facebook:

Kommentare

Leserkommentare anzeigen