Bützow/Sternberg : Ostern im Schuhkarton

Für Gottesdienste in der Familie sollen Pakete gepackt werden. Pfarrer Tobias Sellenschlo präsentiert den „Prototyp“.
Für Gottesdienste in der Familie sollen Pakete gepackt werden. Pfarrer Tobias Sellenschlo präsentiert den „Prototyp“.

Da zum wichtigsten Feiertag der Christen keine Gottesdienste möglich sind, kommt das Fest zu den Menschen

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20. März 2020, 05:00 Uhr

Die Corona-Pandemie trifft die Gläubigen hart. Keine Gottesdienste mehr bis zum 19. April in sämtlichen Kirchenregionen, verkündet die evangelische Nordkirche. Die Katholiken gehen noch weiter: Bis Ende April sind alle Feiern in katholischen Gotteshäusern in der Region abgesetzt. Damit haben die Kirchen – erstmals in ihrer Geschichte – auch die Oster-Termine abgesagt. Wegen Corona fällt das wichtigste christliche Fest in diesem Jahr aus. Die Kirchengemeinden suchen jetzt fieberhaft nach Alternativen. Und eine kreative Lösung haben sich die Katholiken einfallen lassen. Wenn die Menschen Ostern schon nicht kommen können, dann soll Ostern wenigstens zu ihnen kommen.

Zwei Dinge seien elementar, erklärt Pfarrer Tobias Sellenschlo. „Erstens sind Zeichen sehr wichtig. Und zweitens Texte – besonders zu den Feiertagen.“ Beides soll verpackt und den älteren Gemeindemitgliedern nach Hause gebracht werden.

Dafür sind Kinder aufgerufen – ausdrücklich nicht nur Kinder aus der Kirchengemeinde. Die Kinder sollen einen Schuhkarton gestalten. „Damit der Karton nicht mehr wie ein alter Schuhkarton aussieht“, sagt Tobias Sellenschlo. Zudem werden die Kinder aufgerufen, ein altes Marmeladenglas oder eine kleine Flasche mit religiösen Motiven zu verzieren.

Und dann sind Tobias Sellenschlo und Gemeindereferentin Hildegard Pliesch am Zug. Sie befüllen das Glas mit geweihtem Wasser und legen einen Palmzweig sowie eine Osterkerze in den Karton. Hinzu kommen drei Blätter – für jeden Feiertag eins. Sie sind mit Gebeten und Liedern bedruckt und „dienen als Anregung für den Gottesdienst zu Hause“, erklärt der Pfarrer. Die Kartons können abgeholt werden oder werden zu den Älteren nach Hause gebracht. Diese Aktion ist nicht auf Bützow beschränkt, sondern soll auch in Schwaan, Sternberg, Güstrow und Krakow am See ermöglicht werden. Die Kartons mit dem Glas drin können bis Freitag, 3. April, jeweils in den Kirchen abgegeben werden, die trotz Corona geöffnet sind. Gestaltungstipps für die Kartons sollen übrigens auf der Internetseite der Kirche eingestellt werden.

Hildegard Pliesch und Tobias Sellenschlo sehen mit der Aktion eine schöne Möglichkeit, dass Ostern angesichts der Corona-Einschränkungen zwar anders, aber wenigstens überhaupt gefeiert werden kann. „Ostern ist für uns Christen das wichtigste Fest“, betont der Pfarrer. Und mit der Aktion schlagen sie gleich zwei weitere Fliegen mit einer Klappe. „Den Kindern fällt irgendwann ja auch die Decke auf den Kopf“, sagt Hildegard Pliesch angesichts der geschlossenen Kitas und Schulen. So seien die Kinder wenigstens eine Weile mal auf eine andere Art und Weise beschäftigt. „Und die Eltern sind dankbar für solche Tipps“, ergänzt Tobias Sellenschlo.

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