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Ancampen am Roten See in Brüel : Ostercamping am zugefrorenen See

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Angefangen hat es mit zehn Kumpels, die Ostern irgendwohin fahren wollten. Zelte und alles weitere auf Motorrädern verstaut, ging es nach Alt Schwerin. Das ist jetzt über drei Jahrzehnte her, blickt Frank Soltow zurück.

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erstellt am 02.Apr.2013 | 09:31 Uhr

Brüel | Angefangen hat es mit zehn Kumpels, die Ostern irgendwohin fahren wollten. Zelte und alles weitere auf Motorrädern verstaut, ging es nach Alt Schwerin. Das ist jetzt über drei Jahrzehnte her, blickt der Schweriner Frank Soltow zurück. Seitdem steht für ihn und seine Gefährten Ostern jährlich das Ancampen auf dem Plan, ob die Feier tage spät im April liegen bei Frühlingstemperaturen oder wie jetzt schon Ende März und grimmiges Winterwetter herrscht, seit langem am Roten See in Brüel.

Im Verlauf der Zeit waren Familien entstanden, und damit wurde die Gruppe immer größer. "Jetzt kommen schon Enkel mit, so dass wir drei Generationen sind", erzählt Sylvia Jürß-Mäde, die wie Tochter Nancy dick eingepackt vor ihrem Zelt sitzt. Sie wohnen auch in Schwerin, doch Thüringer, Brandenburger, Berliner, Hamburger und Bremer sind inzwischen ebenso vertreten. Soltows Lebensgefährtin stammt aus Thüringen; erst kamen gute Bekannte von ihr mit zum Ancampen, diese brachten wieder Freunde mit...

"Ein Jahr habe ich durchgezählt, da waren wir an die 100 Leute. Da war das Wetter aber viel schöner", sagt Nancy Jürß-Mäde. Sie ist ganz begeistert, auf diese Weise Ostern zu verleben, und nimmt jetzt selbst die Kälte ganz gelassen. Regen den ganzen Tag über sei unangenehmer, meint die 26-Jährige. Sie und ihre Mutter haben die Nacht im Zelt geschlafen, mit Isomatte unter der Luftmatratze und Federbett zum Zudecken. "Ein bisschen Luxus muss auch sein", sagt die junge Frau lachend. Und ein elektrischer Heißlüfter, der den ganzen Tag in Betrieb sei, sorge für erträgliche Temperaturen im Zelt; das funktioniere gut, sind sich Mutter und Tochter einig.

Andere wie Frank Soltows Sohn Carlos hatten ihr Nachtlager in den Autos. Dort sei es allerdings ziemlich kalt geworden. Der Heißlüfter habe wohl nicht ständig Strom bekommen, vermutet der Junge, dem das Campen viel Spaß macht. Wer im Wohnwagen übernachtet, erhält wohlige Wärme von einer Gasheizung. Das Ancampen zu verschieben, habe niemand von ihnen ernsthaft überlegt, stimmt die Runde überein. "Na ja, einige vielleicht schon", räumt Soltow ein.

Diesmal haben sich rund 60 Unerschrockene am Roten See eingefunden, einige mehr waren es am Karfreitag, als Frank Soltow seinen 50. Geburtstag feierte. Zum Ancampen ist die Gruppe das elfte Mal am Roten See. In Alt Schwerin war sie nach Jahren nicht mehr willkommen, als sich dort Dauercamper niederließen und sich von lauter Musik gestört fühlten. Danach am Militzsee bei Crivitz sei es auch schön gewesen, aber der Badestrand geschlossen worden, so dass wieder ein Umzug fällig wurde. Nach kurzer Zwischenstation in Flessenow gelangten die fröhlichen Camper schließlich an den Roten See. "Wir haben gleich gesagt, dass es laut wird und wir ein Osterfeuer machen wollen", sagt Frank Soltow. Das sei kein Problem, hätte ihnen Peter Krüger vom Roten See versichert. "Das hier ist ein richtig schöner Flecken Erde", findet Soltow. Auch von den verschiedenen Möglichkeiten sich zu betätigen, sind er und seine zahlreichen Begleiter angetan, ob Boot fahren, Volleyball und Tischtennis spielen oder wandern. Dabei hätten sie schon allerlei Wetter kapriolen erlebt, aber noch nie, dass der See komplett zugefroren ist und die Plätze für die Zelte freigeschoben werden mussten. "Vor fünf Jahren lag auch richtig Schnee, aber da fing es erst an zu schneien, als wir schon hier waren, und der ist schnell wieder weggetaut", erinnert sich Nancy Jürß-Mäde.

Langeweile kommt auch jetzt bei Schnee und Eis nicht auf. Beim Eiertrudeln gibt es für den Sieger sogar einen Wanderpokal, einen bunten Osterhasen aus Plaste, der einen halben Meter groß ist. Joris, der zehnjährige Sohn von Frank Soltow, kennt das Reglement ganz genau. Irgendwie habe es sich immer ergeben, dass eines der Kinder gewinnt und der Trostpreis, ein kleiner Teddybär-Rucksack, an einen Erwachsenen geht. "Derjenige sieht damit ziemlich bescheuert aus", sagt Soltow schmunzelnd.

Eierlikörrunde, Turniere im Skat, Rommee und Würfeln oder andere Kartenspiele gehören ebenfalls zum Osterprogramm auf dem Campingplatz. Und am 3. Oktober treffen sich wieder alle am Roten See - dann zum gemeinsamen Abcampen.

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