zur Navigation springen
Anzeiger für Sternberg, Brüel, Warin

11. Dezember 2017 | 14:29 Uhr

Warin : Ohne Verein ist man allein

vom
Aus der Redaktion des Anzeiger für Sternberg – Brüel – Warin

Das Vereinswesen in Warin vor dem 2. Weltkrieg: Langsamfahren war einer der Höhepunkte bei den Radfahrern.

svz.de von
erstellt am 20.Jan.2014 | 17:37 Uhr

Früher scheint die Zugehörigkeit zu Vereinen eine Selbstverständlichkeit gewesen zu sein. Die Wariner stellten da keine Ausnahme dar. Neben den nahezu überall gängigen Vereinen wie Schützenverein, Krieger- und später Militärverein, Gemeinnütziger Verein, und, und, und, gab es im Städtchen einige uns heute seltsam klingende Vereinigungen. Einige Beispiele seien genannt, ohne auf Vollständigkeit zu achten.

So wird 1911 eine Leichen-Beitrags-Gesellschaft mit 376 Mitgliedern genannt. Den Vorsitz hatte Zimmermeister Fust. Es ging wohl um versicherungsähnliche Aufgaben.

Schon 1899 feiert ein Radfahrer-Verein sein Sommervergnügen. Einer der Höhepunkte ist das Langsamfahren. Es gewinnt Uhrmachermeister Alexander Schröder, bei dem die 100 Meter drei Minuten und 56 Sekunden dauern. Als die Fahrräder dann Volksgut geworden waren, da bildete sich 1914 der Arbeiter-Radfahrer-Bund „Solidarität“. 1924 wird er sein zehnjähriges Jubiläum mit einem Korso durch die Stadt und einem Ball mit Saalfahrten feiern. 1927 darf der Wariner Radfahrerbund „Solidarität“ gar das Bezirksfest des Bundes gestalten. Das Zehn-Kilometer-Rennen wird in 19 Minuten und 26 Sekunden gewonnen und die 100 Meter Langsamfahren dauern nunmehr 6 Minuten und 30 Sekunden, was 0,95 km/h „schnell“ bedeutet und viel Gleichgewichtssinn verlangt.

Eintritte verzeichnet 1917 bei ihrer Gründung die Jugendabteilung des „Vereins für Handlungs-Commis 1858“. Was ein Licht wirft auf die Zahl der Jugend im Handel. 1919 regt Rechtsanwalt Lüth, oder ist er noch Rechtsbeistand, einen Stenographen-Verein an. Es treten sogleich 50 Mitglieder ein. Den Steno-Unterricht geben RA Lüth und Lehrer Buggentin. Im selben Jahr gründet sich der Ziegenzuchtverein, der seinen Mitgliedern den stinkenden Ziegenbock stellen will.

Es gab den Geselligkeitsverein; die Kunstkasse, die 1924 berichtet, dass in den 15 Monaten des Bestehens 15 Veranstaltungen durchgeführt wurden; den Solo-Klub, von dem man eher wenig weiß. Aber gefeiert haben auch deren Mitglieder.

1924 feiert dann der „Verein der kleinen Landwirte“ sein Stiftungsfest im Hotel Zülow (heute „Tau’n Sandhaas“) mit 120 Beteiligten. Die drei Wariner Kegelklubs „Kegelklub 1905“, „Pudel“ und „Gut Holz“ vereinigen sich 1927, nennen sich nun „Scharfe Kante“.

Und 1929 gründet sich der Radioverein. Den Vorsitz übernimmt Uhrmacher H. Schröder. Als Hauptaufgabe sieht der Verein die Beseitigung von Störquellen. 1931 jubelt der Radioverein, eine magische Zahl ist erreicht: Der 100. Rundfunkteilnehmer hat sich in Warin gemeldet!

Über Mitglieder von Geheimbünden in Warin, wie zum Beispiel in der Freimaurer-Loge, werden mündlich Vermutungen geäußert. Belegt ist es nicht. Was nicht erstaunt, denn das Geheimnis ist ja eine existenzielle Grundlage dieser Bünde. Schade eigentlich, denn auch ihre Geschichte würde, so wie bei den offenen Vereinen, die Geschichte der jeweiligen Gesellschaft zeigen.





zur Startseite

Gefällt Ihnen dieser Beitrag? Dann teilen Sie ihn bitte in den sozialen Medien - und folgen uns auch auf Twitter und Facebook:

Kommentare

Leserkommentare anzeigen