Neukloster : Ohne Berührung berührend

Paul Glüer, Pastor Neukloster

Paul Glüer, Pastor Neukloster

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09. April 2020, 08:50 Uhr

„Heile, heile, Segen, morgen gibt es Regen“, singt Theos Papa und streichelt ihm vorsichtig über die Beule an seiner Stirn. Die sanfte Berührung wirkt Wunder. Noch bevor Papa zu Ende gesungen hat, ist Theo schon wieder ins Spielen vertieft. Berührung kann heilend sein. Doch in diesen Wochen kann sie auch wie ein Fluch sein – ja, im schlimmsten Fall den Tod bringen. Händeschütteln ist unerwünscht, Abstand wahren das Gebot der Stunde. Ostern stimmt mich das besonders traurig: Kein großfamiliäres Eier-Suchen. Kein geselliges Am-Feuer-Sitzen. Kein Festgottesdienst.

Am ersten Ostermorgen – dem allerersten –, von dem das Johannesevangelium erzählt, war es gar nicht so anders. Maria Magdalena trifft auf Jesus – und sie merkt es nicht. Sie hält ihn für den Gärtner. Als sie ihn schließlich erkennt, will sie ihn berühren. Vielleicht muss sie ihn anfassen, um das Unfassbare zu fassen. Doch sie darf es nicht: „Rühre mich nicht an!“, entgegnet Jesus ihr. Jesus ist auferstanden. An Ostern feiern wir Christen, dass nicht die Angst, die Einsamkeit, der Schmerz und der Tod das Ende der Geschichte sind. Sondern Ostern: Die Auferstehung. Das Leben! Keine Passionszeit dauert ewig! In diesem Jahr ist die Freude etwas leiser als in anderen Jahren. Die große Feier muss warten. Und doch: Die Osterbotschaft berührt mich – auch ohne Berührung.


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