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Anzeiger für Sternberg, Brüel, Warin

23. Oktober 2017 | 08:30 Uhr

Sternberg : Offenes Orchester: Die Idee zündet

vom
Aus der Redaktion des Anzeiger für Sternberg – Brüel – Warin

Die Gründung soll mit Kindern aus den Grundschulen Sternberg, Brüel und Dabel sein. Das Fördergeld kann auch weiteren Interessenten zugute kommen.

von
erstellt am 17.Jan.2017 | 21:00 Uhr

Bürgermeister Hans Hüller aus Witzin hat eine Trompete mitgebracht, diesmal nicht, um darauf zu spielen, sondern zur Anschauung. Eine Schülertrompete, zu der Koffer, Notenständer und Schulungsmaterial kämen. Hüller, der bei den Witziner Dorfmusikanten selbst Trompete bläst, kam auf die Idee, im Amtsbereich Sternberger Seenlandschaft ein offenes für Kinder und Jugendliche zu gründen. Auch bestehende Musik-, Tanz- und Gesangsgruppen könnten sich beteiligen. „Alles kann, nichts muss“, so sein Credo.

Der Witziner hatte über das Projekt „Neulandgewinner“ bei der Robert Bosch Stiftung eine Förderung beantragt und für zwei Jahre 32 500 Euro bewilligt bekommen. Damit könnten für alle interessierten Kinder Instrumente und Notenmaterial gekauft werden. Auch für ehren- und/oder hauptamtliche Musiklehrer, Schulungsräume sowie für Zuschüsse zu Veranstaltungen sei Geld vorhanden. Ein kleiner Arbeitskreis beriet nun im Sternberger Rathaus erstmals über die Umsetzung des Vorhabens, das bei allen Beteiligten Zustimmung fand.


„Trompete gut geeignet zum Einstieg“


Sie habe bei der Einladung gedacht, „oje, was soll ich dort“, sagt Annett Damme, Schulleiterin in Dabel. Aber jedem Kind ein Instrument – „hurra!“ Jetzt sei sie „froh, hier zu sein“. Sie finde die Idee gut, die treffe „wie eine heiße Nadel“, so Damme. Die Schule habe zwar keine Fachlehrerin für Musik, „aber dennoch ein tolles Weihnachtsprogramm“ auf die Beine gestellt.

Die Trompete eigne sich gut zum Einstieg, meint Hans Hüller. Eine Posaune sei zu schwer, ein Klavier zu teuer. Die Trompete koste 120 Euro, mit Zubehör seien es 30 mehr. Eltern sollten jährlich 60 Euro zahlen, inklusive wöchentlicher Übungsstunde. Wer in den ersten vier Wochen feststelle, dass dies doch nicht das Richtige sei, erhalte das Geld zurück, später sei der Jahresbeitrag „flöten“, wie es Hüller ausdrückt. Kinder, die zwei Jahre durchhalten, könnten die Trompete behalten. Der Fördermittelgeber müsse in dem Punkt zwar noch zustimmen, doch er sei zuversichtlich. Und wer Talent beweise, solle die Möglichkeit haben, ein höherwertiges Instrument auszuleihen. Er schlage vor, so Hüller, mit der dritten Klasse zu beginnen.

Andree Zimmermann, der musikalische Leiter der Brüeler Blasmusik, ist 30 Jahre im Metier und hat viele Schüler ausgebildet, wie er sagt. Er
unterstütze das Projekt gern, ihm bleibe jedoch „nicht die Zeit, um Regelmäßigkeit mit festen Terminen sicherzustellen“. Wenn es mit der dritten Klasse losgehen solle, sei Trompete aus seiner Sicht aber nicht das einfachste Instrument. Deshalb sollte zu Beginn auch gefragt werden, welches die Kinder gern spielen wollen.

Es sei schwierig, Ehrenamtliche, die im Berufsleben stehen, für den Nachmittag zu finden, sieht Annett Damme „als Knackpunkt“. Dem stimmt der Sternberger Bürgermeister Armin Taubenheim zu. „Wir brauchen Kinder, die interessiert sind, Instrumente und Räumlichkeiten, am wichtigsten aber Menschen, die das übernehmen und die Kinder ausbilden.“ Bei Trompete gebe er sein Wort, das abzusichern, hakt Hans Hüller ein, „zwei Stunden an zwei Standorten in der Woche“.

Derartige Angebote über die Schule hinaus seien super, so Angelika Muck, Chorleiterin an der Grundschule Sternberg. Sie spiele Gitarre und habe „mit Trompete nichts am Hut“, finde das Projekt aber „gut durchdacht“. Natürlich müsse man realistisch bleiben. Von den 40 Chorkindern zu Schuljahresbeginn seien jetzt noch 15 übrig.

Das kennt auch Martin Huss, Landesposauenwart der Evang-Luth. Kirche. Er betreue rund 1200 Blechbläser, davon 300 Anfänger. Selbst
unterrichten könne er hier daher nicht, unterstütze die „tolle Idee“ aber, würde mit in Schulen gehen und dafür werben, vielleicht auch Kinder mitbringen, „die zeigen, wohin man durch regelmäßiges Üben kommen kann“. Für ihn stehe an erster Stelle, die Schüler zu motivieren und dass sie verstehen, „das eigentliche Instrument bin ich und nicht das Stück Blech, in das ich blase“. Er wäre dafür, so Huss, das Projekt auch zum Anfang nicht auf Trompete zu beschränken, sondern fünf, sechs Instrumente mit in die Schulen zu nehmen, den Kindern zu zeigen, was es gibt, ihnen darauf vorzuspielen, „was leichtes“, und sie selbst einmal probieren zu lassen.

Dieser Überlegung folgen alle in der Runde. Möglichst rasch sollen Termine in den Grundschulen vereinbart werden. Und von Andree Zimmermann kommt der Vorschlag für den ersten Auftritt – beim Aufstellen des Maibaums vor dem Sternberger Rathaus.

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