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Anzeiger für Sternberg, Brüel, Warin

23. Oktober 2017 | 21:19 Uhr

Wendorf : Noch Traum: Reisen im Dübener Ei

vom
Aus der Redaktion des Anzeiger für Sternberg – Brüel – Warin

Die niederländische Autorin und Soziologin Dr. Ellie Smolenaars lebt seit 2001 in Mecklenburg-Vorpommern und antwortet heute auf unsere 20 Fragen.

von
erstellt am 20.Jun.2014 | 23:33 Uhr

Ellie Smolenaars, Niederländerin aus Rotterdam, lebt mit ihrem Mann und zwei Kindern seit 2001 in Mecklenburg-Vorpommern. Sie ist Autorin und Soziologin, veröffentlicht Bücher, Essays, Zeitungsartikel, Kurzgeschichten und Drehbücher. In ihren Büchern und Essays legt sie den Schwerpunkt auf die Themen Rentenalter – dazu hat sie promoviert – , Grundrente und Sozialgeschichte. Ellie Smolenaars, Jahrgang 1967, schreibt für niederländische Printmedien über Sozialwissenschaften, arbeitet als
Dozentin für Soziologie an der Royal Academy of Art in Den Haag und ist Chefredakteurin von Sociologie Magazine. Heute beantwortet sie unsere 20 Fragen zum Wochenende.


Wo ist Ihr Lieblingsplatz?
Ellie Smolenaars: Mein Lieblingsplatz ist am Schreibtisch. Ich würde mich aber oft gerne auf zwei Lieblingsplätzen gleichzeitig befinden, auch im Garten.
Was würden Sie als Bürgermeister in Ihrem Wohnort sofort ändern?
Ich würde sofort das bedingungslose Grundeinkommen einführen und die private Krankenversicherung abschaffen, Glasfaserkabeln für schnelles Internet legen, die Gemeinde durch Steuersenkung und sonstige sympathische Aktionen und Begünstigungen super attraktiv machen für kleinere Geschäfte und Unternehmen; inzwischen auch die Attraktivität für Bienen, Schmetterlinge und Vögel erhöhen. Ein Solardach auf dem Gemeindehaus legen. Dafür sorgen, dass die Ausgaben für Wegebau niemals überschritten werden; Mini-Busse für den öffentlichen Nahverkehr mitorganisieren; investieren in Kultur und Schulen und
Bibliothek. Leider bin ich mir aber auch darüber bewusst, dass ich viele Sachen nicht beeinflussen kann, weil die Entscheidungen auf Bun-des-, Landes- oder Wirtschafsebene getroffen werden. Aber das heißt ja nicht, dass man sich nicht dazu
äußern oder nicht etwas klein anfangen kann.
Wo kann man Sie am ehesten treffen?
Am Schreibtisch und vor dem Bildschirm.
Womit haben Sie Ihr erstes Geld verdient?
Auf dem Campingplatz mit Kinderbetreuung.
Und wofür haben Sie es ausgegeben?
Für eine Schiffsfahrt nach England.
Was würden Sie gerne können?
Surfen.
Was stört Sie an anderen?
Keine Zukunftschancen sehen wollen, auch wenn es nur winzig kleine sind.
Worüber haben Sie zuletzt herzlich gelacht?
Als ich in einem Park auf dem Rasen lag, Menschen beobachtet habe und wir uns überlegt haben, was Glück bringt. Es fing an mit vierblättrigem Klee, aber dann kamen immer lustigere Menschen mit ihren Ideen vorbei. Wir haben gelacht über Glücksbringer wie zwei Menschen mit gleichfarbigen Hosen, einen Radfahrer mit mexikanischem Sombrero, Zwillinge, über einen Hund, der herumgetragen wurde...
Was Unvernünftiges haben Sie zuletzt getan?
Ich bin in einen IC-Zug
gestiegen ohne die richtige Fahrkarte. Das wurde teuer, war aber schneller.
Wer ist Ihr persönlicher Held?
Clara Wichmann (1885 - 1922), weil sie zu Kriegszeiten immer noch versucht hat zu verstehen, warum Bürger aus unterschiedlichen europäischen Gebieten sich in den Krieg begeben haben. Und auch weil sie so viel
geschrieben hat.
Welches Buch lesen Sie
gerade?

Von Karl Polanyi den Klassiker „The Great Transformation“. Polanyi ist Soziologe und versucht zu verstehen, warum die Wirtschaft die
Gesellschaft übernimmt. Er kommt zur Schlussfolgerung, dass es nicht „die“ Wirtschaft ist, sondern nur eine sehr bestimmte Art von Wirtschaft, nämlich eine Wirtschaft bestimmt von Selbstgewinn, oder wie wir jetzt auch sagen würden „Selbstoptimierung“.
Welche Fernsehsendung verpassen Sie nie?
Durch die Möglichkeit der Ausleihe schaffe ich es jetzt, Serien nicht zu verpassen. Die dänische Serie „Borgen“ war die letzte, die ich mir
angeschaut habe.

Sonst auch mal Filmklassiker oder Wissenschaftsprogramme wie Scobel oder Galileo. Oder die Heute Show.
Wo trifft man Sie eher: bei der Karnevalsfeier oder bei einem Fußballspiel?
Haben Sie noch eine andere Auswahl? Filmfestival? Störtebecker Festspiele?
Wen würden Sie gerne mal treffen?
Meine Eltern.
Wenn Sie nicht selbst kochen: Was kommt dann bei Ihnen auf den Tisch, griechische, italienische, chinesische oder deutsche Gerichte?
Meine Tochter und mein Mann kochen ausgezeichnet und aus aller Welt. Und Brot mit Käse und Salat schmeckt auch ganz gut.
Mit welchem Lied verbinden Sie Ihre schönste Erinnerung?
Bei der britischen Band Morrissey freue ich mich, dass die große, damals aussichtslose Arbeitslosigkeit und Doom-Gedankenwelt aus unseren westlichen 1980ern, mit Reagan und Thatcher, vorbei sind.

Der Song „Everyday is like Sunday“ zum Beispiel verkörpert dieses Gefühl. Ich denke dann auch daran, dass man auch in solchen Zeiten relaxt und mit wenig überleben kann.
An welches Geschenk erinnern Sie sich noch gerne und von wem haben Sie es bekommen?
An von meinen Kindern im Brüeler Kindergarten selbst bemalte Blumentöpfe. Die sind hässlich und schön.
Welchen Traum möchten Sie sich noch erfüllen?
Einen Wohnwagen zu haben, am liebsten ein Dübener Ei.
Was werden Sie als Rentner alles machen?
Das Gleiche wie jetzt. Und surfen. Und reisen mit dem Dübener Ei, falls mein Traum sich erfüllt.
Wem sollten wir dieses Fragen ebenfalls stellen?
Anna Tauscher aus Holdorf.



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