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Krautschicht versperrt Kanuten Warnow-Tour : Nichts geht! So werden Gäste vergrault

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Diesmal liegt es nicht am niedrigen Wasserstand, dass Kanuten auf der Warnow ausgebremst werden. Eine dicke Krautschicht, die bei Mäharbeiten im Wasser entstand, versperrt die Durchfahrt von Weitendorf nach Groß Görnow.

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erstellt am 25.Jul.2013 | 06:52 Uhr

Sternberger Burg | Diesmal liegt es nicht am niedrigen Wasserstand, dass Kanuten auf der Warnow ausgebremst werden. Eine dicke Krautschicht, die bei Mäharbeiten im Wasser entstand, versperrt die Durchfahrt auf der so genannten Einsteigertour von Weitendorf nach Groß Görnow. Von der Brücke bei Sternberger Burg zieht sie sich flussaufwärts so weit das Auge reicht. An der Barriere, dem so genannten Krautbalken, hat sich das Grünzeug schon bräunlich verfärbt.

Am Dienstag begannen die Schwierigkeiten. "Bis Sagsdorf ging es gerade noch. Einige haben sich weiter durchgequält", weiß Wolfgang Klein, Betreiber des Kanucamps in Sternberger Burg. "Da waren welche mit eigenem Kajak; die hatten Ahnung, ließen sich aber sicherheitshalber meine Telefonnummer geben. Die brauchten sie dann glücklicherweise nicht."

Gäste von ihm seien dagegen auf halber Strecke zwischen Sagsdorf und Groß Görnow ausgestiegen, erzählt Klein. Sie hätten gar nicht gewusst, wo sie sind, dann einen Traktorfahrer gefragt und sich zu Fuß auf den Weg zum Kanucamp gemacht. "Ich bin mit ihnen querfeldein zu den Booten gefahren. Die lagen in der Nähe vom alten Torfmoor am Ufer. Ein Glück, dass es so lange trocken war. Sonst wäre ich gar nicht mit dem Auto dorthin gekommen, der Boden hat ganz schön gefedert, obwohl er von Landmaschinen schon ein bisschen fest gefahren war." Das Boot eines anderen Vermieters, das dort lag, habe er gleich mitgebracht.

Für Familie Roggenkamp aus Hessen, die hier zum ersten Mal Urlaub macht und die Landschaft super findet, wurde es an diesem Tag noch abenteuer licher. Von Anfang an sei viel Kraut auf dem Wasser gewesen. "Es wurde immer beschwerlicher. Einige, die stecken geblieben waren und nun am Rand lagen, haben schon gewarnt. Als es auch für uns absolut nicht weiter ging, sind wir durch ein Maisfeld zurück zur Sagsdorfer Brücke gegangen - in der Hoffnung, dass die Boote mit dem Auto abgeholt werden können", erzählt Heike Roggenkamp. Doch das habe sich als unmöglich erwiesen. So seien die Paddler bei sengender Hitze wieder zu den Booten gelaufen, um sich mit denen flussaufwärts - gegen die Strömung und durch das Kraut - wieder bis zur Sagsdorfer Brücke zu kämpfen.

Er versuche, aus der schwierigen Situation das Beste zu machen, sagt Wolfgang Klein. Doch die betroffene Tour, die besonders von Gästen, die keine große Erfahrung beim Kanufahren haben, gern gebucht werde, sei ab Mittwoch völlig tabu gewesen. "Einen Schlauchbootfahrer musste ich wieder wegschicken", bedauert Klein. "Ich könnte in Nutteln oder Schönlage einsetzen lassen und die Gäste in Weitendorf abholen, aber das wäre eine ewige Fahrerei." Zumindest sei die interessante Tour von Sternberger Burg bis Eickhof möglich, so lange der Wasserstand ausreiche. Eine Fahrt auf dem See habe er auch schon angeboten.

Wahrscheinlich sei es schwierig, genau den richtigen Zeitpunkt für die Entkrautung zu finden, räumt Klein ein. "Ich weiß nicht, vielleicht ist die Warnow im Herbst ganz zugewachsen, wenn nicht rechtzeitig gemäht wird." Die Anbieter von Kanutouren drängen seit langem darauf, erst nach der Hochsaison zu entkrauten. Vor allem, weil nach ihrer Beobachtung der Wasserstand der Warnow nach dem Mähen abrupt sinkt und manche Abschnitte nicht mehr befahren werden dürfen.

Damit würden Urlaubsgäste ebenso vergrault wie jetzt mit dem Kraut. Der jetzige Zeitpunkt sei jedenfalls "denkbar ungünstig", meint auch Wolfgang Klein.

Daran lasse sich leider nichts ändern, sagt Bernhard Fiedler vom zuständigen Staatlichen Amt für Landwirtschaft und Umwelt (StALU) in Schwerin auf SVZ-Anfrage. "Die Warnow ist ein Gewässer erster Ordnung, und deshalb ist unser Amt unterhaltungspflichtig. Wir müssen für einen schadlosen Abfluss sorgen." Bei starker Verunkrautung könne das Wasser so ansteigen, dass es nicht ausreichend abfließe und auch kein Zufluss möglich sei, somit angrenzende Flächen im

gesamten Warnowgebiet vernässen und geschädigt würden. Einzelne Abschnitte müssten deshalb je nach Bewuchs sogar zwei Mal im Jahr entkrautet werden, im Juli und noch einmal im September, so der stellvertretende Abteilungsleiter für

Naturschutz, Wasser und Boden beim StALU. In diesem Jahr gäbe es allerdings eine besondere Situation. Nach dem langen, kalten Winter und ausgiebigen Regen habe sich bei der wochenlangen Hitze der Bewuchs "explosionsartig" entwickelt. Dadurch sei weit mehr Kraut angefallen als sonst. "Bis heute Abend (Donnerstag/die Red.) soll alles entfernt sein, so dass auch die Krautbalken wegkommen. Die verhindern, dass sich flussabwärts an Bäumen oder starken Biegungen Hindernisse aufbauen", so Fiedler.

Hauptsache, so hoffen die Kanuverleiher, fällt der Wasserstand nicht auf einmal wieder stark ab, dass aus diesem Grund Teilsperrungen für Paddler auf der Warnow nötig werden.

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