Sternberg : Nicht vergessen und versöhnen

Judith Kriegel (2.v.l.) hier mit Chormitgliedern aus der Verbundenen Regionalen Schule und Gymnasium Sternberg. Die Vortragsreise mit Bußgottesdiensten in Deutschland und Österreich, die 2013 auch nach Sternberg führte, hatte Christa Behr (r.) organisiert, die seit mehr als 20 Jahren in Jerusalem lebt.
Judith Kriegel (2.v.l.) hier mit Chormitgliedern aus der Verbundenen Regionalen Schule und Gymnasium Sternberg. Die Vortragsreise mit Bußgottesdiensten in Deutschland und Österreich, die 2013 auch nach Sternberg führte, hatte Christa Behr (r.) organisiert, die seit mehr als 20 Jahren in Jerusalem lebt.

„Lebendige Begegnungen auf dem Weg des Todesmarsches“ ist eine Initiative, die in Sternberg geboren wurde.

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30. März 2015, 23:19 Uhr

Judith (Yehudit) Kriegel, eine 87-Jährige, die den Holocaust – drei Konzentrationslager und einen Todesmarsch – überstand und jetzt in Tel Aviv lebt, hatte im April 2013 vor Gymnasiasten im Sternberger Rathaussaal über ihre Zeit zwischen Kindheit und Jugend gesprochen. Nach ihrem Vortrag, der sechs Jahre aus dem Leben einer Jüdin reflektierte, die als Kind in den Zweiten Weltkrieg hineinwuchs und heute nicht vorstellbare Qualen erleiden musste, und der Begegnung mit den Schülern wurde die Initiative geboren: „Lebendige Begegnungen auf dem Weg des Todesmarsches“.

Christa Behr, die diese Veranstaltung auf den Weg gebracht hatte und dann auch mit nach Sternberg gekommen war, fand in Kreistagspräsident Olaf Steinberg aus Sternberg und Diakon Uwe Seppmann aus Loiz zwei engagierte Partner. „Durch diese Begegnungen mit Yehudit Kriegel griffen wir die Anregung auf, zum 70. Jahrestag des Kriegsendes 2015 Menschen in unserem Land mit der Botschaft zu erreichen: Versöhnung ist möglich, Schweigen kann gebrochen werden, Verletztes kann heilen“, sagt Seppmann.

„Lebendige Begegnungen auf dem Todesmarsch“ führt vom 23. April bis zum 3. Mai von Ravensbrück nach Raben Steinfeld und ist eine Initiative der Geistlichen Gemeinde-Erneuerung in der Evangelischen Kirche. Diakon Uwe Seppmann vom christlichen Gästehaus in Loiz und Pastor Horst Schröter aus der Kirchengemeinde Peckatel-Prillwitz (bei Neustrelitz) fungieren als Ansprechpartner.

„Wir wollen auch über die dunklen Seiten unserer Geschichte reden, sie ans Licht bringen und Wege zur Versöhnung und Heilung von Beziehungen aufzeigen“, sagt Seppmann.

Die Vorbereitung übernimmt ein Trägerkreis mit Menschen aus Kirchengemeinden und politischen Gemeinden. Ziel sei es, viele Kommunal- und Kirchengemeinden zu ermutigen, an Gedenkveranstaltungen zum 70. Jahrestag des Kriegsendes teilzunehmen. Pastor Horst Schröter hat alle Pastoren, deren Kirchengemeinden an der Strecke liegen, besucht. Bereits eingeklinkt habe sich die Kirchengemeinde Slate und auch Achtklässler aus Schwerin werden aktiv dabei sein, sagt Uwe Seppmann. Sie wollen zur Vorbereitung den Film „Die Zuflucht“ über die holländische Familie ten Boom zeigen. Cornelia ten Boom überlebte das Konzentrationslager Ravensbrück und hatte bis zu ihrem Tod für Versöhnung gewirkt.

Die Teilnehmerzahl für die komplette Strecke des damaligen Todesmarsches von Ravensbrück nach Raben Steinfeld ist auf 15 bis 20 Teilnehmern begrenzt. Sie verstehen sich zugleich als „Pilger und Mahner“. Aber es könne auch stundenweise mitgelaufen werden, ermuntert Uwe Seppmann. Auskunft gibt Pastor Horst Schröter unter Tel. 039824/20262. Kreistagspräsident Olaf Steinberg übernimmt die Schirmherrschaft für „Lebendige Begegnungen auf dem Weg des Todesmarsches“.

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