Polizeipräsidium Rostock : Neun Zigarettenautomaten gesprengt

Der gesprengte Zigarettenautomat in Ravensruh, einem Ortsteil von Neukloster. Beute wurde hier nicht gemacht.
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Der gesprengte Zigarettenautomat in Ravensruh, einem Ortsteil von Neukloster. Beute wurde hier nicht gemacht.

Zeugen beobachteten laut Polizei in Ravensruh bei Neukloster vier Maskierte in Tatortnähe. In vier Fällen wurden Zigaretten und Bargeld erbeutet.

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01. Januar 2018, 20:45 Uhr

Die Polizei sei Samstag gegen 3 Uhr hier gewesen, erzählt ein Patient des „Median Therapiezentrums Ravensruh“ am Silvestermorgen gegenüber dem SVZ-Reporter. Für mindestens sechs Monate oder auch über Jahre werden hier vor allem Menschen mit einer so genannten Doppeldiagnose behandelt. Der 1806 und danach entstandene Gutsanlage-Komplex ist vollständig erhalten und damit ein zeitgeschichtliches Kleinod.

An einem der ehemaligen Wirtschaftsgebäude gleich an der Einfahrt aufs Gelände befindet sich bei der seitlichen Mauer der Zigarettenautomat. Samstag in aller Herrgottsfrühe wurde dieser vermutlich mittels Pyrotechnik durch unbekannt gesprengt, um so an den Inhalt zu gelangen, was aber nicht gelang.

Schwerpunkt NWM, drei Tatorte dicht beieinander In Ravensruh wurden laut Polizeileitstelle in Rostock-Waldeck „durch Zeugen vier maskierte Täter in unmittelbarer Tatortnähe beobachtet, wie diese aus einen Jeep oder VW-Transporter stiegen. Nach einem kurz darauf zu vernehmenden Knall flüchteten die Täter ohne Beute in Fahrtrichtung Neukloster.“

Ravensruh war allein am Samstag zwischen 0.10 bis 3 Uhr einer von gleich vier Tatorten. Neben Bützow und Schwerin wurde auch die Sprengung eines Zigarettenautomaten aus Steinhausen bei Neuburg, dem Nachbaramt von Neukloster-Warin, gemeldet. Am Sonnabend gegen 14 Uhr erhielt die Polizei zudem Nachricht von der Sprengung eines solchen Automaten in Madsow bei Neuburg. In allen Fällen konnte die Kriminalpolizei umfangreiche Spuren sichern. Ein Tatzusammenhang könne nicht ausgeschlossen werden – Madsow, Steinhausen und Ravensruh liegen nicht weit auseinander.

Bereits am 29. Dezember wurde gegen 19.20 Uhr ein Zigarettenautomat in Groß Brütz (Amt Lützow/Lübstorf/NWM) ebenfalls vermutlich mittels Pyrotechnik zerstört. Die Wucht war hier so gewaltig, dass Trümmerteile sowie der Inhalt mehrere Meter um den Automaten und auf der angrenzenden Straße verstreut lagen. Ferner wurde die abgesprengte Rückwand gegen einen Fahrradunterstand geschleudert, so dass dieser ebenfalls in Mitleidenschaft gezogen wurde.

Weitere Z-Automaten-Vorfälle gab es laut dem Polizeiführer vom Dienst in Rostock-Waldeck, Kriminalhauptkommissar Mario Funk, „am Sonnabend um 5 Uhr in der Ludwigsluster Bahnhofsstraße sowie in Neubukow. Hier wahrscheinlich in der Nacht zu Sonntag“. In Ludwigslust konnten der oder die Täter laut Funk „Beute an Bargeld und Zigarettenschachteln in bisher unbekannter Höhe machen“. Auch an drei anderen Orten gelangten die Täter an Zigaretten und Bargeld aus den Automaten.

Fall Nr. 9 ereignete sich schließlich in der Silvesternacht in Roggendorf, bei welchem ein Sachschaden von ca. 10 000 Euro entstand. Hier wurde der Automat total zerstört, die Polizei geht davon aus, dass der oder die Täter „an Stehlgut gelangt sind. Vor Ort konnten von der Polizei nur noch einzelne Zigarettenschachteln festgestellt werden“, so Funk gestern.

Der Kriminalhauptkommissar vermutet bei den Pyrotechnik-Attacken rund um den Jahreswechsel auch „einen Nachahmereffekt. In der letzten Zeit wurde in den Medien viel über Sprengungen von Zigaretten- und Fahrkartenautomaten berichtet“. Und gefühlt jeder habe um Silvester einen Böller in der Tasche. Und so mancher wolle laut dem Polizeiführer vom Dienst „gucken, was passiert eigentlich? Mal sehen, wie schön es knallt und wie weit so ein Ding (Automat – d. Red.) durch die Gegend fliegt. Und wenn dann auch noch Zigaretten und/oder Bargeld rausspringen“, sei das aus Sicht der Täter, die solch eine Sachbeschädigung vornehmen, „auch eine schöne Sache“.

Vor Ort würden die Ermittler genau erkennen: „War es ein gezielter Aufbruch, oder waren Dilettanten am Werk“, so Funk. Aus ermittlungstaktischen Gründen machte er dazu keine weiteren Angaben.

„Gefühlt war es (Silvester) 2016 nicht so schlimm“, meinte der Kriminalhauptkommissar gegenüber SVZ. Eine genaue Statistik werde es dazu „in nächster Zeit bestimmt noch geben“.

Automatenfront flog 2015 in Dabel durch die Luft Dass mit einer Automatensprengung nicht zu spaßen ist, und die Täter nicht nur andere, sondern auch sich selbst in Gefahr bringen können, bewies der Fall vom Neujahrsmorgen 2015 in Dabel. Hier hatten alle Riesenglück, dass es nur bei Sachschäden blieb. In der Dabeler Schillerstraße war damals die komplette Vorderfront des Zigarettenautomaten bei der Sprengung über gut und gerne 15 Metern durch die Luft geflogen und gegen die Wand eines auf der anderen Straßenseite stehenden Hauses knapp oberhalb der Fensterfront geprallt. Die Bewohner befanden sich gerade im angrenzenden Wohnzimmer. Eine Zeugin sah zwei Jugendliche weglaufen, die aber nie ermittelt wurden.

Bei den aktuellen Fällen werden Zeugen gebeten, ihre Beobachtungen bei der örtlichen Polizei oder unter www.polizei.mvnet.de mitzuteilen.

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