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Hassparolen gegen Ausländer : Neukloster: Massenhaft rechte Schmierereien

vom
Aus der Redaktion des Anzeiger für Sternberg – Brüel – Warin

Regionale Schule in der Nacht auf Samstag mit verfassungsfeindlichen Symbolen regelrecht übersät. Auch nahe liegende Stadthalle betroffen

svz.de von
erstellt am 22.Feb.2016 | 06:30 Uhr

Als Thomas Mörbel samstagfrüh um 7.30 Uhr seinen Rundgang machte, traute der in der Regionalschule Neukloster wohnende Hausmeister seinen Augen nicht. Das Gebäude – 1874 als Übungsschule für junge angehende Lehrer gegründet – war in der Nacht regelrecht übersät worden mit rechten Parolen und verfassungsfeindlichen Symbolen.

Und das nicht nur am Schuleingang, wo auch der Briefkasten zerstört wurde. Unbekannte Täter hatten in der Nacht zum Samstag mit roter und schwarzer Farbe gleich an drei Seiten auf die Außenmauern der Regionalschule in der August-Bebel-Straße Hakenkreuze, SS-Runen gesprayt sowie rechte Parolen und Symbole in unterschiedlichen Größen an Türen, Fenstern und mit roter Farbe u.a. auch an der weißen Geräteschuppenwand hinterlassen.

Selbst auf dem Gehweg unweit des Zugangs zur Regionalen Schule war gestern Vormittag noch ein Hakenkreuz zu sehen. Davon wusste Torsten Sprotte, Erster Polizeihauptkommissar im Rostocker Polizeipräsidium, bis zum SVZ-Anruf freilich noch nichts. „Vermutlich verursachten die Tatverdächtigen auch den Brand eines Wertstoffcontainers (auf dem Schulgelände – d. Red.) sowie weitere Graffitis an der Stadthalle“, so Sprotte.

Bei Letzterer war der verglaste Sportlereingang unübersehbar ebenfalls mit roter Farbe verunstaltet und zudem mit einem dicken Pfeil in Richtung Klinkerwand versehen worden: Darauf stand der zynische Spruch: „Asyl war hier!“.

Was die rechte Nacht-und Nebel-Aktion an der Regionalschule betrifft, so hatte Hausmeister Mörbel gestern gegen 10.30 Uhr nicht weniges bereits ganz oder zumindest provisorisch entfernen können. Heute wolle er sich Farbe besorgen, um die weißen Wände im Eingangsbereich überzustreichen.


Teure Spezialfirmen zur Reinigung nötig


Das Hakenkreuz an einer der Säulen des Eingangsportals bekam der Hausmeister allerdings nicht wirklich weg. Hier müssen jetzt Spezialfirmen ran, um die historischen roten Klinkersteine fachmännisch zu säubern. „Die Reinigung durch Spezialfirmen kostet richtig Geld. Schule und Stadthalle unterstehen in Neukloster der Stadtverwaltung, somit kommt letztlich der Steuerzahler, also wir alle, dafür auf“, so Sprotte.

Hassparolen gegen Ausländer stehen nicht nur an der Stadthalle; sie standen auch an der Schultür auf dem Hinterhof. Dieses hatte Mörbel, der seinen Hausmeisterjob seit 27 Jahren an der Regionalen Schule ausübt, gestern Vormittag ebenso beseitigt wie den Spruch „Scheiß Bio“ am Schuppen. Zudem hatte der Sprayer an der Giebelfront nach Ansicht von Thomas Mörbel sein Graffiti-Tacs hinterlassen: ein Penis-Symbol.

Für den Hausmeister, der am Freitag gegen 23 Uhr zu Bett ging („Da war noch nichts“), waren die Täter Einheimische: „Das müssen welche von hier gewesen sein. Ich hege einen Verdacht, kann aber nichts beweisen.“

Auch Polizeihauptkommissar Torsten Sprotte geht von „einer Tätergruppe aus – bei der Sprayer-Menge“. Für Neukloster sei das bisher ein Einzelfall. Ja, für ganz Westmecklenburg könne er sich an einen „ähnlich gelagerten Fall mit den Ausmaßen nicht erinnern“, so Sprotte gestern gegenüber SVZ.

Und auch für den Hausmeister ist die Dimension neu. Vor 14 Tagen hätte eine beleidigende Äußerung gegen Schulleiter Roland Polzin, dem Mann von MV-Finanzministerin Heike Polzin, am Schuleingang gestanden. „Ansonsten war aber all die Jahre nichts“, betont Mörbel.

Die Wismarer Kriminalpolizei hat unterdessen die Ermittlungen wegen der Verwendung von Kennzeichen verfassungswidriger Organisationen und Sachbeschädigung aufgenommen. Doch Polizeihauptkommissar Torsten Sprotte geht davon aus, „dass der Staatsschutz den Fall am Montag übernimmt“.

Die Regionale Schule Neukloster ist seit 2005 eine offene Ganztagsschule und hat über 300 Schüler. Einzugsgebiet ist das gesamte Amt Neukloster-Warin. Jedoch können die Eltern der Gemeinden Jesendorf und Ventschow (Amt Dorf Mecklenburg-Bad Kleinen) entscheiden, ob sie ihre Kinder nach Neukloster bzw. Dorf Mecklenburg schicken. Aktuell werden in der Regionalen Schule Neukloster insgesamt 17 Klassen durch 25 Lehrkräfte unterrichtet.  


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