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Wiedereinführung des Kfz-Kennzeichens : Neues Auto wieder mit STB

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Vor 17 Jahren wurde das Autokennzeichen "STB" für den Kreis Sternberg abgeschafft. Es verschwand immer mehr aus den Straßen und Garagen. Nun steht dem Autokennzeichen offensichtlich eine Wiedergeburt ins Haus.

Sternberg | Vor 17 Jahren wurde das Autokennzeichen "STB" für den Kreis Sternberg abgeschafft. Wer seitdem ein neues Auto anmeldete, musste beispielsweise als Sternberger mit dem "PCH" für Parchim und als Wariner mit dem "NWM" für Nordwestmecklenburg vorlieb nehmen. Das "STB" verschwand immer mehr aus den Straßen und Garagen.

Nicht so bei Familie Reimers in Sternberg. Hier prangt es noch auf zwei Autos und zwei Anhängern. Der frühere Taxifahrer Walter Reimers zeigt es an einem 20 Jahre alten Audi, der mittlerweile 180 000 Kilometer gelaufen ist. Sein Sohn, der Kfz-Meister Horst Reimers, besitzt einen ebenso alten VW Jetta mit 365 000 Kilometern auf dem Tacho. Zuletzt fuhr seine Frau damit jeden Tag zur Arbeit nach Schwerin, heute nutzt der Sternberger das Auto für Einsätze bei der Feuerwehr und zur Jagd.

"Das STB ist ganz wichtig", sagt Horst Reimers und erzählt eine Episode aus unmittelbarer Nachwendezeit. Als er damals mit dem Pkw nach Tschechien fuhr, beruhigten ihm die Einheimischen: Um sein Auto müsse er sich hier keine Sorgen machen. Denn die Abkürzung STB stehe nicht nur für Sternberg sondern auch für die tschechische Staatspolizei. Da traue sich niemand an das Auto heran. Horst Reimers erklärte am Sonnabend: Bevor das Kennzeichen STB nicht wieder eingeführt wird, kaufe er sich kein neues Auto.

Darauf muss er wohl nicht mehr ewig warten. Denn dem mit der Kreisgebietsreform von 1994 abgeschafften Autokennzeichen steht offensichtlich ein Wiedergeburt ins Haus. Das sind die Zeichen vor der Sternberger Stadtvertretersitzung am kommenden Mittwoch. Dort soll ein Grundstein für die Wiedereinführung von STB gelegt werden.

Durch Parchims Bürgermeister Bernd Rolly sei er darauf aufmerksam gemacht worden, dass die Rückkehr zu alten Kennzeichen möglich ist, die mit der Kreisgebietsreform verschwunden sind, erklärte Sternbergs Bürgermeister Jochen Quandt. Er steht dem positiv gegenüber, erklärte er. Auch der Sternberger Hauptausschuss hat bereits zugestimmt. Die regionalen Kennzeichen seien ein Stück Identität und auch gut für die touristische Werbung.

Die Rückkehr zu STB wird möglich durch eine bundesweite Studie von Prof. Dr. Ralf Bochert von der Hochschule Heilbronn. Er hat die "Heilbronner Initiative" ins Leben gerufen. Borcherts Ansatz: In größeren Kreises können mehrere der alten Kennzeichen an Autos geführt werden. Näheres dazu wird auf der Internetseite der Hochschule beschrieben. Ralf Bochert argumentiert: "Das Kennzeichen ist ein wichtiges Marketing- und Identifikationsmerkmal für die Menschen. Die Menschen lieben nun mal ihre Städte, ihre Region. Und Heimatverbundenheit ist etwas schönes, was man ihnen nicht nehmen sollte." Voraussetzung sei, eine Änderung der Fahrzeugzulassungsordnung durch die Verkehrsministerkonferenz im Bund. Vorausgegangen war eine Untersuchung der Hochschule Heilbronn, die in 111 Städten entsprechende Umfragen durchgeführt hatte. Dabei hätten sich 73 Prozent der Menschen für das alte Kürzel ausgesprochen.

Im April und im Oktober diesen Jahres hat sich die Verkehrsministerkonferenz zugunsten einer Wiedereinführung von "Altkennzeichen" ausgesprochen. Auch der Bundesverkehrsminister befürwortet die Idee. Es wird jetzt eine Bundesratsinitiative in dieser Frage vorbereitet, um die Fahrzeugzulassungsverordnung zu ändern. Laut Aussage des Geschäftsführers der Verkehrsministerkonferenz schließt sich der Bundesrat bei solchen Angelegenheiten in der Regel dem Votum der Ministerkonferenz an, so die Information aus der Hochschule Heilbronn. Und weiter: Inzwischen habe in Mecklenburg-Vorpommern das Verkehrsministerium in fünf Fällen die Zusagen für verschiedene Modelle mehrerer Kennzeichen pro Landkreis gegeben. So werden beispielsweise im Landkreis Nordvorpommern (NVP) auch die Kennzeichen RÜG (Rügen) und HST (Hansestadt Stralsund) vergeben. Neubrandenburg und die Hansestädte Wismar und Greifswald bekommen ebenfalls als kreisangehörige Städte ein vom Kreiskennzeichen abweichendes Symbol.

Über 160 deutsche Städte - so die Heilbronner Initiative - haben sich seit Beginn des Projekts durch Stadt- oder Gemeinderatsbeschluss für das eigene Kennzeichen ausgesprochen bzw. sich eindeutig zugunsten der Idee durch Unterzeichnung von Positionspapieren positioniert. Die Sternberger Stadtvertretung berät darüber am Mittwoch ab 18 Uhr im Rathaussaal.

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erstellt am 11.Dez.2011 | 05:25 Uhr

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