Ruchow : Neuer Wandschmuck für alte Orgel

Die historischen Orgeln aus der Ruchower Kirche werden seit Oktober 2014 restauriert, jetzt erneuert der Rostocker Restaurator Heiko Brandner mit drei Berufskollegen die Wandmalerei über der Empore. Stefanie von Laer vom Förderverein ist glücklich über die Fortschritte.
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Die historischen Orgeln aus der Ruchower Kirche werden seit Oktober 2014 restauriert, jetzt erneuert der Rostocker Restaurator Heiko Brandner mit drei Berufskollegen die Wandmalerei über der Empore. Stefanie von Laer vom Förderverein ist glücklich über die Fortschritte.

Vor der Rückkehr der Instrumente in die Ruchower Kirche wird die Draperie restauriert. Das historische Richborn-Positiv soll Ende Oktober vom Restaurator kommen.

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09. September 2015, 21:12 Uhr

Die beiden Orgeln aus der Ruchower Kirche werden seit Oktober 2014 in Dresden und Lübeck restauriert. Sie sollen noch in diesem Jahr zurückkehren. Bis dahin wird auch die Wandbemalung über der Empore, wo die Schmidt-Orgel von 1796 wieder ihren Platz bekommt, originalgetreu erneuert sein. Der Rostocker Restaurator Heiko Brandner, der parallel in der Klosterkirche Rühn tätig ist, arbeitet mit Berufskollegen aus Berlin auf Hochtouren an der Draperie.

Das kleinere, aber wertvollere der beiden Instrumente, das so genannte Positiv, vermutlich 1675 vom Hamburger Joachim Richborn gebaut und damit die älteste Orgel in Mecklenburg, macht beim Restaurieren „enorme Fortschritte“, freut sich Stefanie von Laer vom Förderverein „Historische Orgel zu Ruchow“. Sie sei „total begeistert“ und genauso der Hauptrestaurator der Dresdner Firma Jehmlich, weil das Instrument so alt ist.


Holzgehäuse wie zuerst in Natur


Diese Entdeckung durch Friedrich Drese, Sachverständiger im Kirchenkreis Mecklenburg und Leiter des Orgelmuseums Malchow, galt in Fachkreisen als Sensation. Weltweit soll es nur noch drei Richborn-Orgeln geben. Sie war 1794 von Fürstin Juliane zu Schaumburg-Lippe aus der Bützower Schlosskirche nach Ruchow in die damalige Patronatskirche für Tieplitz und Bolz geholt und wenig später mit der Schmidt-Orgel umbaut worden. Auch das ist eine Rarität ohnegleichen.

Das Richborn-Positiv wird nach der Restaurierung im Altarraum aufgestellt. Laer rechnet Ende Oktober damit. Zuvor soll es erstmals bei einem kleinen Konzert in der Dresdner Werkstatt zur Probe erklingen. Die feierliche Einweihung ist im Juni 2016 vorgesehen, doch schon beim diesjährigen Weihnachtsgottesdienst können sich die Besucher an der restaurierten Orgel erfreuen, kündigt Laer an. Zur musikalischen Begleitung ihrer Andacht habe sie sonst Keyboard gespielt.

Das historische Instrument erhält den Originalfarbton zurück. „Ursprünglich war das Holz nur geölt, danach weiß mit zarten Vergoldungen. Es folgten ein kräftiges Blau und zum Schluss Grüngrau von der letzten Restaurierung 1939“, erklärt Heiko Brandner, der als seine erste Aufgabe in Ruchow „die historische Farbgestaltung der Orgelgehäuse herausfinden“ sollte. Das Holz wieder in Natur werde das Alter der Orgel noch unterstreichen, meint Stefanie von Laer. Für die anfangs nicht eingeplante Vergoldung der Ränder fehlten 2000 Euro, für die die Kirchengemeinde aufkommt, so Laer.

Die Schmidt-Orgel, die von der Firma Reinalt J. Klein in Lübeck restauriert wird, sei noch nicht ganz so weit. „Das ist umfangreicher als gedacht. Es wurde damals schlechteres Material verwendet. Deshalb müssen mehr Orgelpfeifen als geplant ausgewechselt werden“, erklärt Laer. Damit werde die Restaurierung auch 4000 Euro teurer. Sie habe sich daher an eine Stiftung in Hamburg gewandt, zu der bereits gute Kontakte bestünden. „Ich bin da ganz hoffnungsvoll.“

Die Bemalung der Westwand, die angesichts der davor stehenden Orgeln wenig Beachtung fand, reinigen die Restauratoren derzeit vorsichtig, bevor sie die Oberfläche festigen. „Die ist schlecht gebunden. Unter dem Rot gibt es mehrere Schichten, die sich ablösen“, so Brandner. Am Turmanschluss sind die Schäden am größten. „Das ist bei jedem Gebäude ein neuralgischer Bereich.“ Eine große weiße Stelle in der Mitte lasse vermuten, dass die Draperie erst an die Wand gekommen sei, als das Richborn-Positiv bereits mit der Schmidt-Orgel umbaut war. So ein Wandbild wie eine Stoffbespannung, die von unten so wirkt, als würden die Kordeln sich bewegen, sei ein beliebtes Gestaltungsmotiv im Barock gewesen, erläutert Brandner. Als letzter
Arbeitsgang bei der Restaurierung werden die Fehlstellen ergänzt. Mitte Oktober, so rechnet der Restaurator, soll die Retusche fertig sein.

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