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Anzeiger für Sternberg, Brüel, Warin

23. November 2017 | 03:02 Uhr

Sternberger Burg : Neuer alter Dorfkonsum

vom
Aus der Redaktion des Anzeiger für Sternberg – Brüel – Warin

Kai Ramin und Grit Gürtler betreiben seit zwei Jahren einen Laden in Sternberger Burg und bieten Naturkostprodukte an.

svz.de von
erstellt am 14.Okt.2017 | 16:00 Uhr

Schade, der Laden scheint an diesem Donnerstagabend doch geschlossen zu sein, die Tür lässt sich nicht öffnen. Ein Mann kommt hinzu: „Sie müssen klopfen, das steht da doch“, sagt er ruppig, aber lächelnd. Gesagt, getan - doch nun schließt der Mann die Tür selbst auf und lacht. Die Verwirrung ist komplett, denn trotzdem aufgeschlossen werden musste, wartet hinter einer kleinen Ladentheke eine freundliche Frau auf Kundenwünsche. „Das ist eine Freundin, die hier Urlaub macht“, erklärt der Mann, der wie sich herausstellt, Kai Ramin heißt. Er und seine Lebensgefährtin Grit Gürtler betreiben seit zwei Jahren den neuen Dorfkonsum in dem Örtchen Sternberger Burg. „Im November haben wir zweiten Geburtstag“, freut sich Grit Gürtler. Die Mutter von drei Kindern arbeitet tagsüber als Grundschullehrerin in Cambs, malt nebenbei und gibt für die Dorfbewohnerinnen Yogaunterricht, außerdem macht sie eine Ausbildung zur Heilpraktikerin. Kai Ramin ist studierter Erziehungswissenschaftler und betreut hauptberuflich in Wismar eine Gruppe von Jugendlichen, die dort ihr Freiwilliges Soziales Jahr ableisten.

Der Dorfkonsum des Paares bietet biologisch angebaute Lebensmittel an und ist offiziell nur donnerstags und freitags ab 16 und sonnabends ab 10 Uhr geöffnet. „Die Idee für den Dorfkonsum gab es schon, als wir 2010 in das Haus eingezogen sind“, erinnert sich Grit Gürtler, die ursprünglich aus Bernitt bei Bützow stammt. „Wir kamen rein und dachten: ,Hier können wir einen Bioladen reinmachen.‘“

Durch den aufwendigen Umbau des ehemaligen Gutshauses geriet der Gedanke jedoch erst einmal in den Hintergrund, lebte aber durch Bekannte wieder auf, die in Güstrow einen Bioladen haben. „Jetzt ist der Laden genau in dem Raum, wo auch früher der alte Dorfkonsum war“, erklärt Grit Gürtler stolz.

Von wann bis wann genau es den alten Dorfkonsum gab, weiß sie nicht. „Das Schöne ist aber, dass schon so viele Menschen in dem Haus gelebt haben. Immer wieder klopfen welche und wollen mir etwas aus ihrer Zeit hier erzählen. Gerade vor drei Wochen war ein Mann da, der von 1945 bis 1949 im Haus gelebt hat. Da gab es den Konsum noch nicht.“ Eine Frau, die von 1957 bis 1967 dort gewohnt habe, wusste wiederum, dass es den Konsum schon gab, als sie einzog. Er war in Betrieb bis kurz nach der Wende. „Die Verkäuferin war Frau Schwuchow, die hat in dem Haus gegenüber gewohnt. Die Leute konnten bei ihr klopfen, dann ging sie mit ihnen rüber und sie konnten einkaufen, egal wie spät es war.“ So ähnlich halten es Grit Gürtler und Kai Ramin auch mit ihrem neuen Konsum. „Unsere Öffnungszeiten sind nicht so streng. Wenn bei uns abends jemand klopft und etwas braucht, machen wir natürlich auch auf.“

Der neue Dorfkonsum bietet alle Grundnahrungsmittel wie Brot, Käse, Butter, Joghurt, Ziegenmilch, Obst und Gemüse der Saison, Kartoffeln, Nudeln, Kaffee und Tee, aber auch Getränke, Bio-Weine und Süßigkeiten. „Die meisten Leute aus dem Dorf kommen nur, wenn sie einfach noch etwas brauchen oder etwas Spezielles wollen“, meint Grit Gürtler. So wie Kokosmilch, Matcha-Tee oder Hanfsamen. „Unsere Stammkunden sind solche, die hier in der Nähe wohnen und vorher extra auf den Biohof Medewege zum Einkaufen gefahren sind.“

„Am Donnerstag ist Brottag, da holen sich alle das Brot ab, das sie bis Dienstagabend anhand einer Liste telefonisch bestellt haben. Das Brot wird in der Mühlenbäckerei gebacken“, erklärt Kai Ramin. Wie zur Bestätigung klopft es und eine Dame holt sich bei Claudia aus Leipzig ihr Brot ab. Warum sie in ihrem Urlaub in einem Dorfkonsum arbeitet? „Weil das Spaß macht und es eine gute Sache ist“, antwortet die Freundin der Familie.

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