Bibow : Neue Quartiere für Storchenfamilien

Gemeinschaftlich für die Störche: Jan Lippke vom Naturpark Sternberger Seenland, Ingolf Schröder (Hegering Weiße Krug), Joachim Diederichs und Wolf-Dietmar Vetter ( Wariner Pflanzenbau), Jan Koppelmann (Wemag AG) und Warins Bürgermeister Michael Ankermann (v.l.).  Fotos: Rüdiger Rump
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Gemeinschaftlich für die Störche: Jan Lippke vom Naturpark Sternberger Seenland, Ingolf Schröder (Hegering Weiße Krug), Joachim Diederichs und Wolf-Dietmar Vetter ( Wariner Pflanzenbau), Jan Koppelmann (Wemag AG) und Warins Bürgermeister Michael Ankermann (v.l.). Fotos: Rüdiger Rump

In einer Gemeinschaftsaktion von Jägern, dem Wariner Pflanzenbau und dem Energieversorger Wemag wurden drei Nisthilfen in Bibow, Trams und Mankmoos aufgestellt.

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06. März 2015, 22:00 Uhr

Die ersten Störche sind schon aus ihren warmen Winterquartieren im Süden zurück, machen Beobachtungen der Männer gestern Vormittag die Runde. Jan Koppelmann weiß das aus der Lewitz. Er ist interessiert und hat einen Blick dafür. Und das auch von Berufs wegen
als Vogelschutzbeauftragter beim regionalen Energieversorger Wemag AG. Für weitere Rückkehrer wurden gestern drei neue Nisthilfen auf den Betriebshöfen der Wariner Pflanzenbau eG in Bibow, Trams und Mankmoos aufgestellt. „Gerade rechtzeitig“, meint Ingolf Schröder, Leiter des Hegerings Weiße Krug. Dieser sowie die Jagdgenossenschaften Jesendorf und Warin sind die Geldgeber für die Körbe aus Weidengeflecht, die einen Durchmesser von ca. 1,10 Meter haben und beim Verein für Blindenwohlfahrt in Neukloster angefertigt wurden. Die Unterlage für den Weidenkorb, die aus Robinienholz besteht und mindestens 30 Jahre halten soll, sowie das Metallgestell zur Befestigung des Ganzen auf dem Mast seien vom Landschaftsbau Uwe Möller aus Weiße Krug und der Holzfirma Axel Hirch in Mankmoos. Beteiligt war auch der Wariner Pflanzenbau und hier besonders Techniker Joachim Diederichs.


Schon mehr Fischadler als Störche


Die Idee stamme vom Bock-Frühstück im vorigen Jahr. So nennen die Jäger ihr geselliges Treffen im Mai, bevor die Jagd auf das männliche Wild startet. „Bei uns gibt es schon mehr Fischadler als Störche“, sagt Schröder. Letztere besetzten in der Region lediglich die Horste in Neperstorf, Mankmoos und Kleekamp. „So entstand der Gedanke mit den Nisthilfen. Wobei nicht der Horst das Primat hat, sondern das Nahrungsangebot. Die Störche müssen satt werden. Wenn die Habitat stimmt, brüten sie sogar auf einer Telefonzelle.“ Doch die Vorbereitung der Nester könne ein kleiner Schritt sein, dass sich der Bestand wieder erhole. Den Kontakt zur Wemag, die schon zahlreiche Horste in luftiger Höhe platziert hat und weiter betreut, zum Beispiel die Ornithologen beim Beringen der Vögel unterstützt, stellte nach dem Bock-Frühstück der Wariner Bürgermeister Michael Ankermann her.


Nistplatz in Bibow bisher nicht angenommen


Am Bibower Schafstall gibt es seit gut einem Dutzend von Jahren einen von Menschenhand geschaffenen Nistplatz. Der sei sogar unter fachkundiger Anleitung an der Stelle errichtet und der Korb in luftiger Höhe vor drei Jahren erneuert worden. „Besetzt war der aber noch nie“, bedauert der Wariner Agrarchef Wolf-Dietmar Vetter. „So ein Gittermast aus Metall soll wohl nicht besonders geeignet sein. Doch am meisten stört wohl die Pappel gleich daneben.“

Jetzt haben die Störche bei ihrem Anflug freie Bahn von allen Seiten. Vetter hofft auch, dass ihnen geholfen ist, wenn der Agrarbetrieb zur Mehrschnittnutzung von Grünland übergehe. „Der Storch braucht im Mai geschnittene Flächen und nicht erst nach dem 1. Juni oder Juli.“ Mit diesen Terminen sollen bestimmte Arten, die in höherem Gras Unterschlupf finden, geschützt werden, für den Storch oder für Greifvögel wie den Rotmilan würden sie jedoch genau das Gegenteil bewirken. Das verdeutliche auch das Rotmilan-Projekt des Landschaftspflegeverbandes Sternberger Endmoränengebiet. Von Vorteil könne ebenso die 2014 in Neuhof angesiedelte Rinderhaltung sein. „Die sehen Ornithologen als günstig für den Storch an“, so Vetter.

Die Wemag unterstütze die Naturfreunde gern, denn das Unternehmen sei „in der Region verwurzelt“, sagt Jan Koppelmann. „Gleich nach der Wende haben wir damit angefangen.“ Er wisse nicht die genaue Zahl, aber „grob überschlagen“ seien landesweit zwischen 250 und 300 Nisthilfen angebracht worden, für Störche schon seit langem und zunehmend auch für Fischadler, in jüngster Zeit in Schönlage, Sülten, Crivitz, Mestlin und Nisbill. Mehr als 40 Paare würden auf Mittel- und Hochspannungsleitungen brüten. „Die nehmen die Fischadler als Ersatz für trockene Bäume mitten auf den Feldern, weil sie die kaum noch finden.“


Erfolgsrate von 95 bis 98 Prozent


In Sichtweite würden den imposanten Vögeln neue Horste angeboten, die sicherer seien und mögliche Störungen am Leitungsnetz verhinderten. „Teils lassen wir alte Strommasten stehen, wenn die außer Betrieb gehen, oder wir stellen extra welche auf“, erklärt Koppelmann. „Dabei haben wir eine beachtliche Erfolgsrate. Die werden zu
95 bis 98 Prozent angenommen.“ Häufig würden die Fischadler auf Anhieb auf das neue Quartier zusteuern, manchmal werde in Abstimmung mit der Unteren Naturschutzbehörde sanft nachgeholfen und der bisherige Horst weggenommen.

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