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Anzeiger für Sternberg, Brüel, Warin

22. November 2017 | 21:38 Uhr

Warin : Neue Drehleiter bis 32 Meter hoch

vom
Aus der Redaktion des Anzeiger für Sternberg – Brüel – Warin

Die geplante Ersatzinvestition der Stadt bringt der Freiwilligen Feuerwehr Warin statt eines Gebrauchtfahrzeugs jetzt einen „Top-Jahreswagen“.

Einen Ersatz für die in die Jahre gekommene Drehleiter DL 30 (Baujahr 1989) hatte die Stadt ihrer schlagkräftigen freiwilligen Feuerwehr (FFw) schon 2015 in den Etat gestellt, doch für das ins Auge gefasste Gebrauchtfahrzeug kamen die Fördermittel zu spät. „Zum Glück“, freute sich Timo Untrieser nun, denn der Wehrführer und seine 34 Aktiven, darunter vier Feuerwehrfrauen, konnten stattdessen einen „Top-Jahreswagen“ direkt vom Hersteller übernehmen.
Die weltweit führende Firma Gimaex aus aus dem siegerländischen Wilnsdorf in Nordrhein-Westfalen hatte für zwei Tage extra ihren Produktmanager Achim Schnell abgestellt, um die Wariner Kameraden in die Bedienung der DLA(K) 23/12 einzuweisen. Diese vollautomatische Drehleiter auf einem 280-PS-Löschfahrzeug MAN erreicht eine Rettungshöhe von 32 Metern bei einem maximalen Aufrichtwinkel von 75 Grad.

Für die begeisterten Wariner Floriansjünger besonders wichtig erscheint die Fähigkeit des Drehturms, ohne Überhang jegliche Geländeneigung bis 18 Grad selbstständig auszugleichen und dass sich der vierteilige Leitersatz dabei von der Lage seines Fahrgestells unbeeindruckt um volle 360 Grad drehen kann. „Das bedeutet für uns im verwinkelten Städtchen Warin ganz konkret, damit überall hinkommen zu können, wo das Fahrzeug mit ausgeklappten Spiegeln hindurch passt“, schwärmt Untrieser.

Während das System seine vier Stützen ausfuhr und eine davon automatisch an einem als Hindernis drapierten Stuhl stoppte, ging schon ein Raunen durch die Zuschauenden, das sich zu heller Begeisterung steigerte, als sich die Leiterspitze mit dem Rettungskorb für drei Personen als sieben Meter langer Gelenkarm entpuppte, welcher sich dank Kameras und Sensoren sowohl von einem Sitz unten am Leiterpark als auch von oben aus dem Korb fernsteuern lässt.

Dank dieser Raffinessen und einer Teleskopwasserleitung auf dem gesamten Leiterpark könnten zum Beispiel für Schutzaufgaben Wasser oder auch Schaum über längere Zeit gezielt von oben ausgebracht werden, ohne dass sich Feuerwehrleute im Korb aufhalten müssten. Die komplette Drehleiter sei vor Ort (laut DIN) innerhalb eines Zeitfensters zwischen 75 und höchstens 120 Sekunden einsatzbereit, merkt der Wehrführer stolz an und ergänzt, dass für den Erstangriff immerhin 1000 Liter Wasser und 500 Liter Schaum in den Tanks des Löschfahrzeugs mitgeführt werden. Bedient werden kann sie jetzt übrigens von jedem Maschinisten oder Atemschutzträger, auch als Pressluftatmer (PA) bezeichnet, der FFw Warin.

Gimaex-Werksvertreter Uwe Klawonn hatte bei den Vorgesprächen zum Erwerb dieser einmalig als „Vorführwagen“ angebotenen Automatikdrehleiter vom Typ DLA (K) 23/12 – unter anderem von den chinesischen Firefightern der Millionenstadt Shanghai erfolgreich genutzt – erstaunt festgestellt, dass der nun vom Tüv außer Dienst gestellte Veteran seinerzeit in Weißenfels, keine fünf Kilometer von seinem Heimatort, gebaut worden sei. „Nach zwei Prototypen und der 1989 auf der Leipziger Mustermesse vorgestellten Drehleiter DL30 dürfte das 1996 nach Warin gelangte wohl eines jener sechs für den Export gebauten Exemplare aus DDR-Produktion sein muss und damit zweifellos ein Unikat“, meinte der Fachmann und versprach, sich nach dem eventuell beim ehemaligen Hersteller noch „herum liegenden“ Rettungskorb dieser Kleinserie umzuschauen. „Damit wäre dann ein potenzielles Museums-Highlight komplett.“

Aber das kann die ohnehin gerade herrschende Freude bei der Freiwilligen Feuerwehrleute Warin schon kaum noch toppen.


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