Sternberg : Narren mit neuer List ins Rathaus

Vom Prinzen- zum Königspaar: Jens I. und Netti II. sowie Karnevalspräsident Jan Markowski (r.) haben dem Sternberger Bürgermeister Jochen Quandt (l.) zum Auftakt der fünften Jahreszeit den Rathausschlüssel abgenommen. Bis Aschermittwoch regiert das närrische Volk.  Fotos: Rüdiger Rump
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Vom Prinzen- zum Königspaar: Jens I. und Netti II. sowie Karnevalspräsident Jan Markowski (r.) haben dem Sternberger Bürgermeister Jochen Quandt (l.) zum Auftakt der fünften Jahreszeit den Rathausschlüssel abgenommen. Bis Aschermittwoch regiert das närrische Volk. Fotos: Rüdiger Rump

Der Sternberger Carnevalclub schleust eine Bewerberin für die frei werdende Stelle als Chefsekretärin ein und kommt so an Schlüssel des Amtsgebäudes.

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11. November 2014, 16:04 Uhr

Die fünfte Jahreszeit hat begonnen und der Sternberger Carnevalclub (SCC) die Macht im Rathaus übernommen. Um an den Schlüssel zu gelangen, wäre bei dem Nebel fast gar keine List nötig gewesen. Doch in der Altstadt hatte er sich bis 11.11 Uhr weitgehend aufgelöst, als der Umzug des närrischen Volkes mit Kindern aus Schulen und Kitas auf dem Marktplatz eintraf.

Noch auf den letzten Drücker huschen Bürgermeister Jochen Quandt und Kämmerer Reinhard Dally ins Haus, um von innen abzuschließen. Den Narren entgeht das allerdings nicht. „Ihr habt wohl schnell ’ne Bratwurst gegessen und schleicht nun heimlich hinein“, höhnt SCC-Präsident Jan Markowski. „Aber wir kommen schon ins Rathaus, verlasst euch darauf“, setzt er selbstsicher hinzu. Sein Vize Eckardt Meyer ruft nach Olaf Steinberg, bei dem wie immer zwei Herzen in der Brust schlagen – als Karnevalist und hoher Amtsträger von Sternberg. „Du bist hier nicht im Kreistag, wir brauchen dich!“ Dort steht er sogar als Präsident an der Spitze.


Bürgermeister: Das wird eine U-Bahn


Das mit Steinberg erweist sich als kluges Ablenkungsmanöver. Denn die Narren haben sich was ganz anderes ausgedacht. Sie schleusen aus ihren Reihen Annett Trautmann ins Rathaus. Sie hat sich angeblich als Chefsekretärin beworben und kommt nun zum Gespräch. Die Stelle war ausgeschrieben worden, am 1. Januar beginnt die Einarbeitungszeit. 17 Bewerbungen hat es gegeben. Die jetzige Chefsekretärin wird genau heute 65 Jahre (Herzlichen Glückwunsch!).

Der Coup gelingt. Nach ihrem Gespräch beim Bürgermeister lässt die getarnte Karnevalistin den Schlüssel an einem Seil vom Balkon herunter. Die Narren wollen regieren und alles verändern. Die Mitarbeiter der Stadt hätten bis Aschermittwoch frei, verkünden sie zuerst und beklagen dann, dass in Sternberg nur noch gebuddelt wird. „Ihr macht alles kaputt. Hoffentlich bekommen wir dadurch wenigstens gerade Gehwege“, ruft der Präsi in Richtung Bürgermeister. Der kontert: „Das wird eine U-Bahn.“ Wenn die erstmal fertig sei, würden sich alle darüber freuen.

Dann dreht sich der gewichtige Schlüssel aus Eisen im Schloss. „Drinnen seid ihr, aber die Macht habt ihr noch lange nicht“, versucht der Bürgermeister eine letzte Gegenwehr, bevor er das Riesending doch an Jens I. und Netti II. übergibt. Das Prinzenpaar des SCC, das schon in der vorigen Session das Zepter schwang, hat sich zum Königspaar krönen lassen. „Weil die Abendveranstaltung vor einem Jahr ausfiel, war es für uns nur eine halbe Saison“, meint Jens I. Deshalb seien beide gern noch einmal angetreten. Sie hatten sich vor Jahresfrist erst in letzter Minute für das hohe Amt gemeldet, als der SCC noch ein Prinzenpaar suchte, mehr aus einer „Schnapsidee“ heraus. Zuvor seien sie beim Karneval nur Gäste gewesen. Die bisherige Regentschaft habe jedoch „unheimlich Spaß gemacht“. Der Verein sei „eine super Truppe“, findet Trautmann. Beide seien im Frühjahr auch Mitglied geworden. „Und es ist eine nette Betätigung in Zeiten, in denen sonst wenig los ist“, fügt Netti II. an. „Ein Prinzenpaar muss auch überhaupt keine Scheu haben, sich nur auf die Bühne trauen“, ermuntert sie schon mit Blick auf die nächste Saison. Annett Trautmann arbeitet als Buchhalterin bei ecoMotion in Sternberg, ihr Mann als Polizist. Beide sind seit Sommer 2012 verheiratet und haben fünf Kinder von jetzt elf bis 24 Jahren in die neue Familie gebracht. Sie stammt aus Warin, er aus Dabel. „Das zeigt, wie weltoffen Sternberg ist“, meint der Bürgermeister lachend.

Weiter geht es in der fünften Jahreszeit am Sonnabend um 19 Uhr mit der Abendgala im Seehotel und am Sonntag um 14 Uhr mit dem Familienfasching.

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