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Anzeiger für Sternberg, Brüel, Warin

18. Dezember 2017 | 10:07 Uhr

Sternberg : Nahe an kleinen und großen Sorgen

vom
Aus der Redaktion des Anzeiger für Sternberg – Brüel – Warin

Heike Koßack arbeitet seit Februar als Kontaktbeamtin für Sternberg sowie die Gemeinden Dabel, Borkow, Mustin und Witzin.

von
erstellt am 21.Feb.2015 | 11:33 Uhr

Polizisten bleiben nie die ganze Zeit in der Dienststelle, in der sie angefangen haben. Heike Koßack findet das auch ganz normal. Hinter ihr liegen ein Jahr und drei Monate im Polizeihauptrevier Parchim. Dort war sie Dienstgruppenleiterin, vorher seit 1990 bei der Schutzpolizei in Sternberg. Ihre Stimme kannte mit der Zeit fast jeder, der im Revier angerufen hat, denn Koßack war zuletzt kaum im Außendienst, sondern meist auf der Wache. Seit Februar ist sie Kontaktbeamtin für Sternberg und Umgebung. Ihr Vorgänger Lothar Krause war im August 2014 in den Ruhestand gegangen. Der Bereich umfasst neben der Stadt und ihren Ortsteilen die Gemeinden Dabel, Borkow, Mustin und Witzin. Weitere Kontaktbeamte des Sternberger Reviers gibt es für Brüel mit Verantwortung über Weitendorf hinaus bis nach Weberin, Görslow, Rampe und Flessenow sowie für Crivitz und Umgebung.


In Berufsschule wurde für Polizei geworben


Der Wechsel nach Parchim sei ihr gut bekommen, um
eine andere Dienststelle kennen zu lernen. Doch als dann der frei gewordene Posten neu besetzt werden sollte, habe sie sich gleich beworben. Wieder im vertrauten Umfeld zu arbeiten, den kleinen und großen Sorgen der Bürger ganz nahe zu sein, habe sie gereizt. Die 38 Kilometer für eine Fahrstrecke fielen damit auch weg. Besonders nach zwölf Stunden Nachtschicht seien die mitunter anstrengend geworden. „Mit zunehmendem Alter fällt einem die Fahrerei schwerer. Um 17 Uhr los und nächsten Morgen gegen halb sieben wieder zu Hause. Und da durfte nichts dazwischen kommen, etwa einen Sachverhalt noch zu Ende zu bringen“, sagt die Sternbergerin, die in diesem Jahr 50 wird.

Gelernt hat sie einst Instandhaltungsmechaniker – „oder Schlosser, damit kann jeder was anfangen“, so Koßack. In der Berufsschulklasse seien fast nur Jungs gewesen. „Bei ihnen wurde für die Polizei geworben. Ich habe gefragt, warum nur die Jungs angesprochen werden. Zwei Wochen später hatte ich das Okay, dass ich nach der Ausbildung bei der Polizei anfangen kann. Berufe in Uniform fand ich interessant“, sagt Koßack.

Das sei 1984 noch in Sachsen-Anhalt gewesen, bevor sie zu ihren Wurzeln zurückkehrte, wie die gebürtige Schwerinerin erzählt. Ihre Mutter stamme aus Plate. 1990 kam Koßack zur Polizei nach Sternberg, machte Abstecher nach Bützow und Parchim. Angefangen habe sie als Streifenbeamtin. „Ich war früher viel draußen.“


In jungen Jahren von der Kripo geträumt


Mit dem Studienabschluss im März 1999 an der Fachhochschule Güstrow hatte sie die Ausbildung für den gehobenen Dienst in der Tasche. „Ich war in dem Jahrgang mit die Älteste.“ Dennoch sei ihr das Studium „überhaupt nicht schwer gefallen, obwohl ich zwei kleine Kinder hatte, acht und sechs Jahre alt, als ich anfing“. Sich ständig fortzubilden, gehöre einfach dazu, „um am Ball zu bleiben“, selbst jetzt Jahre nach dem Studium. Denn in Gesetzen oder Verordnungen gäbe es immer wieder Veränderungen, die ein Polizist kennen müsse. Sicher ließen sich nicht alle Fragen auf Anhieb beantworten, aber „dann muss man sich belesen“, so Koßack.

Als junger Mensch habe sie wie andere von der Kriminalpolizei geträumt, sei dort aber nie angelangt, sondern alle Jahre bei der Schutzpolizei gewesen. „Man kann sich damit anfreunden. Ich finde diese Arbeit sogar vielseitiger, Fälle zu bearbeiten, Akten zu wälzen, und ich bin glücklich dabei.“

Die Kripo sei mehr spezialisiert, etwa auf Betrug oder Fahrraddiebstähle. Und das gefalle ihr weniger. Nicht alle Einbrüche und anderen Tragödien seien Kriminalfälle.

Kontaktbeamte gehörten zur Schutzpolizei, sie seien oft erster Ansprechpartner für die Bürger. „Es gibt Dinge, für die Streifenpolizisten gar nicht die Zeit haben und die sie deshalb nicht lösen können. Ich habe mir vorgenommen, sehr viel mit Bürgern zu sprechen“, sagt die Polizeioberkommissarin. Für wichtig halte sie zudem die Prävention, etwa in den Schulen und Kindertagesstätten, aber ebenso im Seniorenheim, „um zum Beispiel auf den
Enkeltrick aufmerksam zu machen“. Auf den fielen leider immer wieder ältere Menschen hinein. Oder sie wolle auch den Sternberger Heimatverein, der eine aktive Arbeit leiste, nicht vernachlässigen. „Ich bin keine Präventionsmitarbeiterin, möchte aber in vielerlei Hinsicht Ansprechpartner sein.“


Feste Sprechstunde vorerst nur in Sternberg


Derzeit habe sie noch viele Materialien zu sichten und sich in die neue Aufgabe einzuarbeiten. Das brauche ein wenig Zeit. Hinzu kämen Schichten im Revieralltag. Eine feste Sprechstunde werde es vorerst nur in Sternberg geben. Doch auch zu den Einwohner in den Dörfern wolle sie Kontakte knüpfen, sagt Koßack.

Wie sich das am besten organisieren lasse, überlege sie noch gründlich. Eine denkbare Variante wäre, das mit den Sprechstunden der Bürgermeister zu verbinden. Ob das praktikabel und auch gewünscht sei, müsse sie erst in Erfahrung bringen. Die Bürger in der Region sollen die neue Kontaktbeamtin, so ihr Ziel, aus der Nähe kennen.

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