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Tessin/Gemeinde Kuhlen-Wendorf : Nässe stoppt Herbstbestellung

vom
Aus der Redaktion des Anzeiger für Sternberg – Brüel – Warin

Für Landwirt Christian Nagel zieht sich die Aussaat das erste Mal so lange hin. Gut ein Drittel des Weizens muss noch in den Boden

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erstellt am 11.Okt.2017 | 20:45 Uhr

Christian Nagel sitzt in seinem Büro, das er in der neuen Halle zwischen Kuhlen und Tessin hat. Er arbeitet auf, was auf dem Schreibtisch liegen geblieben ist. Viel lieber wäre der junge Landwirt allerdings draußen, um die Herbstaussaat weiterzubringen. Die hat der ergiebige Regen erneut gestoppt, ohne dass sie überhaupt mal richtig in Gang gekommen ist. „Das ist in diesem Jahr ein Krampf und nervig für alle“, sagt er. Nach 90 Hektar Wintergerste und 200 Hektar Raps muss noch gut ein Drittel des Weizens, der mit rund 350 Hektar den größten Anteil der Bestellfläche ausmacht, in den Boden, so Christian Nagel, der den Betrieb seit 2008 führt. Sein Vater hat den von 1993 an mit etwa der Hälfte des Ackers vom vorherigen volkseigenen Gut neu aufgebaut, wobei Flächen rund um Kuhlen schon früher im Besitz der Familie waren.

Durch Zeitverzug in Ernte stockt Rapsaussaat

Es sei zwar mal annähernd so nass gewesen wie in diesem Jahr, aber nicht durchgängig von der Ernte bis zur Bestellung, habe sein Vater gesagt. Schon der Mähdrusch habe sich in die Länge gezogen. Erst am 26. August sei der letzte Weizen vom Feld gekommen und der Ertrag um die 15 Prozent unter den Erwartungen geblieben, nicht zuletzt durch viel Lagergetreide. „Die Qualität war dadurch auch im Eimer“, sagt Nagel, was jetzt die Vermarktung erschwere. Mit Brotgetreide vor allem auf Export orientiert, müsse nun Futterweizen möglichst wirtschaftlich verkauft werden.

Durch den Zeitverzug bei der Ernte „kamen wir gar nicht richtig dazu, Raps zu drillen. Nach den Wetterprognosen war auch nicht damit zu rechnen, das überhaupt noch rechtzeitig zu schaffen. Doch es wurde besser als gedacht und hat geklappt, wenn auch nicht schön.“ Die Maschinen für Bodenbearbeitung und Drillen seien von den zwei festen Mitarbeitern und den beiden Erntehelfern zweischichtig besetzt gewesen. „Wir haben manchmal unter Bedingungen bestellt, unter denen man das bei besseren Wetteraussichten nicht machen würde, mit Augen zu und durch“, so Nagel. Ewig zu warten, bringe nichts. Andererseits müsse genau abgewogen werden, um nicht dem Boden zu schaden. Dessen Struktur habe schon bei der Ernte gelitten. Nach den jetzigen Regenmengen sei er wieder gesättigt, „bis oben voll“, so dass keine vernünftige Bearbeitung des Bodens möglich sei. „Wir würden nur darin herumschmieren und die Bestände auf zusammengeknetetem statt auf garem Acker stehen. Das darf man nicht machen; sonst braucht es mindestens ein Jahr, bis wieder Leben in den
Boden kommt“, erklärt der gelernte und studierte Landwirt.

Solche Staunässe wie hier an der B 104 ist die Ausnahme, doch gesättigt und kaum befahrbar ist der Boden dieser Tage überall.
Solche Staunässe wie hier an der B 104 ist die Ausnahme, doch gesättigt und kaum befahrbar ist der Boden dieser Tage überall. Foto: Rüdiger Rump
 

Auf den stark verschießenden, diluvialen Böden, wie es fachlich heißt, die eiszeitlich überformt worden seien, sei die Bearbeitung besonders schwierig. Es gebe schweren Acker auf den Kuppen und leichte Stellen auf dem gleichen Schlag. Gegenwärtig sei wegen der Nässe jedoch kein Feldstück befahrbar. „Nach dieser Phase muss man schon überlegen, wie lange noch Wintergetreide gedrillt werden kann“, gibt Nagel zu bedenken. „Den Oktober über sicher noch“, dann werde es fraglich. Sein Ziel sei immer, die Herbstbestellung bis zum 10. Oktober abzuschließen, besser noch im September. Von ganz frühen Saatterminen sei er allerdings abgegangen, weil es dann „mehr Ärger mit Unkraut und Pilzkrankheiten“ gebe, er aber nicht mehr Mittel als nötig dagegen einsetzen wolle. Mit so einer verzögerten Aussaat wie in diesem Jahr habe er selbst allerdings überhaupt keine Erfahrung, sagt Nagel, wohl wissend, dass zeitig bestellte Flächen die höchsten Erträge bringen. Aber mit denen sei nach dieser Herbstbestellung ohnehin nicht zu rechnen, meint Nagel.

Erste Überlegung in Richtung Sommerung

Die späten Lieferungen des Saatgutes, „was sicher der langen Ernte geschuldet war“ und manchen Bauern zu schaffen machten, hätten sich für ihn nicht nachteilig ausgewirkt, sagt Nagel. „Die Sorten, die ich zuerst drillen wollte, waren rechtzeitig da. Und die anderen brauchte ich noch nicht.“

Wenn es nun gar nicht mehr gehe, werde er wohl auch darüber nachdenken, anstelle von zu spät gedrilltem Weizen auf Sommerung auszuweichen, etwa Sommergerste, Mais, Erbsen oder Bohnen. Letztere wären gut für die Fruchtfolge, sagt der Landwirt. Aber noch hofft er auf die zum Wochenende angekündigte Wetterbesserung. Sicher brauche der durchnässte Boden Zeit abzutrocknen. Dann würde es jedoch vorangehen und noch Winterweizen in den Boden kommen.

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