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Anzeiger für Sternberg, Brüel, Warin

20. August 2017 | 11:55 Uhr

Sternberg : Nächste Fischtage können kommen

vom
Aus der Redaktion des Anzeiger für Sternberg – Brüel – Warin

Der große Karpfenteich am Rande Sternbergs ist jetzt mit 400 Stück besetzt. Die Gewichtszunahme bis zum Herbst erfolgt allein durch natürliche Nahrung.

Zu Ostern gab es bei den Fischern traditionell den ersten Andrang des Jahres. Von Frühjahr bis Herbst läuft das normale Alltagsgeschäft mit Fischen, die die Seen hergeben, mit Forelle, Saibling, Maräne, Dorsch oder Hering, mit Räucherware und anderen Delikatessen, die die Fischer aus der Region selbst zubereiten – bevor im Herbst wieder die große Karpfenzeit beginnt.

Andreas Frischke, der die Oberen Seen sowie die Teiche am Stadtrand von Sternberg bewirtschaftet, hat die letzten 20 Karpfen eingesetzt. Sie wiegen um die zwei Kilogramm und sollen bis Ende Oktober zweieinhalb bis drei Kilogramm erreichen. Zusatzfutter gibt es nicht, sie ernähren sich allein von dem, was sich als so genannte Bodennahrung im Wasser entwickelt, von Larven und Würmern bis zu Krebstierchen und Schnecken.


Im „Bombensommer“ werden Karpfen größer


Deshalb habe er den Besatz auf 400 Stück heruntergefahren, sagt Frischke. Es seien auch schon mal 500 gewesen, „aber die letzten Sommer waren nur mittelmäßig“, und wenn die sich wiederholten, könnte das, was die Natur bietet, knapp werden, geht Frischke auf Nummer sicher. Denn zufüttern wolle er auch künftig nicht. „Wenn es diesmal ein Bombensommer wird und die Karpfen mehr zu fressen finden, werden sie eben größer. Macht auch nichts.“

Nach dem Abfischen bleibt der Teich den Winter über trocken, damit er ausfriert. Diese Zeit nutzt der Fischer, um das Schilf im Zaum zu halten und den Mönch auszubessern, den Holzkasten am Ablauf, mit dem das Wasser angestaut wird. Das ist seit gut drei Wochen wieder in die Teiche gelaufen. Es kommt über den Großen Steinbach aus den Oberen Seen, die sämtliche Teiche speisen. Dieses klare Wasser lasse die Karpfen auch nach Karpfen schmecken, freut sich Frischke. Was überschüssig sei, fließe weiter in den Luckower See, doch davon konnte bis Ostern noch nicht die Rede sein, denn wegen geringerer Niederschläge hätten in den Oberen Seen noch etwa zwölf Zentimeter am langjährigen Mittel gefehlt.

Zwischen fünf und 20 Prozent der eingesetzten Karpfen würden die Verluste liegen. „Zuletzt waren es sechs. Der lange Winter bis in den April hat die Fische zwar in der Entwicklung zurückgeworfen, sie konnten aber alles auf Null zurück drehen“, erklärt der Fischer. 1996 habe der Verlust ein Fünftel betragen. Frischke erinnert sich genau, dass der Teich erst am 10. April aufgetaut war, er aber schon zwölf Tage später bei 18 Grad baden gehen konnte. Die Erwärmung sei zu schnell gegangen. Zumal der Teich flach sein müsse, „kaum mehr als 1,50 Meter“, damit die Sonne das Wasser erwärmt und die Nahrung wie ihre Verwerter gedeihen. Im Winter hat der Karpfen einen Herzschlag pro Minute, so weit gehe der Stoffwechsel zurück, um von den Reserven aus dem Sommer zu leben. Die müssen erst mal wieder rauf und dann noch die Gewichtszunahme bis zum Verkauf.

Zur Gesellschaft bekamen die Karpfen 1000 einsömmrige Zander, damit diese „noch ein Jahr Frieden haben“, wie es Frischke nennt. Der Zandernachwuchs bleibe dort unbehelligt und wachse von fünf, sechs auf 15 bis 18 Zentimeter Länge heran. Er sei in einem der kleinen Teiche zur Welt gekommen und habe den Winter zusammen mit den großen Karpfen verbracht. Die Zanderwinzlinge ernähren sich von Wasserflöhen und vom Laich der Schleihe, die eigens dazu in diesen Teich gesetzt werden. Deren Kinderstube sei dennoch gesichert. Die Laichzander, ein bis anderthalb Kilogramm schwer, erhalten wieder Platz in ihrem Teich, damit im Herbst neuer Nachwuchs im Wasser schwimmt.

Kleine Karpfen, „die Stöpsel“, so Frischke, verkaufe er auch an Privatkunden mit einem großen Gartenteich, „die den nicht nur bunt haben wollen, sondern auch Fische daraus essen wollen“. Erst wenn die schon Namen hätten, könnte der Familienfrieden aus den Fugen geraten, meint Frischke lachend. Das passiert bei seinen 400 Karpfen im großen Teich natürlich nicht. Für ihn und seine Kunden können die nächsten großen Fischtage kommen.

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erstellt am 22.Apr.2014 | 16:24 Uhr

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