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Anzeiger für Sternberg, Brüel, Warin

20. November 2017 | 05:11 Uhr

Warin : Nachwuchs aus dem eigenen Haus

vom
Aus der Redaktion des Anzeiger für Sternberg – Brüel – Warin

Das Wariner Diakonie-Pflegeheim Am Glammsee bildet derzeit sechs Fachkräfte aus und hat zwei junge Leute im Freiwilligen Sozialen Jahr.

svz.de von
erstellt am 15.Dez.2015 | 16:06 Uhr

Im Januar geht es in die Vorprüfung und dann Schritt für Schritt bis zur Examensarbeit. Sascha Meyer absolviert im Diakonie-Pflegeheim Am Glammsee sein drittes Ausbildungsjahr zum staatlich geprüften Altenpfleger. Er würde auch gern bleiben, denn die Arbeitsstelle in der Nähe zu haben, sei ihm recht. Der 20-Jährige kommt nur wenige Kilometer entfernt aus Qualitz. Seine Chancen stehen gut, meinen Antje Weidemann von der Leitung der Einrichtung und Pflegedienstleiterin Nancy Wünsch. Die Azubis, die dieses Jahr ausgelernt haben, wurden übernommen. Natürlich hänge es vom Betreuungsschlüssel ab, doch das Wariner Pflegeheim bilde jedes Jahr aus, um Fachkräfte aus dem
eigenen Haus zu bekommen.

Derzeit leben 122 Bewohner in drei Bereichen. Rund 70 Mitarbeiter von der Pflege über den technischen Bereich bis zur Leitung sorgen sich um sie. Männer seien allerdings noch immer die Ausnahme, „aber sie kommen nach“, sagt Nancy Wünsch lächelnd. Sie finde das schön, „auch im Interesse der Bewohner“, fügt Antje Weidemann hinzu. Mancher möchte lieber von einem Mann betreut werden, wenn die Möglichkeit bestehe.


Soziale Kompetenz an erster Stelle


Das Praktikum in einer Autowerkstatt hatte ihn nicht überzeugt, erzählt Sascha Meyer. Und da seine Mutter mit Freude in der Pflege arbeitet, habe er sich für ein Freiwilliges Soziales Jahr (FSJ) im Wariner Heim entschieden. „Mir ist schnell bewusst geworden, dass mir das liegt und viel Spaß macht. Menschen helfen zu können und dann Dankbarkeit zurückzubekommen, ist ein schönes Gefühl. So hat sich Altenpfleger zu meinem Wunschberuf entwickelt. Und genügend Chancen voranzukommen, gibt es auch“, meint der 20-Jährige.

Soziale Kompetenz, Einfühlungsvermögen seien entscheidend für diesen Beruf, „beides muss man mitbringen“, hakt die Pflegedienstleiterin ein. „Alles andere kann man lernen.“

Für Anne Tetzlaff aus dem zweiten Ausbildungsjahr war es „gleich der Berufswunsch“. Sie hatte sich nach einem Praktikum in mehreren Einrichtungen beworben. Über die Zusage aus Warin sei sie
froh gewesen, da ihr dieses Pflegeheim besser gefalle als die in ihrer Nähe. Zur Schule ging Anne in Klütz, nun wohnt sie in Pennewitt. Schicht- und Wochenendarbeit störten sie nicht. Ihre Eltern hätten weder zu- noch abgeraten: Wenn du das machen möchtest; es ist aber ein schwerer Beruf. „Wenn ich den ganzen Tag im Büro sitze, kann ich auch was mit den Bandscheiben bekommen“, meint die 18-Jährige.

Die Belastung sei körperlich und psychisch hoch, weiß Cornelia Löwe aus Erfahrung. Sie war als ungelernte Pflegekraft eingestiegen, hat sich zur staatlich geprüften Altenpflegerin qualifiziert und weiter gemacht mit einer Mentorenausbildung. Nun liegt die praktische Anleitung der angehenden Fachkräfte in den Händen der Brüelerin.

Sina-Marie Malzahn und Johann Hausmann, beide 17, aus Bad Kleinen bzw. Warin, wechselten in diesem Jahr vom FSJ ins erste Ausbildungsjahr. Sie hätten sich enorm entwickelt, wird ihnen bescheinigt. „Ich hatte keine Lust, irgendwas zu machen, war nur froh, aus der Schule heraus zu sein. Dann habe ich vom FSJ gelesen, und das war total klasse“, erzählt Johann. Im Freundeskreis höre er oft, ich könnte das nicht. „Aber sie haben das noch gar nicht versucht und wissen auch nicht, wie es ist, hilflos zu sein. Ich komme gern her.“ Der 17-Jährige singe oft mit Bewohnern, und seine fröhliche Art helfe auch, mit jenen umzugehen, die schwieriger seien, heißt es.

Sina-Marie wollte im FSJ sicher gehen, dass der Beruf wirklich richtig für sie ist. „So wusste ich, was auf mich zukommt.“ Und vor der Ausbildung „schon ein bisschen Praxis“ sei auch nicht verkehrt.

In die schnuppert Maria Lindner hinein, um sich für ein Studium zu orientieren. Ihr schwebt Gesundheitsmanagement vor. Das FSJ werde bei der Bewerbung zum Studium anerkannt. Die 19-jährige Warinerin mit Abitur ist in dem Wohnbereich eingesetzt, in dem überwiegend Demenzkranke leben, „aber zusätzlich“, wie die Pflegedienstleiterin betont.

Älteste Azubis sind Katja Schröder (32) und Mathias Wiemer (29), beide aus Warin. Erstere hat Kauffrau im Einzelhandel gelernt, weil Altenpflege mit 16 Jahren noch nicht möglich gewesen sei, und dann auf Pflegehelferin umgesattelt. Ihr falle das Lernen nun zwar schwerer, zumal berufsbegleitend und mit Familie, sie habe heute aber auch „einen anderen Anspruch“. Jede Drei in der Schule ärgere sie mächtig.

Die Ausbildung von Mathias Wiemer, der aus gesundheitlichen Gründen seine Arbeit als Schweißer auf der Werft aufgeben musste und nun mit Katja Schröder im Unterricht in der ersten Reihe sitzt, läuft über einen Wismarer Bildungsträger. Für ihn habe nach zwei Tagen Praktikum festgestanden, dies sei der richtige Beruf. Entwicklungsmöglichkeiten nach der Ausbildung habe er bereits recherchiert. Doch im November 2016 stehe zunächst die Examensarbeit bevor, ein wenig im Wettstreit mit Katja Schröder um die besten Zensuren.

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