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Im Wald unerwünscht : Nachtwanderung der Pilzfreunde erneut verboten

vom
Aus der Redaktion des Anzeiger für Sternberg – Brüel – Warin

Wismarer Verein „Der Steinpilz“ erhielt auch für das Mildenitzgebiet zwischen Borkow und Dobbertin keine Genehmigung.

von
erstellt am 24.Aug.2017 | 05:00 Uhr

Die nächtlichen geführten Pilzwanderungen durch das Mykologische Informationszentrum mit Sitz in Wismar sind Geschichte – gestern wurde das zum zweiten Mal durch die Forstämter verboten. Nachdem der Gädebehner Amtsleiter Ingo Nadler vor Wochenfrist die geplante Pilznachtwanderung durch den Bülower Wald nicht genehmigte (SVZ berichtete), untersagte dies gestern auch sein Amtskollege aus Sandhof, Frank Zerbe.

Gegenüber unserer Redaktion erklärte dieser zum Genehmigungsantrag der Wismarer Pilzfreunde für die 6. Nachtwanderung, die morgen Abend im Mildenitzgebiet zwischen Borkow und Dobbertin bei Kläden stattfinden sollte: „Ich lehne es ab. Wegen der allgemeinen Gefahrenabwehr. Es ist unvereinbar mit der Nutzung des Waldes und der Jagd“, so Zerbe. Zudem könne es dabei zu Unfällen kommen.

Bereits 2014 gab es laut dem Pilzsachverständigen Reinhold Krakow „in dem Gebiet, allerdings auf einer anderen Route, eine nächtliche Pilzwanderung. Seinerzeit waren wir 20 Mann“. Solche Wanderungen bei Dunkelheit seien etwas Besonderes. „Die Atmosphäre ist eine ganz andere – die Stille, Ruhe im Wald, nur mit einer Lampe ,bewaffnet‘. Im Lichtkegel sehen die Pilze ganz anders, geradezu plastisch aus“, so der Experte.

Die 1. Nachtpilzwanderung fand 2012 im Radebachtal bei Blankenberg statt und im Jahr darauf weilte man an den Oberen Seen bei Sternberg. „2016 waren wir von Bahlenhüschen nach Banzkow durch den Wald und entlang dem Störkanal unterwegs.“ Eine sechste Auflage indes gibt es nicht. „Und auch keine weitere“, verkündet Krakow, der geradezu erbost darüber ist, dass das, „was jahrelang ging, plötzlich nicht mehr sein darf“. Hinter dem Ganzen sieht der Pilzsachverständige die Jagd-Lobby. „Das sind die Jäger, die den Wald beruhigt haben wollen!“

Sandhofs Forstamtsleiter erklärte, dass sich die Pilzfreunde auch bereits ans Landwirtschaftsministerium gewandt hätten „und auch da wurde es abgelehnt“, so Zerbe. Krakow hatte indes eine Antwort bis gestern „noch nicht auf dem Tisch“.

Ferner nahm Zerbe Anstoß daran, dass es eine „organisierte Veranstaltung mit Teilnehmergebühren ist“. Dabei geht es um fünf Euro pro Person. „Das Pilzzentrum in Wismar betreibe ich in Privatinitiative, bei der Beratungsstelle ist alles ehrenamtlich. Vom Staat gibt es keinen Cent. Die fünf Euro sind fürs Zentrum, ich verdiene mir keine goldene Nase dabei. Es ist unglaublich“, macht Krakow seinem Ärger Luft.

Bei Pilzvergiftungen wie bei einem Fall aus dem Raum Dabel erst Anfang des Monats geschehen (SVZ berichtete), werde man von den Kliniken zu Rate gezogen. Die Pilzexperten bezahlten hierbei auch die Fahrten ins Krankenhaus aus eigener Tasche. „Da werden wir plötzlich gebraucht“, verkündet Krakow, der seine organisierten Pilzlehrwanderungen insgesamt für die Zukunft infrage stellt.

 

Kommentar "Ruhe in den Wäldern" von Roland Güttler

Fünf Jahre lang gab es keinerlei Einwände  bei der Genehmigung  von nächtlichen Pilzwanderungen  durch das Mykologische Informationszentrum aus  Wismar – plötzlich ist alles anders. Nachdem bereits das Forstamt Gädebehn es untersagte, kam gestern auch das Verbot durch den Sandhofer Forstamtsleiter Frank Zerbe. „Es ist unvereinbar mit der Nutzung des Waldes und der Jagd.“

Letzteres dürfte denn auch den Ausschlag gegeben haben für den jähen Sinnungswandel. Die Jagd-Lobby will, dass in den Wäldern Ruhe herrscht; vor allem mit Blick aufs jagdbare Wild.

 Pilzsucher werden  da in den Wäldern  per se bereits tagsüber als (zu duldende) Störenfriede angesehen. Und dann geht eine nächtliche Pilzwanderung – wohlgemerkt leise – schon mal gar nicht!

 Natürlich ist die Frage erlaubt: Muss man denn auch des Nachts auf Pilzsuche gehen? Andersherum: Stört diese organisierte Ausnahme das Wild wirklich so sehr – oder vor allem die Jäger?

 

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