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Anzeiger für Sternberg, Brüel, Warin

17. Dezember 2017 | 03:35 Uhr

Zustand kritisch : Nach Pilzessen im Krankenhaus

vom
Aus der Redaktion des Anzeiger für Sternberg – Brüel – Warin

Perlpilz mit Grünem Knollenblätterpilz verwechselt. Zustand zweier Erwachsener aus der Region nach wie vor kritisch

von
erstellt am 04.Aug.2017 | 16:30 Uhr

„Der Zustand der Beiden ist nach wie vor kritisch“, sagt Irena Dombrowa, vom kreislichen Gesundheitsamt bestätigte Pilzsachverständige. Die Giftnotzentrale, in der die Keezerin auch gemeldet ist, hatte sie am frühen Donnerstagabend um Hilfe gebeten.

„Eine Frau und ein Mann aus der Region liegen mit einer Pilzvergiftung im Schweriner Krankenhaus“, erzählt sie gestern gegenüber SVZ. Die beiden, um die 50 Jahre alt, hatten am Abend des Vortages selbst gesammelte Pilze gesessen, dazu der Mann ein Bier, die Frau zwei Gläser Wein getrunken. Am nächsten Tag war der Mann zwar noch joggen gegangen, hatte sich aber schon sehr schlapp gefühlt. „Die Frau hatte da schon dreimal erbrochen, er später auch einmal. Beide sind dann ins Krankenhaus gefahren“, so Dombrowa.

Die Frau sei nicht mehr in der Lage gewesen, im Krankenhaus auf ihre Fragen zu antworten, sagt die Pilzsachverständige. Von dem Mann habe sie erfahren, dass sie Maronen gesammelt hätten. Als sie sich die Pilze näher beschreiben ließ, habe sie schnell gemerkt, „dass die Beiden sich gar nicht richtig auskannten. Gesagt wurde auch, dass die Pilze nicht richtig durchgegart und es große Stücke waren“.

An den Resten, die mit ins Krankenhaus genommen wurden, erkannte Irena Dombrowa, dass es ein Schwarzblauender Röhrling und keine Marone war. Der sei normalerweise ungiftig, aber in diesem Fall bereits überreif, so dass schon die Eiweißzersetzung begonnen habe und er deshalb nicht mehr gegessen werden sollte.

„Die meisten denken, dass ich ihnen Pilze wegnehmen will, wenn ich zu reife und alte aussortiere, obwohl es essbare sind“, weiß die Keezerin aus ihrer Praxiserfahrung. Doch wenn nach leichtem Drücken Dellen bleiben, Hut und Stiel gatschig sind, sollte man die Finger davon lassen, rät sie.

Doch sie hegte einen Verdacht, woran sich der Mann und die Frau vergiftet haben könnten. Sie fragte nach und erfuhr, dass auch noch Perlpilze und Champignons zum Abendessen gehörten. Aber auch wie der Perlpilz beschrieben wurde, habe nicht gestimmt, sagt sie.

Irena Dombrowa, die noch im Krankenhaus in Schwerin Kontakt zur Pilzprüf- und Beratungsstelle „Der Steinpilz“ in Wismar aufgenommen hatte, fuhr dorthin, um von der Ausstellungsfläche Perlpilz, Champignon, aber auch Grünen Knollenblätterpilz zu holen. Wieder zurück im Krankenhaus „wurde der Perlpilz nicht erkannt, die von mir gezeigte Knolle vom Grünen Knollenblätterpilz aber für einen Perlpilz gehalten. Mein Verdacht hatte sich bestätigt“, sagt sie. Den gleichen habe auch der Arzt gehabt und bereits die richtige Behandlung eingeleitet.

„Sämtliche Symptome haben zu einer Vergiftung mit dem Grünen Knollenblätterpilz gepasst. Ich bin abends noch zu der Stelle in Dabel gefahren, die mir als Fundort beschrieben wurde und habe auf einer Wiese auch einen dieser Pilze gesehen“, sagt sie.

Die Expertin weiß, dass in diesem Jahr viele giftige Pilze wachsen und der Regen auch deren Aussehen verändere. Um auf Nummer sicher zu gehen, sei der Pilzberater immer die erste Adresse. Wer zu ihr (Tel. 0172/ 733 92 26) nach Keez, Dorfstraße 1 komme und sie nicht erreiche, kann gern auch eine Nachricht hinterlassen. Irena Dombrowa verweist auch auf den Wismarer „Steinpilz“ in der ABC-Straße 21, wo zu den Öffnungszeiten Montag, Donnerstag 9 bis 12 und 14 bis 18 Uhr, Dienstag 14 bis 16 Uhr, Freitag 15 bis 18 Uhr und Sonnabend 16 bis 18 Uhr immer der Pilzsachverständige Reinhold Krakow erreichbar ist. Generell empfiehlt Dombrowa, Pilze immer gut durchzugaren, spät abends keine mehr zu essen und auch nicht in Verbindung mit Alkohol.

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