Witzin : Nach Auszeit schnell zur Entscheidung

Das Gemeindehaus und die Feuerwehr.
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Das Gemeindehaus und die Feuerwehr.

Es gab doch noch grünes Licht für den zweiten Bauabschnitt im Witziner Dorfgemeinschaftshaus.

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22. September 2017, 21:00 Uhr

Der Bürgermeister wirkte leicht genervt, als sich die Diskussion ständig im Kreis zu drehen schien. In der Sitzung der Gemeindevertretung am Donnerstagabend ging es jetzt um den zweiten Bauabschnitt im Dorfgemeinschaftshaus. Nachdem Umbau und Erweiterung der in dem Gebäude heimischen Kindertagesstätte „Witziner Weltentdecker“ abgeschlossen sind, sollen hier nun der Gemeindebereich und die Skaterhalle saniert werden. Dazu präsentierte Hans Hüller mit dem Beschlussentwurf drei Varianten. Oder besser gesagt – zwei, denn Nummer drei hieße, alles bliebe so wie es ist, „der zweite Bauabschnitt wird nicht durchgeführt“.

Doch beabsichtigt ist das Vorhaben schon längst. Und auch, dass nach seiner Verwirklichung die Skaterhalle dem Sport vorbehalten und in Obhut dieses Vereins bleiben soll, aber gelegentlich auch anderen zur Verfügung steht. Ohne oder mit Anbau, darum ging es nun. Die erste Variante umfasst u. a. Fußbodenheizung, Dämmung, ergänzend auch im Deckenbereich, Betonsohle und Skaterbelag thermisch aktiviert, Ergänzung der Prallschutzwand, teilweise Erneuerung der Elektroinstallation, Anzeigetafel und Beschallungsanlage sowie Erneuerung des Sanitärbereichs. Eine grobe Kostenschätzung ergibt 393 000 Euro. Werde eine Förderung durch EU-Mittel zur Integrierten ländlichen Entwicklung (ILerl-MV) bewilligt, könnte die Gemeinde mit 255 500 Euro rechnen, so dass sie einen Eigenanteil von 137 5000 Euro hätte.

Bei Variante zwei käme ein Anbau am Giebel der Skaterhalle hinzu, u. a. für einen Kraftraum. Die favorisiere ein Großteil des Skatervereins. Der wolle sich um eine Förderung durch den Landessportbund bemühen. Doch selbst der Vorstand des Vereins sei uneins, es gebe „fünf Meinungen“, so Vereinsvorsitzende Heike Schulze. Mit dem Anbau würde sich das Vorhaben auf 562 000 Euro verteuern, der Eigenanteil der Gemeinde auf 196 700 Euro, wenn die veranschlagten Ilerl-Mittel von 365 300 Euro fließen.

Für Gemeindevertreterin Lydia Steuber ist die Differenz von rund 60 000 Euro bei den Eigenmitteln „erträglich“. Wenn investiert werde, sollte das nicht zu kurzsichtig sein, sondern „zukunftsträchtig“ mindestens für die nächsten zehn bis 15 Jahre. Zumal die Skaterhalle dann für die ganze Gemeinde von Nutzen sei. Sie bevorzuge daher, so Steuber, die zweite Variante mit dem Anbau.

Damit blieb sie allerdings fast allein. Ihm sei das alles viel zu teuer, monierte Bruno Urbschat und plädierte „für eine Sparvariante“. Es sollte überlegt werden, „was wir tatsächlich brauchen, um die sportlichen Aktivitäten zu erhalten oder etwas zu verbessern“. Werde ein Kraftraum überhaupt ausgelastet?, fragte Urbschat, stieß sich aber schon an der Summe für die erste Variante.

Die Zeit dränge, mahnte der Bürgermeister an, damit Fördermittel beantragt werden könnten. Zudem stünde der Gemeinde noch die Prämie von 30 000 Euro vom Landkreis aus dem Wettbewerb „Unser Dorf hat Zukunft – unser Dorf soll schöner werden“ zur Verfügung.

Das kam bei Werner Kröplin gar nicht gut an. Die Gemeindevertretung dürfe nicht unter Zeitdruck gesetzt werden. Außerdem wüsste er gern, wie hoch später die Betriebskosten sind. Steuber beantragte für die Fraktion Witziner Mitte, der auch Kröplin angehört, eine Auszeit. Das Ergebnis: Das Planungsbüro solle sich vorab zu den möglichen Betriebskosten äußern. Auch die CDU-Fraktion hatte in der Auszeit beraten. Urbschat verkündete nun, die Fraktion würde die erste Variante ohne Anbau mittragen.

Der Moment für den Bürgermeister – zunächst ließ er über die zweite Variante mit Anbau abstimmen. Zweimal Ja, dreimal Nein, zwei Enthaltungen und damit abgelehnt. Für die erste Variante gab es fünf Ja-Stimmen, ein Nein und eine Enthaltung. So funktioniert nun mal Demokratie, konstatierte Hans Hüller. Von Betriebskosten war nun keine Rede mehr.

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