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Anzeiger für Sternberg, Brüel, Warin

21. November 2017 | 17:05 Uhr

Groß Görnow : Mutterschafe zum Ultraschall

vom

Die Landwirtschaftsgesellschaft Groß Raden lässt in Groß Görnow 2700 gedeckte Mutterschafe auf ihre Trächtigkeit untersuchen - mit Ultraschall. Danach werden die Tiere neuen Herden zugeordnet.

svz.de von
erstellt am 27.Feb.2013 | 10:17 Uhr

Groß Görnow | Im Stall in Groß Görnow stehen die Mutterschafe buchstäblich Schlange. Weniger von sich aus, Schäfer Bernd Kruse sorgt dafür, dass im Laufgatter, durch das die Tiere nur eines nach dem anderen passen, keine Lücke entsteht. Die Landwirtschaftsgesellschaft Groß Raden lässt die 2700 gedeckten Tiere auf ihre Trächtigkeit untersuchen.

Mit dem Ultraschall kommt Ted Fox, der selbst Schafe und Kühe hält, eigens aus Nordengland. Noch in der vorigen Woche hat er dort 9000 Muttern überprüft, erzählt er. Rund zehn Prozent waren ohne Lämmer. Das sei eine hohe Fehlquote, die sollte unter vier Prozent liegen, sagt der Fachmann. Bis gestern kurz vor Mittag, als etwa die Hälfte der Tiere durch ist, liegt die Fehlquote in Groß Görnow bei nur zwei Prozent. "Hoffentlich bleibt das so, damit könnten wir wirklich zufrieden sein", sagt Christian Diederichs, der mit dem Schotten David Paterson die Schafzucht in dem auf Lammfleischproduktion spezialisierten Betrieb lenkt.

Die Muttern werden auf natürliche Weise gedeckt. 57 Böcke hält der Betrieb derzeit. Sie sind jeweils sechs bis sieben Wochen in den Herden, die 400 bis 600 weibliche Tiere umfassen; auf 50 von ihnen ein Bock. In der kommenden Lammzeit, die am 10. April beginnt, bleiben das Schwarzköpfige Fleischrind und das Iles de France, eine französische Fleischrasse, die im Warnowtal vor einiger Zeit einzog, noch unter sich. In der nächsten Decksai son im Spätherbst werden die Kreuzungen mit Cheviot und Lleyn aus Schottland und Wales sowie mit holländischen Texel-Böcken hinzukommen. Gegenwärtig wachsen 800 weibliche Lämmer aus dem Vorjahr heran, um den Bestand aufzufrischen und zu erweitern. So viele sollen auch 2013 vom Schlachthof verschont bleiben. Wobei die Erweiterung im Vordergrund stehe, wie Christian Diederichs feststellt. "Deshalb behalten wir auch ältere Mutterschafe, wenn sie noch gute Lammergebnisse haben, ein Jahr länger." Bis 2014, so das Ziel, soll der Bestand auf 3500 Muttertiere anwachsen.

Die Trächtigkeit lässt der Betrieb am Warnowtal das zweite Mal untersuchen. Vor einem Jahr erledigte das ein Spezialist aus Neuseeland, der sich gerade in Großbritannien aufhielt. Nach Deutschland wäre er gern wieder gekommen, doch damit sich die weite Anreise lohnt, müssten rund 20 000 Tiere zur Stelle sein. Und das sei schlichtweg unmöglich, weiß Diederichs. Betriebe in der Größenordnung wie Groß Raden gibt es hier zu Lande nur wenige. Entgegen dem Trend den Bestand weiter aufzustocken, fand auf dem Schaftag 2012, den der Landesschaf- und Ziegenzuchtverband im Sternberger Seenland durchführte, viel Anerkennung.

Durch David Paterson, dessen Familie in Schottland über Generationen Schafzucht betrieb, kam der Kontakt zu Ted Fox zu Stande. Beide kennen sich von Bock-Auktionen, erzählt May Paterson. Sie spricht fließend Deutsch und dolmetscht nicht nur dieser Tage. Gelernt habe sie das übrigens unter erschwerten Bedingungen in Bayern, und das Ehepaar besitzt ein Ferienhaus in Österreich. Ihr Mann heuerte in Groß Raden an, als vor zwei Jahren das Ablammen im Freien eingeführt werden sollte und seine Erfahrung aus Schottland gefragt war.

Ted Fox sitzt beim Ultraschall beinahe auf dem Fußboden, das Polster mit Rückenlehne wirkt wie aus einem ausrangierten Auto. Er findet seine Sitzhaltung keineswegs unbequem. Viel anstrengender sei es, sich die ganze Zeit sehr konzentrieren zu müssen. Aber für ihn sei es eine Ehre, dass ein Engländer für diese Arbeit herkommen darf, sagt der fröhliche Mann von der Insel schmunzelnd. Sich mit ihm zu verständigen, kostet aber selbst May Paterson Mühe. Die sprachlichen Unterschiede seien in Großbritannien etwa so wie hier zwischen Norddeutschen und Sachsen, sagt sie.

Die Ansage von Ted Fox ist knapp: Single, Twin, Triplet. "Das ist richtig spannend", meint Schäfer Bernd Kruse, seit 17 Jahren in dem Betrieb. "Sonst mussten wir uns überraschen lassen." Einlinge bekommen von David Paterson einen roten Farbklecks an die Schulter, Drillinge ans Hinterteil. Bei Zwillingen gibt es keine Markierung, weil die am häufigsten sind. Nach der Trächtigkeit werden die Tiere den Herden zugeordnet. "Das ist wichtig für eine gezielte Fütterung", erklärt Diede richs. Mutterschafe mit Drillingen bleiben im Stall und erhalten Extra-Portionen Kraftfutter. Die Herden mit Zwillingen sollen beim Ablammen dieses Jahr auch möglichst nahe am Hof sein, damit die Neugeborenen besser vor den Attacken der Krähen und Raben geschützt werden können.

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