Brüel : Musik ist seine große Liebe

Hat die Gitarre  oft dabei: Martin Grützmann
Hat die Gitarre oft dabei: Martin Grützmann

Martin Krützmann spielt Keyboard, Gitarre, singt, textet und nimmt jetzt auch noch Orgelunterricht

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02. März 2018, 21:00 Uhr

„Musik zieht sich wie ein roter Faden durch mein Leben“, sagt Martin Krützmann. Der 38-Jährige spielt Keyboard, Gitarre, singt und nimmt jetzt auch noch Orgelunterricht. Von Geburt an blind, habe er über Musik auch viel verarbeitet, erzählt er. „Da entstehen auch Lieder. Die Musik wurde mir von meinen Eltern in die Wiege gelegt. Mein Vater hat in Gadebusch in einem Orchester Trompete gespielt, meine Mutter Mandoline. Und sie singt gern.“

Eva Krützmann unterstützt ihren Sohn noch heute bei einigen Auftritten gesanglich, Dieter Krützmann bleibt allerdings im Hintergrund. Der Vater betreut die Technik.

Er war gerade vier Jahre alt, erinnert sich der 38-Jährige, als er Kochtöpfe aus dem Küchenschrank der Mutter geräumt und darauf etliche Kochlöffel kaputt gehauen habe. Erste Instrumente folgten wie Xylophon, Triola, und Kinderklavier. Von der Oma bekam er ein kleines Kinderkeyboard. 1988 hielt er seine erste Gitarre in den Händen.

„Gitarrenunterricht habe ich dann in der Schule für Blinde und Sehbehinderte in Königs Wusterhausen genommen. Und mit acht Jahren habe ich auch die Aufnahmeprüfung für den Schulchor bestanden“, ist er darüber noch heute ein bisschen stolz. Denn er hatte so überzeugt, dass er als Erstklässler bei den Fünftklässlern mitsingen durfte. Das sei schon eine kleine Sensation gewesen, weiß er. Auch als er nach der Wende auf die Schule nach Neukloster wechselte, blieb Martin Krützmann der Musik treu, sang im Chor, spielte Keyboard - inzwischen war es sein drittes. „Es war eine schöne Zeit. Ich hatte Keyboardunterricht, der Chor wurde mit verschiedenen Instrumenten begleitet. Und es gab eine Schülerband, in der ich von Anfang an dazugehörte. Wir haben 1998 sogar eine CD und einen Video-Clip für N3 aufgenommen.“

Es folgten drei Jahre Ausbildung an der staatlichen Handelsfachschule in Hamburg – in der sich zu seinem Bedauern auch die Band auflöste, weil deren Mitglieder inzwischen andere Wege gingen – und der Berufsabschluss als Fachangestellter für Bürokommunikation und Telefonist in Hannover. Selbstredend, dass Martin Krützmann auch dort wieder im Chor sang und Keyboard spielte.

Seit 2004 ist er wieder in seiner Heimatstadt Brüel. „Es ist zwar mein Zuhause, aber wenn man mehr weg als hier war, muss man erst wieder Fuß fassen. Ich konnte dank meiner Mutter bei den Lustigen Brüelern einsteigen“, sagt er. Nach vier Jahren in dem bekannten Chor begannen er und seine Eltern aber, eigene Auftritte zu planen. Parallel hatte er sich längst weitere musikalische Herausforderungen gesucht. Wie in dem Musical „Stärker als die Dunkelheit“, das 2006 unter Schirmherrin Katja Ebstein in Berlin Premiere hatte. Das Musical wurde in Zusammenarbeit blinder und sehender Autoren geschrieben. Die Herausforderung für den Brüeler war, als Blinder eine der männlichen sehenden Hauptrollen zu übernehmen, zu sprechen, zu singen und ein bisschen Samba zu tanzen. „Wir sind zwischen 2006 und 2010 mit dem Stück getourt. Die Darsteller kamen aus ganz Deutschland. Ich war der einzige Blinde, andere waren sehbehindert. Wir hatten alle Lust weiterzumachen, aber es war eine finanzielle Frage“, bedauert er das Aus.

Musik ist seine ganz große Liebe geblieben, gesteht er und, dass auch seine Partnerin toll finde, was er mache. So singt er neben eigenen Auftritten noch im Kirchenchor, spielt dort abwechselnd mit Chorleiterin Katrin Nagel Klavier und nimmt zudem Orgelunterricht. Am dritten Advent durfte er das erste Mal vor Zuhörern auf der Königin der Instrumente spielen. Mit dabei ist Martin Krützmann natürlich auch beim Frühlingsfest der Brüeler Musikanten am 25. März in der Stadthalle Brüel, worauf er sich schon sehr freut.

„Ich liebe die Musik und bin gern unter Leuten“, sagt er, wohl wissend, „dass dies alles ohne Freunde und Familie nicht möglich wäre“.

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